„Viele ältere Leute wären gerne noch mobil“

Bürgerauto in Schliersee: Vorhaben kommt voran

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In Schliersee soll es ab Sommer ein Bürgerauto geben. Das können dann die Bürger, aber auch Urlauber nutzen, um kleine Fahrten zu erledigen. Mitorganisator Philippe Bertrand erklärt, was es mit dem Vorhaben auf sich hat.

Schliersee – Freunde besuchen, Einkäufe erledigen, zum Arzt fahren – grade über die Gemeindegrenzen hinweg ist das ohne Auto kaum machbar. Weil aber besonders bei Senioren nicht jeder die eigenen vier Räder vor der Hautüre stehen hat, haben sich drei Schlierseer eine Lösung überlegt: ein soziales Carsharing-Projekt.

Florian Pschierl, Boris Tylla und Philippe Bertrand stecken hinter dem Schlierseer Bürgerauto. Im Juni soll es damit losgehen. Was es mit dem Bürgerauto auf sich hat, wie weit das Projekt schon ist und woher die drei das Geld nehmen, erklärt Betrand (33), selbstständiger Eventmanager, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Bertrand, ein Auto für die Schlierseer Bürger klingt nach einer tollen Idee. Wie kam’s dazu?

Bertrand: Die Idee selbst kam von Florian Pschierl und wir unterstützen ihn bei der Umsetzung. Er hat festgestellt, dass in Schliersee viele Leute gerne mobil wären, sich aber allein kein Auto leisten können. Mit unserem Projekt sollen sie sich eines teilen. Ich war selbst einige Jahre ohne Auto im Landkreis und habe gemerkt, wie schwierig das ist. Zwar konnten viele mit der Idee erst nichts anfangen. Nachdem wir es aber erklärt haben, waren sie begeistert.

Erklären Sie es uns doch bitte auch nochmal.

Bertrand: Das Auto soll immer an derselben Stelle stehen, wo die Bürger den Schlüssel abholen können. Wo genau das sein wird, klären wir noch – entweder auf einem öffentlichen Platz oder bei einem Einzelhändler. Wir sind in Kontakt mit dem Vaterstettner Autoteiler e.V., die so etwas schon seit 20 Jahren anbieten. Die haben uns inspiriert und können uns Tipps von ihrem bewährten Modell geben.

Wie wird das koordiniert? Nicht, dass mehrere gleichzeitig das Auto wollen...

Bertrand: Wir arbeiten gerade an einer eigenen Webseite. Auf der wird es auch ein Buchungssystem geben. Dort können die Bürger das Auto dann sozusagen reservieren. Momentan klären wir auch noch, wie es mit der Bezahlung laufen wird. Es soll nicht umsonst sein, aber auf jeden Fall kostengünstig. Und wir haben vor, das Projekt auch in Zukunft auf Spenden basiert zu betreiben.

In dieser Hinsicht waren Sie ja schon fleißig.

Bertrand: Ja, in der Weihnachtszeit haben wir eine Spendenaktion ausgerufen, bei der rund 8500 Euro zusammengekommen sind. Einige Firmen haben größere Beträge gespendet, aber auch viele Privatpersonen waren dabei. Für die haben wir noch die Gastronomen ins Boot geholt. Die haben rund 50 Gutscheine zur Verfügung gestellt, die wir unter den Spendern verlost haben. Und auf der Seeweihnacht haben wir an einem Stand Essen und Getränke verkauft und rund 700 Euro eingenommen.

Die Kasse ist also schon gut gefüllt. Welches Auto soll es denn sein?

Bertrand: Wir sind mit Schlierseer Autohäusern in Kontakt. Es wird auf jeden Fall ein Kleinwagen, wahrscheinlich ein Fünftürer. Es muss auch etwas sein, das zu unserem Budget passt. Wir haben keine hohen Ansprüche, Qualität ist aber wichtig. Wir hatten auch mal drüber nachgedacht, das Auto mit Werbung zu bekleben. Aber es soll auf keinen Fall überfüllt sein. Man soll sich schon noch trauen, damit zu fahren.

Fahren dürfen dann alle Schlierseer, oder wie ist das gedacht?

Bertrand: Nutzen können das Auto auch Urlauber, aber Einheimische haben Vorrang. Aber es nützt ja nichts, wenn das Auto ungebraucht herumsteht, obwohl Touristen es gerne fahren würden. Aber für Nicht-Schlierseer wird es teurer werden.

Das Projekt ließe sich bestimmt auf andere Gemeinden ausweiten.

Bertrand: Wir schauen jetzt mal, wie es in Schliersee ankommt, wie es logistisch machbar ist und ob wir eventuell etwas anpassen müssen. Im zweiten Schritt könnte man das Projekt dann schon erweitern.

Infos zum Bürgerauto gibt’s bei den drei Verantwortlichen per E-Mail an das-buergerauto@web.de

nip

Rubriklistenbild: © PantherMedia / monkeybusiness

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