Soll entschärft werden: der ausgesetzte Westgrat an der Brecherspitz.
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Soll entschärft werden: der ausgesetzte Westgrat an der Brecherspitz.

Nach mehreren tödlichen Abstürzen

Brecherspitze am Spitzingsee: Alles bereit für die Sicherung des Wanderwegs am Westgrat

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Die Wandersaison steht vor der Tür. Die vereinbarte Sicherung des Westgrats der Brecherspitz soll nun in Kürze starten, gibt der DAV Schliersee bekannt.

Spitzingsee – Die Zeit, in der sich mal eben 20 „Sherpas“ mit einer Brotzeit rekrutieren ließen, sind längst vorbei, weiß Marius Neudeck. Also muss der Vorsitzende der DAV-Sektion Schliersee einen Hubschrauber organisieren, um Material und Werkzeug aus dem Tal an den ausgesetzten Westgrat der Brecherspitz zu fliegen. Weil allein das wohl die Kasse der Sektion sprengen würde, versucht Neudeck nun, sich an einen vom Forstamt bezahlten Lufttransport von Holz für die Lawinenverbauung anzuhängen. Das Problem: Die Taktung des gesamten Vorhabens muss genau passen, das Zeitfenster ist ebenso schmal wie der Grat am Berg.

Nur ein Punkt unter vielen, die die Absicherung der absturzträchtigen Stelle des Wanderwegs an der Brecherspitz so komplex, aufwendig und damit auch langwierig machen. Wie berichtet, hatte es an der 35 Meter langen Schlüsselstelle auf der Westseite des Gipfels in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Bergunfälle gegeben. Nach intensivem Austausch zwischen Alpenverein, Gemeinde und Bayerischen Staatsforsten als Grundeigentümer und einer Fachfirma kam man schließlich überein, die Route weiter oben am Grat an dem gefährlichen Steilhang vorbeizuführen. Ursprünglich hätten die erforderlichen Eisenstangen, Haken und Seile bereits im Herbst vergangenen Jahres montiert werden sollen, doch die Aktion wurde aufs Frühjahr 2021 verschoben. Mittlerweile steht fest, dass es wohl eher Frühsommer werden wird.

Zuschüsse von DAV und Regierung von Oberbayern

An der Einsatzbereitschaft vor Ort liegt die Verzögerung nicht, betont Neudeck. Vielmehr habe die DAV-Sektion alle Hände voll zu tun, die Finanzierung des 16 650 Euro teuren Vorhabens auf den Weg zu bringen. 3300 Euro stemme die Sektion aus eigener Kasse, 5000 Euro an Grundbeihilfe leiste das Ressort Hütten und Wege des DAV-Hauptverbands. Dies habe das Präsidium bereits genehmigt, erklärt Neudeck. Kürzlich folgte dann auch die Freigabe des Zuschusses der Regierung von Oberbayern (8300 Euro). Wenn nun noch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt grünes Licht gebe, könne man endlich loslegen.

Ausreichend Unterstützung stünde jedenfalls parat. Während der Schlierseer Bauhof das Material und Werkzeug stelle, habe die befreundete DAV-Sektion Miesbach bereits eine Liste mit potenziellen Helfern angelegt. Wegen der Corona-Vorgaben müsse die Aktion beim Landratsamt angemeldet werden. Obwohl es sich somit um ein Gemeinschaftsprojekt handle, bleibe die Verkehrssicherungspflicht des Steigs weiterhin beim DAV, betont Neudeck.

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Deshalb sei es Wegereferent Robert Viehweger auch wichtig gewesen, die Planung mit einer Fachfirma durchzuführen. Größere Änderungen am Weg werde es dabei aber nicht geben, erklärt Viehweger. „Das bestehende Hilfsseil wird global saniert, da es schon sehr alt ist, aber nicht gefährlich.“ Im unfallträchtigsten Abschnitt werde die Geländerseilführung direkt am Grat verlegt.

Weg soll kein Klettersteig werden

Eigentlich handle es sich aber nicht wirklich um eine Verlegung, da auch jetzt schon Wanderer diese Variante nutzen würden. „Streng genommen sprechen wir also eher von einer Stilllegung der Route weiter unten“, sagt Viehweger. Die technischen Details seien noch nicht abschließend geklärt. Eines ist Viehweger aber wichtig: „Wir bauen hier keinen Klettersteig, auch wenn so mancher Online-Blog jede Seilsicherung so bezeichnet und die Ausführung auf diesen Grundlagen beruht.“

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Neudeck hofft nun darauf, dass die Arbeiten noch vor dem Anlaufen der Wandersaison abgeschlossen werden können. „Wir müssen dafür ja den Weg komplett sperren.“ Eines ist dem Vorsitzenden der Sektion noch wichtig: Nach Aussage der Alpinpolizei habe es trotz der jüngsten Unfallhäufung am Brecherspitz-Westgrat juristisch keine Pflicht zur Entschärfung gegeben. „Moralisch“, sagt Neudeck, „haben wir uns aber schon verantwortlich gefühlt.“

sg

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