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Dauercamper Siegfried Hofmeister (l.) besucht seinen Camping-Spezl Gerd Kotter. Seit Jahren kommen die beiden mit ihren Ehefrauen auf den Campingplatz in Schliersee.

Diese zwei Typen sind dort zu finden

Darum zieht es so viele Urlauber zum Campen an den Schliersee

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Auch im Landkreis sind die Campingplätze gut besucht. Ein gutes Beispiel ist der Camping Lido in Schliersee. Ein Besuch bei denen, die immer wieder kommen, und denen, die nur auf der Durchreise sind.

Schliersee– Es wuselt regelrecht vor der Rezeption. Ein Paar will sich Paddleboards ausleihen, neue Gäste suchen ihren Stellplatz und eine Dame erkundigt sich über die Gäste-Karte. „Heuer ist alles noch krasser“, sagt Michael Schaffer (54), Betreiber des Camping Lido in Schliersee. Er grinst, schiebt die Sonnenbrille auf die schulterlangen Haare und trinkt erst mal einen Schluck. Er sagt: „Campen wird immer schnelllebiger.“ Und beliebter.

Ein Trend, der immer häufiger zu beobachten ist. Statt für das All-inklusive-Paket in der Türkei oder Griechenland entscheiden sich viele Deutsche für Zelt und Wohnmobil. Auch in Schliersee ist kaum ein Stellplatz frei. „Die Leute haben ein gewisses Budget zur Verfügung und wollen sich in sicheren Gefilden bewegen“, sagt Schaffer. Campen boomt. Und dabei gibt es zwei Typen: Die Urlauber, die lange bleiben und immer wieder kommen, und die, die auf der Durchreise einen Zwischenstopp einlegen.

Die Dauercamper will keinen Stau, dafür Beständigkeit und Kurzurlaube

Definitiv zu Typ eins gehört Siegfried Hofmeister (73). Der Rentner aus dem Landkreis Ebersberg hat mit seinem Wohnwagen seit 14 Jahren einen Dauerplatz am Schliersee. Dort, wo die Kieswege sogar eigene Namen haben, verbringt er die sonnigen Tage. „Mittlerweile bin ich ein Schön-Wetter-Camper“, sagt er und zuckt die Schultern. Früher war er viel unterwegs mit dem Zelt, bis zum Nordpol ist er gereist. Jetzt genießt er die Beständigkeit.

Wird ein Dauerplatz frei, gibt es sofort 30 neue Bewerber. Platzbetreiber Schaffer bekommt vor allem Anfragen von jüngeren Paaren oder Familien. „Die wohnen in der Stadt und wollen einfach mal raus.“ Zwar nicht aus der Stadt, aber einer von den neuen Dauercampern ist Anabell Endstrasser (38) aus Otterfing mit ihren Kindern Leonie (10) und Paula (7) und ihrem Lebensgefährten Michael Schumann (42). Die vier genießen die Abendsonne direkt am See, die Erwachsenen trinken ein Bierchen und die Kinder liegen faul in ihren Schwimmreifen, die wie ein Donut aussehen. Anabell Endstrasser sagt: „Wir fühlen uns hier total wohl.“

Von Otterfing an den Schliersee zieht es Anabell Endstrasser, Tochter Leonie und Michael Schumann immer dann, wenn gutes Wetter ist. Sie haben hier einen Dauercamping-Platz.

Seit einem Jahr hat die Familie am Schliersee ihren Wohnwagen stehen. Immer, wenn die Sonne scheint, kommen sie her. „Wir sind Freitagabend schon da, bevor die anderen Urlauber am Samstagmorgen im Stau stehen“, sagt Schumann und lacht. Trotzdem sind die vier keine „Hardcore-Camper“, wie sie betonen. Einen Zaun um ihren Wohnwagen und häusliche Einrichtung – so wie das typische Dauercamper wie Siegfried Hofmeister haben – brauchen sie nicht. Und: „Wir machen schon auch anderen Urlaub, und dann auch im Hotel“, sagt Anabell Endstrasser. Aber für das Urlaubsgefühl am Wochenende kommt ihnen der Wohnwagen am Schliersee genau recht.

Die Kurzzeitcamper wollen flexibel sein und nicht im Voraus buchen

Zum ersten Mal auf dem Platz in Schliersee und dem Camper Typ zwei zuzuordnen sind Michi J. (30) und Max B. (28). Die beiden Münchner – die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen wollen – klopfen gerade die Heringe an ihrem Zelt in den Boden. Lange bleiben werden sie nicht, wohl nur eine Nacht. „Beim Campen ist man flexibler, da muss man nicht im Voraus buchen“, sagt Michi. Campen geht er schon, seit er zwei Jahre alt ist. Also weit bevor man von einem Trend gesprochen hat. Eine Woche wollen die beiden Münchner unterwegs sein und mit dem Rad den Königssee-Bodensee-Weg entlang fahren. Ganz gemütlich, sagen sie.

Ob durch Stammgäste, die immer mal wieder kommen, Dauercamper, die jedes Wochenende da sind, oder diejenigen, die nur kurz in Schliersee vorbeischauen – seit Ende Juni ist der Platz gut belegt. Bis Mitte Oktober werden Schaffer und seine insgesamt neun Mitarbeiter noch einiges zu tun haben. Dann ist die Saison rum. „Wir belassen es hier traditionell bei einem Halbjahresrhythmus“, sagt Schaffer, der den Platz vor vier Jahren übernommen hat. Bereut hat er es noch nie.

Sportliche Aktivitäten bietet der Schliersee und die Umgebung genügend. Paddleboards können sich die Campingplatz-Gäste an der Rezeption ausleihen.

Trotzdem: Wenn die Saison vorbei ist und alle Arbeiten am Platz abgeschlossen sind, macht auch Schaffer mal Urlaub: Heuer geht’s ein paar Wochen mit seinem Hund nach Portugal – ohne campen. Schaffer lacht. „Ich selbst war eigentlich nie der Camping-Urlauber.“ Muss er auch nicht sein, um zu verstehen, was seine Gäste wollen. Und blickt man auf die vollen Stellplätze, scheint er das zu wissen.

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