Demonstration, Schliersee
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Bunt statt braun: Rund 350 Teilnehmer marschierten bei der Kundgebung durch Schliersee mit.
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Kundgebung 

Bunt, laut, friedlich: Hunderte Demonstranten zeigen Flagge gegen AfD

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Schliersee war bunt - und laut. Hunderte Demonstranten sind am Samstag gegen den Wahlkampfabend der AfD in der Vitalwelt auf die Straße gegangen. Friedlich, aber mit klarer Botschaft.

Schliersee - Das Läuten der Kirchturmglocken von St. Sixtus vermischt sich mit dem Pfeifen und Tröten der Demonstranten, als der bunte Zug um kurz vor 18 Uhr auf der Seewiese ankommt. Obwohl sie seit gut einer Stunde richtig laut sind, ist die Luft bei den Demonstranten noch lange nicht raus. Immer wieder skandieren sie Sprüche wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ oder „Für die Freiheit, für das Leben, Nazis aus der Therme fegen.“ Dann steigt Fritzi Matthies, Leiterin der IG Metall-Jugendbildungsstätte und Organisatorin der Kundgebung, auf einen Bierkasten, schnappt sich das Mikrofon und schickt eine Botschaft an die nebenan in der Vitalwelt wahlkämpfende AfD: „Liebe und Solidarität sind stärker als Hass und Hetze, und das sollen die da drin spüren!“

Ob sich „die da drin“ davon beeindrucken ließen, sei dahingestellt. Beeindruckend war aber das Bild, das die laut Polizei 350, laut Veranstalter sogar 500 Teilnehmer der Demonstration in Schliersee abgegeben haben. Sie waren bunt, sie waren friedlich - und sie zeigten, wie die Vielfalt ihre Heimat erst lebenswert macht. Familien mit selbst gemalten Schildern marschierten ebenso mit wie Senioren mit Bayern-Fahne, Jugendliche genauso wie Politiker verschiedener Couleur. 

Lesen Sie auch: AfD mit Beatrix von Storch in Schliersee: Größere Demo geplant

Mit Verena Schmidt-Völlmecke (SPD), Gisela Hölscher (FW) und Thomas Tomaschek (Grüne) zeigten auch drei Landtagskandidaten Flagge gegen die AfD. Die hatte mit ihrem Kandidaten Rainer Bolle und der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Beatrix von Storch, im Forum der Vitalwelt zum Wahlkampfabend eingeladen. Für die Sicherheit beider Lager sorgten Beamten der Polizeiinspektion Miesbach und der Bereitschaftspolizei. Einschreiten mussten sie nicht, alles blieb friedlich.

Den Auftakt des Protestzugs machte eine Kundgebung am Parkplatz in Unterleiten. Gleich da machte Grünen-Kandidat Tomaschek klar, dass sich Heimatliebe und Toleranz nicht ausschließen - im Gegenteil: „Bayern ist nicht nur weiß-blau, Bayern ist bunt“, rief Tomaschek. Die Menge stimmte laut trötend zu. Vor dem Abmarsch bat Versammlungsleiter Michael Hecker um einen friedlichen Verlauf. „Lasst euch nicht provozieren von Passanten“, mahnte Hecker.

Doch dazu sollte es gar nicht kommen. Denn statt böser Worte ernteten die Demonstranten jede Menge Zuspruch vom Straßenrand. Ausflügler winkten ihnen zu, Ladenbesitzer applaudierten. Zu überhören war der Zug an keiner Stelle. Den ganzen Weg über die Seestraße sangen, musizierten, tröteten und skandierten die Teilnehmer gegen Rassismus und Intoleranz an. Sie schwangen Fahnen und reckten Schilder und Transparente mit Aufschriften wie „Herz statt Hetze“, „Bunt statt Braun“ oder „Granteln ja, Hetzen nein“ in die Luft.

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Auf der Seewiese ergriff dann auch Schmidt-Völlmecke das Wort. Das mit der AfD erledige sich nicht von alleine, sagte sie. Die oft noch schweigende Mehrheit müsse ihre Stimme erheben, um die Demokratie zu verteidigen. Leute wie Beatrix von Storch würden „spalterischen Unfug verbreiten“. Hans Pawlovsky, Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), kritisierte den Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen scharf. „Wer schützt uns vor diesem Mann?“ fragte er und kündigte an, sich für dessen Absetzung stark zu machen. Dass der AfD-Protest keine Parteigrenzen kenne, stellte FW-Kandidatin Hölscher heraus.

Bevor die Kundgebung gegen 19.30 Uhr mit einem gemütlichen Picknick auf der Seewiese ausklang, sangen die Teilnehmer noch das Widerstandslied „Bella Ciao“ und gedachten in einer Schweigeminute des Opfers in Chemnitz. Der einzig stille Moment der bunten Demo.

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