Open Air des Bayerischen Outdoor Filmfestival, Campingplatz Schliersee
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Wetterfeste Zuschauer: Als outdoortauglich erwies sich auch das Publikum im Open Air Kino am Schlierseer Campingplatz. Trotz Nieselregens und kühler Temperaturen war der Andrang groß.

Open Air des Bayerischen Outdoor Filmfestival

„Stürzen absolut verboten“: Extremsport-Filme beeindrucken am Schliersee

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Als outdoortauglich haben sich die Zuschauer des BOFF-Open-Air am Campingplatz in Schliersee erwiesen. Belohnt wurden sie mit beeindruckenden Extremsport-Filmen.

Schliersee – Für Open Air Kino wünscht man sich eigentlich einen lauen Sommerabend, sternenklar und trocken. Den Besuchern des Bayerischen Outdoor Filmfestivals (BOFF), das am Samstagabend am Campingplatz in Schliersee Station machte, war das nicht gegönnt. Andi Prielmaier aus Hausham und Sandra Freudenberg, die das BOFF zusammen mit Tom Dauer gegründet haben, begrüßten die Gäste bei kühlen 15 Grad, der Himmel war wolkenverhangen und nieselte. Die Besucher waren in passenden Outdoor-Klamotten gekommen, mit Anorak, Stirnband, Mütze und Fleecedecke – und irgendwie passte das Wetter sogar. Denn so wie es eben kein kuscheliges Kinovergnügen war, so ist auch das, was die Leute zu sehen bekamen, von Kuscheln weit entfernt.

Snowboarden, Klettern, Mountainbiken und Kajakfahren – alles in schwierigstem Gelände: Extremsport in der Superlative. Den Anfang des BOFF-Best-Of der vergangenen Jahre machte der fünfminütige Streifen „Variety“, in dem der österreichische Downhill-Racer Gerhard Senftler einen im Ersten Weltkrieg in die Dolomiten gesprengten Weg befährt. Senftler radelt über Grate, neben denen es beidseitig Hunderte von Metern nach unten geht, manchmal besteht der Weg aus geschätzt 50 Zentimetern breiten Latten, die im Nichts zu hängen scheinen. „Ausgesetzt“ nennt Senftler das und sagt im Film auch, was wohl jeder denkt: „Stürzen ist absolut verboten.“

Nähe zum Tod bedeutet, die Freiheit zu spüren

Aber für Extremsportler ist es wohl gerade diese Nähe zum Tod, die jeden Moment des Lebens so wertvoll macht und das bedeutet, was ihnen allen das Wichtigste ist: Freiheit zu spüren. Es ist mehr als Hobby, es ist eine Lebensphilosophie, dem Körper Höchstleistungen abzuverlangen – draußen in der Natur, wo es keine Zuschauer gibt, die anspornen oder applaudieren, keine Medaillen und keine Preisgelder. Der Lohn für Extremsportler ist nicht der Beifall der anderen, sondern, das gesetzte Ziel zu erreichen.

Das wurde im zweiten Film dieses Abends klar: „Cerro Kishtwar“. Thomas Huber, Stephan Siegrist und Julian Zanker suchen eine neue Route durch die Nordwestwand des 6173 Meter hohen Berges in Indien. Zwei Anläufe brauchen die Drei, bis sie nach sieben Tagen im Fels am Gipfel stehen. Sieben Tage, in denen sie bei minus 20 Grad in Hängebiwaks schlafen und bei Tageslicht um jeden Meter nach oben kämpfen. Huber spricht auch vom Scheitern. Es gehöre zum Leben, weil man sich reflektiert.

Extremsportler sind auch ein lustiges Volk

Wie viel diese Individualisten auf sich nehmen, zeigte auch der dritte Streifen „Iceland“, in dem Prielmaier mit seinen „Freireitern“ auf Island unterwegs ist. Man erfährt, dass es für ihn Glück bedeutet, „sich selbst, die Elemente, das Leben zu spüren“. Ein Kajakfahrer, den man im Film in eiskalten isländischen Flüssen zwischen Felsbrocken hindurch Wasserfälle hinunterstürzen sieht, meint später im Interview, sein einziges Problem sei, dass er vor Kälte seine Hände nicht mehr spüre – und grinst dabei in die Kamera. Sie sind auch ein lustiges Volk, die Extremsportler.

In „Yamas“, Film vier, ist eine Truppe mit dem Truck während eines Jahrhundertwinters in Griechenland unterwegs. Sie blödeln und lachen viel, crossen mit ihren Snowboards durch Schneerinnen auf Kretas Bergen und surfen im Meer. Den Abschluss des Filmabends machte der Streifen „Paws & Wheels“. Er zeigt den Enduro-Biker Oli Dorn und seinen Australian Shepherd Balu, wie sie in teils irrwitzigem Tempo über schmale Waldwege jagen – und danach ausgepowert in der Wiese liegen. Lebensfreude pur.

cmh

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