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Reduzierte Pläne: Der Zwischenbau (grün) und das südöstliche Gebäude sind breiter als beim vorigen Entwurf - dafür ist der nordöstliche Trakt deutlich kürzer.

Jetzt wird’s persönlich:

Gegner reagieren mit scharfer Kritik auf Sixtus-Kampagne

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Schliersee – Die Firma Sixtus hat eine Werbekampagne für ihr Bauvorhaben in Schliersee gestartet. Die Gegner des Firmen-Gebäudes schäumen vor Wut.

Diese Liebeserklärung ist nicht zu übersehen. „Das Herz von Sixtus schlägt für Schliersee – ortsansässig seit 1931“ ist derzeit an mehreren Plakatwänden im Ort zu lesen. Ein weißer Schriftzug auf blauem Hintergrund – in Herzform. Ob die Schlierseer diese Sympathiebekundung mehrheitlich erwidern, stellt sich am 9. Oktober heraus. Dann werden die Bürger über die geplante Ansiedlung der Sixtus-Erlebniswelt an der Seestraße abstimmen.

Der „Wahlkampf“ läuft auf Hochtouren. Die Argumente zu Landschaftsschutz oder Verkehrsaufkommen, mit der die Initiatoren des Bürgerbegehrens und die Firma Sixtus um die Gunst der Schlierseer ringen, sind bekannt. Neu ist hingegen die persönliche und bisweilen emotionale Note, die sich in den Publikationen abzeichnet. So wirbt Sixtus nicht nur mit dem „Herz für Schliersee“, sondern auch mit der Unternehmerpersönlichkeit seines Miteigentümers Franz Kroha.

Bisheriger Plan: schlanker aber ausladender.

Neben dessen Bild auf einem Flyer ist zu lesen, Kroha sei es als Unternehmer gewohnt, „Investitionen verantwortungsbewusst zu planen und zu realisieren (...) Manchmal dauert das alles etwas länger, wie zum Beispiel die Entwicklung des Gasthauses Post zu einem Saal – und manchmal muss er sich mit Kritik auseinandersetzen.“ Solche Herausforderungen wolle er annehmen und meistern.“ Zeilen, die Vertrauen wecken sollen.

Die Bürgerinitiative nutzt sie hingegen als Steilvorlage für eine scharfe Kritik. So habe die Kroha ImmoInvest nach dem Abriss der alten Sixtus-Werke an der Urtlbachstraße hochpreisige Wohnungen errichten lassen. An der Aufwertung des Gewerbegrunds habe aber nicht die Gemeinde partizipiert, sondern der Unternehmer „Millionen eingestrichen“.

Kroha muss darüber schmunzeln. Das Grundstück sei bereits zuvor ein Mischgebiet gewesen, eine Umwidmung habe nicht stattgefunden. Beim Verkauf habe man sich am Bodenrichtwert orientiert. „Der wiederum hat in etwa dem Kaufpreis entsprochen“, erklärt Kroha. Von einer Bereicherung könne keine Rede sein.

Bei einem Neubau am Schliersee rechnen die Gegner nicht mit den von Sixtus angepriesenen Steuereinnahmen für die Kommune. „Sixtus ist verschuldet, schreibt rote Zahlen und überlebt nur durch Finanzspritzen der Kroha-Gruppe“, warnen sie. Weil deren Holdings aber keinen Sitz in Schliersee hätten, „werden auch sie nie in Schliersee Steuern zahlen“.

Stimmt nicht, sagt Sixtus-Geschäftsführerin Petra Reindl. Bereits 2016 werde ihr Unternehmen die schwarze Null erreichen, 2017 Gewinn verbuchen. „Und dann zahlen wir auch Gewerbesteuer“, sagt sie. Zudem würde Sixtus als Arbeitgeber die Einkommensteuer-Einnahmen und den Konsum in der Gemeinde ankurbeln. Den Begriff „Finanzspritzen“ will Reindl so nicht stehen lassen. „Franz Kroha und Philip Lahm sind zwei starke Investoren, die an ihr Unternehmen glauben.“

Zweifel äußern die Gegner an der These von Sixtus, dass die „von jeher gewerbliche Nutzung“ des Grundstücks ideal für die Ansiedlung am Schliersee sei. Sixtus greife bei der Produktion von Salben, Desinfektionsmitteln und Nagelhautentfernern auf Tenside, Industriealkohol und umwelt- und gewässergefährdende Stoffe zurück. „Rohstoffe, die weder an unseren See, noch in ein Landschaftsschutzgebiet gehören“, heißt es.

Reindl schüttelt auch hier den Kopf. Natürlich greife Sixtus bei der Produktion von Pflegeprodukten auf entsprechende Rohstoffe zurück. Man werde aber baurechtlich und architektonisch dafür sorgen, dass diese sachgerecht gelagert werden.

Auch am erwähnten Gasthaus Post setzen die Kritiker an. „Ein vertrauenserweckender Investor schließt erstmal ein Projekt ab, bevor er das nächste angeht“, schreiben sie im Hinblick auf den Leerstand des Gebäudes. Kroha sieht das etwas anders. Die Post sei erst seit gut einem Jahr sein Eigentum. „Erst da sind Nutzen und Lasten auf mich übergegangen“, sagt er. Seitdem arbeite man intensiv an einem Konzept.

Die Bürgerinitiative überzeugt das nicht. Ihre Konsequenz: „Die Gemeinde sollte keinem weiteren Vorhaben dieses Investors zustimmen.“ Um diese Botschaft weiterzugeben, wollen die Initiatoren laut Sprecherin Gabriele Scherer demnächst einen eigenen Flyer drucken und einen Info-Abend veranstalten (Termin soll in Kürze folgen).

Auch Sixtus will noch aktiver auf die Bürger zugehen. Neben zwei Info-Veranstaltungen ist laut Reindl ein Tag der offenen Tür geplant. Mit „sachlichen Argumenten“ werde das Unternehmen da auf Fragen antworten.

Politik hält sich zurück

Während Sixtus und die Initiatoren des Bürgerbegehrens bereits mitten im „Wahlkampf“ stecken, hält sich die Gemeinde noch zurück. „Wir lassen das erst mal auf uns zukommen“, sagt Schliersees Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle. Selbstverständlich werde man Sixtus nach dem Gemeinderatsbeschluss für ein Ratsbegehren unterstützen. „Wir werden uns aber nicht in den Vordergrund stellen“, sagt Wunderle. Derweil laufen die Vorbereitungen für den Bürgerentscheid am 9. Oktober im Rathaus an. Drei Wochen vor dem Termin müssen die Wahlbenachrichtigungen verschickt sein. Alles weitere wird die Verwaltung laut Wunderle nach den Ferien besprechen.

sg

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