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Blutspenden in Corona-Zeiten - ist das auch sicher?

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So nah wie auf diesem Archivbild von einer Blutspende-Aktion in Miesbach geht es in Corona-Zeiten nicht mehr zu. © Thomas Plettenberg

Blutspenden werden weiterhin benötigt – auch zu Corona-Zeiten. Aber ist das auch wirklich sicher? Wir haben bei Simon Horst vom BRK im Landkreis Miesbach nachgefragt. Er sagt: „Mulmig braucht niemandem zu sein“.

Schliersee  – Blutspenden werden weiterhin benötigt – auch zu Corona-Zeiten. Auch wenn einige geplante Operationen, die nicht zu sehr drängen, verschoben wurden, bleibt der Bedarf für Notfälle und für Menschen mit chronischen Erkrankungen, zumal Blutspenden nicht lange haltbar sind. Aber ist das Blutspenden während der Corona-Pandemie auch sicher? 

Vor dem nächsten Termin des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) am Freitag, 17. April 2020, in Schliersee haben wir bei Simon Horst, der sich im BRK-Kreisverband Miesbach unter anderem auch um Katastrophenschutz und Blutspenden kümmert, nachgefragt, wie die Erfahrungen beim ersten Termin zu Corona-Zeiten im Landkreis waren.

Herr Horst, wie war denn die Resonanz beim ersten Blutspendetermin im Landkreis unter Corona-Einfluss am Dienstag in Bad Wiessee?

Simon Horst: „Die Resonanz war sehr, sehr gut. Ich schätze, es dürften etwa 20 Prozent mehr Leute da gewesen sein als sonst. Es kamen auch viele Erstspender neu dazu. Das gilt übrigens nicht nur für Bad Wiessee. Wir stellen bayernweit fest, dass die Bereitschaft zum Blutspenden sogar zunimmt.“

Weil den Leuten wieder bewusster wird, wie wichtig die medizinische Versorgung ist?

Simon Horst: „Ja, das ist sicher auch ein Grund, dass das Bewusstsein zunimmt. Für manche ist es vielleicht aber auch eine willkommene Gelegenheit, während der Ausgangsbeschränkung einmal mit gutem Grund rausgehen zu dürfen und das mit einer guten Tat zu verbinden.“

Trotzdem beschleicht manche vielleicht doch Sorge. Muss einem derzeit beim Blutspenden mulmig sein?

Simon Horst: „Grundsätzlich nein. Blutspenden ist ja eine Form der Organspende und unterliegt damit ohnehin den höchsten hygienischen und medizinischen Anforderungen. Wir fahren da eh ein sehr hohes Niveau. Im Kontext der Corona-Situation sorgen wir dafür, dass beim Blutspenden der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Außerdem werden alle Blutspender zu ihrem Zustand befragt und Fieber gemessen. Wir gehen davon aus, dass jemand, der sich nicht gut fühlt, gar nicht erst kommt. Das wäre auch unser Appell: Wer sich gesundheitlich angeschlagen fühlt, sollte sowieso nicht zum Blutspenden gehen.“

„Unsere Leute kontrollieren auch, ob sich die Leute an die Maßnahmen halten“

Hat der Termin in Bad Wiessee denn reibungslos geklappt?

Simon Horst: „Ja, das hat gut geklappt. Die Menschen sind die Vorsichtsmaßnahmen inzwischen schon gewöhnt. Abstand zu halten, das kennt man jetzt ja auch vom Einkaufen. Und die Blutspender sind sehr vernünftig, da funktioniert das recht gut. Es ist ja jeder motiviert, darauf zu achten, dass die nächsten Termine auch stattfinden können. Unsere Leute kontrollieren das aber auch, ob sich die Leute an die Maßnahmen halten.“

Kam es in Wiessee zu langen Schlangen beim Anstehen?

Simon Horst: „Tatsächlich hat es sich etwas aufgestaut. Aber davon sollte sich niemand abschrecken lassen. Die Schlange bedeutet nicht, dass es viel länger dauert. Es ist vor allem eine räumliche Verzerrung, wegen der Abstandsregel. Die Wartezeit ist wegen der Vorkehrungen nur etwas länger als normal.“

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In Waakirchen sollte Ende März auch ein Blutspendetermin stattfinden. Er wurde aber kurzfristig abgesagt. Wegen Corona?

Simon Horst: „Ja, im Zusammenhang mit Corona. Es gab den Verdacht, dass jemand aus dem hauptamtlichen Personal betroffen sein könnte. Das zugewiesene Team konnte deshalb nicht kommen.“

Hat sich der Verdacht bestätigt?

Simon Horst: „Meines Wissens war es zum Glück falscher Alarm.“

Aber der Fall zeigt auch, dass die Sicherungsmechanismen offenbar wirken und ein Termin im Zweifelsfall eben nicht auf Biegen und Brechen durchgezogen wird, oder?

Simon Horst: „Das würden wir sicher nicht tun. Es sind wirklich alle bemüht, die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Und im Zweifel ist der sicherste Weg die Absage.“

Blutspendedienst in Schliersee

Der nächste Blutspende-Termin im Landkreis ist für diesen Freitag, 17. April 2020, in Schliersee angesetzt: Der Blutspende-Dienst macht von 16 bis 20.30 Uhr in der Vitalwelt Station. Blut spenden kann jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren, Frauen bis zu viermal, Männer bis zu sechsmal im Jahr. Erstspender sollten nicht älter als 68 Jahre sein. Ausführliche Infos – auch zum Blutspenden in Corona-Zeiten – und weitere Termine gibt es auf der Internetseite des Blutspendedienstes.

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Katrin Hager

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