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Bald nicht mehr ganz so verwunschen, weil ohne Bäume: die Burgruine Hohenwaldeck über dem Schliersee. 

Burgruine Hohenwaldeck verliert ihre Fichten

Rätselhafte Ruine über dem Schliersee wird entwaldet

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Etliche Fichten lassen die Burgruine Hohenwaldeck über dem Schliersee mehr und mehr verwildern. Die sollen weg. Über die Geschichte der Burg weiß man indessen überraschend wenig.

Schliersee – Schon Philipp Apian stand 1568 staunend vor der gewaltigen Ruine hoch über dem Schliersee. „Innerhalb ihrer Mauern sind riesenhafte Bäume emporgewachsen“, schreibt der Kartograf in seiner Topographia Bavariae über frühere Burg Hohenwaldeck. Geschichtsschreiber Wiguläus Hundt vermutete 17 Jahre später gar, dass das „alt haidnisch Gemäur (...) in etlich hundert Jahren der Orten kein Wohnung gewesen sei“.

Bis heute sind nicht alle Rätsel über die genau 209 Meter über dem Schliersee gelegene Festung der Waldecker geklärt. Fest steht aber, dass sie wohl 1480 durch einen Felssturz getroffen worden ist. Die Burgherren selbst waren da bereits seit 100 Jahren ausgezogen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Überreste des Turmes und die imposante Südwand bis heute durchgehalten haben. Doch die Ruine ist bedroht: Sie verwilderte über die Jahre mehr und mehr, die Wurzeln der Bäume vergraben sich immer tiefer in den imposanten Mauern.

Als sich Markus Wasmeier im vergangenen Herbst mit Burgenforscher Joachim Zeune für das Bayerische Fernsehen auf eine Erkundungstour nach Hohenwaldeck machte, rückte das Thema auch im Rathaus wieder in den Mittelpunkt. „Das war ein Anstoß für uns“, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. So sei die Ruine nicht nur ein reizvolles touristisches Angebot, sondern auch ein Teil der Geschichte des Ortes. „Das ist auf jeden Fall etwas herausragendes für Schliersee“, schwärmt Schnitzenbaumer. Um zu klären, wie sich die Mauern langfristig erhalten lassen, nahm die Marktgemeinde daraufhin Kontakt mit den Bayerischen Staatsforsten auf, denen das Waldgrundstück und damit auch die verfallene Burg gehören.

Der Forstbetrieb Schliersee begrüßt diesen Vorstoß, wie Leiter Christoph Baudisch auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. „Wir haben uns die Situation dort oben bereits angeschaut.“

In einem ersten Schritt sollen zum Ende des Winters hin etliche Fichten innerhalb der Mauern gefällt werden. Ein Sachverständiger habe diese bereits markiert, berichtet Baudisch. Das Umschneiden übernimmt eine Spezialfirma, denn mit einem simplen „Baum fällt“ ist es auf Hohenwaldeck nicht getan. Die Gefahr, dass ein Stamm auf die alten Mauern kracht, ist zu groß. Deshalb würden diese behutsam entfernt und dann per Helikopter ins Tal geflogen, erklärt Baudisch. Die Kosten für die Aktion würden die Staatsforsten übernehmen. „Wir erkundigen uns gerade nach Fördermitteln.“

Doch nur mit Ausholzen ist es in der Burgruine nicht getan. Die Gemeinde und der Forstbetrieb wollen auch die weit tiefer liegenden historischen Wurzeln von Hohenwaldeck ausgraben. „Da ist noch vieles offen“, sagt Baudisch. Zudem sei geplant, die Ruine genau vermessen zu lassen und somit die Grundlage für weitere Erhaltungsmaßnahmen zu schaffen. Ein entsprechendes Konzept eines Burgenforschers liege bereits vor, so Baudisch. Ob dieser tatsächlich beauftragt wird und wer die Kosten übernimmt, werde noch besprochen. Der Forstbetriebsleiter will sich dazu erst mit seinen übergeordneten Stellen unterhalten. „Die haben mehr Erfahrung mit alten Burgen im Wald“, sagt er schmunzelnd. „Für mich ist das die erste.“

Damit man die auch vom Tal aus gut erkennen kann, kann sich Schnitzenbaumer einen Aussichtspunkt mit einer gläsernen Schautafel vorstellen. Auf dieser könne man zeigen, wie die Burg Hohenwaldeck einst ausgesehen hat. Es wäre die Lösung eines Rätsels, über das sich schon viele Wanderer den Kopf zerbrochen haben.

Die rätselhafte Geschichte der Festung

Unzählige Wanderer sind schon in den verfallenen Mauern von Hohenwaldeck über dem Schliersee herumspaziert und haben sich ausgemalt, wie die stolze Burg einst ausgesehen haben mag. 

Den Historikern ergeht es nicht anders. Auch sie haben noch nicht alle Rätsel der Ruine geklärt. Aufgrund der sogenannten Buckelquader aus Kalkstein im Turm ordnete man die Burg früher fälschlicherweise der Römerzeit zu. Heute steht fest, dass sie die Herren von Waldeck als einflussreiche Vasallen des Freisinger Domstifts in der Stauferzeit gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet haben. Aufgrund ihrer exponierten Lage auf einem 986 Meter hoch gelegenen Felssporn des Leitnerbergs diente die Festung wohl gleichermaßen als Verteidigungs- und Repräsentationsbau. 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts sagten sich die Waldecker vom Bistum los und wurden zu einer unabhängigen Grafschaft. Neben Hohenwaldeck residierten sie noch im Schloss Wallenburg in Miesbach sowie in der Burg Altenwaldeck an der Grenze zwischen Niklasreuth und Bad Feilnbach, von der heute nur noch wenige Mauerfragmente zu sehen sind. 

Auch das Glück der Burgherren währte nicht lang. Durch Teilungen innerhalb der Familie zersplitterten ihre Güter immer mehr. Die Festung Hohenwaldeck wurde bereits nach 200 Jahren wieder aufgegeben. Der1 380 gestorbene Georg von Waldeck war wohl ihr letzter ritterlicher Bewohner. Hundert Jahre später zerstörte ein Felssturz die Mauern. 

Der mächtige Steinbrocken im Burginneren ist wahrscheinlich ein Überrest dieses folgenschweren Ereignisses. Über wie viele Stockwerke die Festung einst verfügte und ob die heute bis zu acht Meter hohe Südwand damals noch viel höher war, ist nicht abschließend geklärt. Fest steht dafür, dass der Westteil der Burg ins Tal abgerutscht ist. Der Rest der Ruine hat bis heute durchgehalten. 

sg

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