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Lkw vor Immo-Büro: Die vielen Kieslaster stören Alpen-Immo-Chefin Eva Skofitsch dermaßen, dass sie sich nun persönlich um Gegenmaßnahmen bemüht.

Gefährliche Zustände mitten im Ort

Blitzer gegen Raser? Schlierseerin will Lkw-Wahnsinn einbremsen

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Lkw-Raser in Schliersee: Eva Maria Skofitsch sind sie ein Dorn im Auge. Jetzt will die Schlierseerin Blitzer beantragen - und an die Vernunft von Bauunternehmern appellieren.

Schliersee – Sie sind groß, schwer – und trotzdem schnell. Zu schnell, findet Eva Maria Skofitsch. „Manche fahren wie die Wahnsinnigen“, sagt die Geschäftsführerin der Alpen-Immo GmbH. Kolonnenweise rauschen dieser Tage wieder Lkw an ihrem Büro an der Schlierseer Rathausstraße vorbei. Viele davon mit Bauschutt auf der Ladefläche und mit auswärtigem Kennzeichen auf dem Nummernschild. Gerade das hält Skofitsch für gefährlich. „Die kennen den Straßenverlauf nicht“, sagt sie. Und damit auch nicht die enge Kurve, die die B 307 nach dem Rathaus beschreibt. Nur eine Frage der Zeit, bis es da mal böse kracht, meint Skofitsch. Schon jetzt würden sich Fußgänger kaum mehr über die Straße trauen. „Man sieht die Angst in ihren Augen.“

Das Problem ist nicht neu. Immer wieder beklagen die Schlierseer den zunehmenden Schwerverkehr durch ihren Ort. Wie berichtet, steuern die meisten der Bauschutt-Transporte das Hartstein- und Schotterwerk in Fischbachau an – trotz der teilweise langen Anfahrtswege. Der Grund: fehlende Alternativen in der näheren Umgebung.

Dieses Argument will Skofitsch so nicht gelten lassen. Sie sei selbst in der Immobilien- und Bauprojektentwicklungsbranche tätig und wisse, dass es sehr wohl einen Ausweg aus dem Transport-Dilemma gibt. Den Beweis habe sie bereits erfolgreich angetreten – in Neuhaus.

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2017 habe sie dort mit dem Neubau von 17 Wohnungen mit Tiefgarage an der Waldschmidtstraße/Ecke Krettenburgstraße begonnen. Da sei ihr schnell klar gewesen, dass der Abtransport des Aushubs und später die Rücklieferung zur Hinterfüllung eine enorme Belastung für Schliersee wäre. Also habe sie zusammen mit der beauftragten Hoch- und Tiefbaufirma nach einer Zwischenlagerungsmöglichkeit gesucht.

Fündig geworden sei man nur eine Straße weiter. Dort habe man ein derzeit ungenutztes Grundstück als Lagerplatz pachten können. Gemeinde und Landratsamt hätten die Genehmigung unkompliziert erteilt. „So haben wir Schliersee circa 500 Lkw-Fahrten erspart“, berichtet Skofitsch stolz. Für sie eine „Top-Lösung“, die obendrein die Kosten für den Bauherrn reduziere und ihm garantiere, dass am Ende kein fremdes Bodenmaterial auf seinem Grundstück lande.

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Ein Beispiel, das gern Schule machen darf, findet Skofitsch und appelliert an alle anderen Bauherren, ebenfalls nach Lagerflächen in der näheren Umgebung zu suchen. „Mit ein bisschen Bewusstsein und Feingefühl könnte man viele unnötige Lkw-Fahrten vermeiden.“

Darauf verlassen will sich Skofitsch aber nicht. Über den Ortsverband des Bunds der Selbstständigen (BdS) will sie zwei festinstallierte Blitzer an der Bundesstraße erwirken. Einen auf Höhe des Gasthofs zur Post, einen weiteren am Minigolfplatz. „In Österreich funktioniert das super“, sagt sie. Die Folgen: ein Plus an Sicherheit und ein Schritt in Richtung des sanften Tourismus. „Ich will keinen autofreien Ort und auch kein Bauverbot“, macht Skofitsch klar. „Aber das, was momentan bei uns abläuft, kann nicht der richtige Weg sein.“

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