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Zwei Wochen ohne Leitung: das Bodenschneidhaus.

Bodenschneidhaus nach Blitzschlag von der Außenwelt abgeschnitten

DAV-Hütte zwei Wochen ohne Telefon - Telekom reagiert nicht

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Das Bodenschneidhaus hat zwei Wochen kein Telefon. Ein Albtraum für die Hüttenwirte. Doch die Telekom interessierte das offenbar erst, als wir anriefen. Und das hat seinen Grund.

Schliersee – Der Knall war bis ins Tal zu hören, das Telefon danach tot. Ein Blitzschlag löschte mit einem Rumms die einzige verlässliche Verbindung des Bodenschneidhauses zur Außenwelt aus. Und für die Hüttenwirte Hildegard und Michael Wiesner begann eine zweiwöchige Tortur. Die Alpenvereinshütte liegt in einer Senke zwischen Rinner- und Brecherspitz – ein tiefes Funkloch. „Mit dem Handy geht da gar nichts“, berichtet Hildegard Wiesner (59). „Wir haben auch eine Internetverbindung via Satellit. Aber die geht auch nur bei schönem Wetter.“ Außerdem nutzen Übernachtungsgäste lieber den schnellen Anruf, um spontan zu buchen oder zu stornieren. „Viele rufen auch vorher an, ob überhaupt jemand da ist“, sagt Wiesner.

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Kein Telefon - ein Riesenproblem für die Hüttenwirte

Nach dem Blitzschlag blieben die Anrufe aus und die Probleme fingen damit an. Wie viele Gäste ihr Haus durch die kaputte Leitung verloren hat, kann die Hüttenwirtin kaum beziffern. Dafür weiß sie schmerzlich genau, auf wie vielen Essen sie sitzen geblieben ist, weil Übernachtungsgäste nicht absagen konnten. „An die 50 kamen nicht.“ Mehr noch: Wenn keiner vorher absagt, müssen die Wirte bis 19 Uhr in der Küche bereitstehen – falls die Gruppen doch noch kommen. Und da geht’s nicht um zwei oder drei Personen mehr oder weniger. „Wir haben 48 Schlafplätze.“

Im Ernstfall - lebensgefährlich

Für Wanderer ist so eine kaputte Leitung im Ernstfall lebensgefährlich: Bei Unfällen können die Hüttenwirte die Bergwacht nicht mehr alarmieren. „Die kommen ja auch zu uns, wenn sie ins Tal telefonieren müssen.“ Neulich hat Wiesner einen verletzten Wanderer selbst ins Tal gefahren. Der hatte sich zum Glück nur den Knöchel verstaucht.

Dazu kommen die eigenen Reisen ins Tal, um selbst mal ein Telefonat abzusetzen. Auch für das Gespräch mit unserer Zeitung muss die 59-Jährige über die Forststraße zur unteren Krainsbergalm abfahren.

Genauso, wie für ihre regelmäßigen Gespräche mit den anonymen Frauen der Telekom-Callcenter. Die verliefen bis vor Kurzem recht einseitig. Gleich nach dem Blitzschlag am 30. Juni, einem Freitag, setzen die Wiesners eine Störmeldung ab. Per Mail und telefonisch.

Die anonymen Damen vom Telekom-Callcenter

Seitdem fahren Hildegard Wiesner oder ihr Mann Michael (51) regelmäßig ins Tal, um bei dem Unternehmen nachzufragen. Und regelmäßig werden sie vertröstet. Immer mit demselben Satz: Ein Techniker müsse die Leitung auf Schäden überprüfen. Das dauere seine Zeit. „Als würden die den Satz irgendwo ablesen“, sagt Wiesner. Sie antwortet dann jedes Mal: Die Leitung ist in Ordnung. Das weiß sie, weil sie die Leitung selbst abgelaufen ist.

Aber das interessiert die anonyme Dame am anderen Ende der Leitung nicht. Ein Techniker werde die Leitung überprüfen, sagt die trotzdem. Immer wieder, als wäre sie taub. Wiesner will selbst mit diesem Techniker zu sprechen. Könne sie gerne machen. Der nächste freie Gesprächstermin sei der 24. Juli gegen Mittag. Da könne sie telefonisch mit dem Mann Kontakt aufnehmen. Wohlgemerkt ein telefonischer Gesprächstermin. Kein Termin für eine Ortsbesichtigung oder gar eine Reparatur – und mehr als drei Wochen nach dem Blitzeinschlag.

Erst nach unserem Anruf kommt plötzlich der Techniker

In ihrer Verzweiflung meldet sich Wiesner bei unserer Redaktion. Wir fragen am selben Tag bei der Telekom nach, warum man sich so lange nicht um die Alpenvereinshütte kümmern will, auch wieder bei einer Dame in einem Callcenter. Die weiß das nicht, verspricht aber nachzufragen. Zwei Tage später taucht ein Techniker am Bodenschneidhaus auf und tauscht eine Buchse aus. Materialkosten: 2,50 Euro. Arbeitsaufwand: fünf Minuten. Klar, das hätte er auch gleich am Abend des Blitzschlags machen können, sagt er. Ohne Auftrag der Telekom geht das nicht. Und der kam erst nach unserem Anruf. „Sie sind die, die bei der Zeitung angerufen hat“, sagt der Techniker selbst augenzwinkernd zur Hüttenwirtin.

„Die Telekom will uns loshaben“

Eine Antwort auf das Warum bekommen wir von der Telekom nicht. Hildegard Wiesner hat eine eigene Theorie: „Wir sind die Einzigen, die an der Leitung hängen. Das lohnt sich nicht für die Telekom. Die will uns loshaben.“ Die Ironie an der Geschichte: Gäbe es da oben ein funktionierendes Handynetz, die Wiesners hätten tatsächlich schon längst klein beigegeben.

kmm

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