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Völlig zerstört ist das Wohnhaus an der Hennererstraße im Schlierseer Ortsteil Breitenbach.

Brandstiftung in Schliersee

Tatverdächtiger in "psychischer Ausnahmesituation"

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Am Tag nach dem Vollbrand eines Wohnhauses im Schlierseer Ortsteil Breitenbach verdichten sich die Anzeichen auf Brandstiftung. Noch am Sonntagabend hat die Polizei den flüchtigen Tatverdächtigen festgenommen.

Eine Nacht nach dem großen Feuer hat sich der Rauch verzogen. Die Spuren, die die Flammen am Sonntagabend in dem Wohnhaus an der Hennererstraße im Schlierseer Ortsteil Breitenbach (wir berichteten) hinterlassen haben, sind verheerend: das Dach teilweise eingestürzt, Fenster und Wände vom Ruß geschwärzt – von den Schäden im Inneren ganz zu schweigen. Noch schwerer wiegt der Verdacht, wie es zu dem Brand gekommen ist. Was am Sonntag schon aus Feuerwehrkreisen zu hören war, hat sich gestern Mittag bestätigt: Das Feuer wurde offenbar vorsätzlich gelegt.

„Nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen dürfte das Feuer durch Brandstiftung entstanden sein“, heißt es im Bericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Tatverdächtiger ist ein 35-jähriger Mann, der mit seiner 83-jährigen Großtante in dem einstöckigen Bungalow gewohnt hat. Zum Tatzeitpunkt hat er sich laut Polizei in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden. Kurz zuvor sei er der Seniorin zudem mit einem Samurai-Schwert gegenübergetreten, mit dem er offenbar auch im Haus randaliert hatte. Zu einer konkreten Bedrohung sei es aber nicht gekommen. Bei der Waffe hat es sich laut Andreas Guske, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, um ein Zierschwert gehandelt. „Aber auch damit kann man jemanden verletzen.“

Auch die Feuerwehren wurden auf ihrem Weg zum Einsatzort gewarnt. „Es hat geheißen, dass dort einer mit einem Schwert herumfuchtelt“, sagt der Kommandant der Schlierseer Feuerwehr, Andreas Dietmannsberger. Als er und seine Kameraden gegen 17.45 Uhr beim brennenden Haus angekommen waren, habe sich der potenzielle Brandstifter aber bereits auf der Flucht befunden. Dies laut Polizei deshalb, weil sein Onkel hinzugekommen war. Sein Schwert habe der Mann am Haus zurückgelassen.

Für die Feuerwehren war die Gefahr deshalb aber nicht gebannt – im Gegenteil. Der Dachabnehmer einer Stromleitung auf dem Haus erschwerte die Löscharbeiten. Erst eine Stunde nach der Alarmierung hat laut Dietmannsberger ein Fachmann von Bayernwerk den Strom abgeschaltet – sehr zum Ärger des Kommandanten (siehe Kasten). Während die insgesamt 86 Einsatzkräfte die Flammen bekämpften, lief rund um den Tatort eine großangelegte Suchaktion an.

Unter der Leitung der Polizeiinspektion Miesbach fahndeten mehrere Streifen, Hundeführer und sogar ein Hubschrauber nach dem Flüchtigen. THW, DLRG und Wasserwacht leuchteten das Seeufer beim Campingplatz und am Bahndamm aus. „Es war nicht auszuschließen, dass sich der Mann selbst etwas angetan hat“, sagt Polizeisprecher Guske. Um 21.40 Uhr erfolgte dann der Zugriff. Eine Streife entdeckte den Gesuchten unweit des Tatorts und nahm ihn fest. Mittlerweile sitzt er in einer geschlossenen Abteilung eines Fachkrankenhauses. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und einen Unterbringungsbefehl gegen den verwirrten Mann beantragt.

Die Feuerwehren waren indes bis 23 Uhr mit den Löscharbeiten beschäftigt. „Das kleine Haus war so verschachtelt, da löscht man länger als bei einem Bauernhof“, erklärt Dietmannsberger. Vor allem die Glutnester im Dachstuhl hielten die Einsatzkräfte in Atem. „Wir mussten die Decke langsam Stück für Stück aufmachen“, sagt Dietmannsberger. Durch einen alten Fellboden sei die Hitzeentwicklung extrem gewesen. Das Gebäude sei daher nicht zu retten gewesen.

Entsprechend hoch fällt der Sachschaden aus. Laut Polizei beträgt er mindestens 200 000 Euro. Und auch wenn niemand verletzt wurde: Die Folgen für die Seniorin sind laut Dietmannsberger dramatisch. „Die Frau hat nur noch das, was sie am Körper hatte.“

Bereits im Januar 2012 ereignete sich im Ortsteil Neuhaus ebenfalls eine Verzweiflungstat. Damals sprengte sich eine 35-Jährige in ihrem Haus mittels einer Gas-Explosion in die Luft. 

Hier gibt's Bilder zum Brand in Schliersee

Wohnhaus in Schliersee brennt komplett aus

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