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Bereit für den Wettbewerb um den Chefsessel im Rathaus: Die Grünen mit der Ortsverbandsspitze Georg Kammholz (r.) und Birgit Gleffe sowie Gemeinderat Bernd Mayer-Hubner (l.) schicken Gerhard Waas in Rennen. 

Kommunalwahl in Schliersee

Dieser Grüne will Chef im Rathaus werden

Das gab‘s noch nie: Ein Grüner will sich auf das Bürgermeisteramt in Schliersee bewerben. Eine Kampfansage? Nicht ganz.

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Schliersee – Ein anderer Name wäre ein Überraschung gewesen: Die Schlierseer Grünen schicken Gerhard Waas ins Rennen ums Bürgermeisteramt. Am Dienstagabend stellte sich der Förster und Gemeinderat den Mitgliedern des Ortsverbands vor – und erntete einhellige Unterstützung. Vorbehaltlich der ausstehenden Nominierungsversammlungen steigt die Zahl der Bewerber um den Chefsessel im Schlierseer Rathaus somit auf drei.

Er habe lange mit sich gerungen, sagt Waas. Den Ausschlag gegeben habe, dem Bürger das zu ermöglichen, was eine Demokratie ausmacht: eine Wahl. Der Grüne stellt gewissermaßen einen Gegenentwurf zum anderen Herausforderer, Michael Dürr, dar. Anders als der PWGler empfindet Waas durchaus auch Sympathie für Amtsinhaber Franz Schnitzenbaumer (CSU). Konflikte würden auf sachlicher Ebene ausgetragen. Das gelte auch für sein Verhältnis zu den anderen Gemeinderäten. „Auch die schätze ich“, sagt Waas.

Gerhard Waas: „Ich bin keiner, der sagt: Es darf nichts mehr gebaut werden.“

Es ist weniger eine Kampfkandidatur gegen Schnitzenbaumer als eine Bewerbung für das Amt. Der 56-jährige Waas gibt sich vergleichsweise zurückhaltend, sieht sich als Teamplayer. Mit einer grünen Mannschaft möchte er auch die Kernthemen des Wahlkampfs erarbeiten, jetzt noch keine Schwerpunkte festlegen. Klar: Die Natur in und um Schliersee liege ihm am Herzen. „Aber ich keiner, der sagt: Es darf nichts mehr gebaut werden.“ Denn der angespannte Wohnungsmarkt mache auch vor Schliersee keinen Halt. „Wir brauchen dringend ein kommunales Wohnbauprojekt“, sagt Waas – etwa auch um Gemeinde-Angestellten wie Kindergärtnerinnen bezahlbaren Wohnraum zu verschaffen. Keine Haltung, mit der er auf großen Widerstand treffen wird, weiß auch Waas. Mit anderen Themen wird er womöglich eher anecken. Das wird erst der Wahlkampf zeigen.

Ins Rathaus Schliersee soll eine andere Informationspolitik einziehen

Eines möchten die Grünen aber schon ändern, am herrschenden Stil im Rathaus. Mehr Information und Kommunikation soll es schon werden, wenn es mit dem grünen Bürgermeister klappen sollte. Die Bürger sollen intensiver am kommunalpolitischen Prozess teilhaben, so wie es jetzt beim Thema Ortsmitte – mit breiter Unterstützung des Gemeinderats – passieren soll.

Lesen Sie hierzu auch Die Neuauflage eines giftigen Duells Kommunalwahl 2020 in Schliersee: Dürr tritt wieder an

Georg Kammholz, der zusammen mit Birgit Gleffe die Spitze des Grünen Ortsverbands bildet, hält Waar für genau den richtigen Kandidaten: „Ich schätze seine kritische Meinung, aber auch seine Integrationsfähigkeit.“ Gemeiderat Bernd Mayer-Hubner hält Waas’ Wissen um gesetzliche Vorgaben und die Kenntnisse im Umgang mit Behörden ins seinem Beruf als Förster für einen „strukturellen Vorteil“. Zudem lobt er die Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft des vierfachen Familienvaters.

Das haben die Grünen mit angestoßen: Schlierseer Ortsmitte: Gemeinderat will mehr Bürgerbeteiligung

Mit einem eigenen Bürgermeisterkandidat steigt auch die Chance auf weitere Gemeinderats-Mandate. Mit derzeit drei hätte ein grüner Rathauschef einen vergleichsweise schwache Fraktion hinter sich. Die CSU stellt hier mit sieben Sitzen die stärkste Gruppierung. Interessant wird im Wahlkampf die Positionierung der Schlierseer (fünf Mandate) sein.

Bürgermeisterwahl in Schliersee: Grünen-Kandidat möchte es in die Stichwahl schaffen - mindestens

Auch wenn sich Waas bezüglich seiner kommunalpolitischen Ziele noch etwas ziert, eines ist klar: Er möchte nicht als dritter Sieger über die Ziellinie gehen im März 2020. Und eine Stichwahl soll es schon sein.  dak

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