Wirt Christoph Simon im leeren Spinnradl.
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Wirt Christoph Simon im leeren Spinnradl.

Stammgäste retten Kult-Lokal

Bayerns Nachtszene hangelt sich durch Corona-Zeit: Höchste Disko Deutschlands steht vor Rechnungs-Berg

  • VonRedaktion Münchner Merkur
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452 Tage lang stand alles still. Jetzt hoffen Bayern Clubbetreiber auf die ersten Schritte aus der Corona-Krise. Die Probleme werden nicht weniger.

Schliersee/Töging - Seit 2017 ist Thomas Wörl einer der vier Betreiber des Nachtclubs Silo1 in Töging am Inn (Landkreis Altötting). Früher war das Gebäude eine Abfüllanlage von Bauxit für das benachbarte Aluminiumwerk. Seit der Eröffnung 1998 gilt das Silo1 als Institution der Musik- und Kulturszene.

Corona-Folgen fürs Nachtleben? „Wir hatten Glück“ - Silo1 bekommt Hilfe von Stammgästen und Fans

„Wir hatten Glück“, sagt Wörl. Der Vermieter erließ den Betreibern die gesamte Miete, die normalerweise im vierstelligen Bereich liegt. Zusätzlich wurde das Crowdfunding-Projekt Silo1 must go on ins Leben gerufen. Mithilfe von Stammgästen und Silo-Fans kamen Spenden von rund 8.000 Euro zusammen.

Damit konnten die laufenden Kosten übergangsweise gedeckt werden. „Von unseren 20 Mitarbeitern sind die meisten auf 450-Euro-Basis angestellt. Die mussten wir leider abmelden“, bedauert Wörl. Zwei Monate musste der Club auf die staatlichen Corona-Hilfen warten, die für die anfallenden Nebenkosten ausreichen.

Töging: Corona-Notlösung auf Parkplatz - Silo1 eröffnet Biergarten

Als Notlösung haben die Clubbetreiber im Juli 2020 – vier Monate nach der Schließung – auf dem Parkplatz einen Biergarten aus dem Boden gestampft. Das brachte gute Umsätze ein und „die Leute haben es super angenommen“, sagt Thomas Wörl. Seit Dienstag ist der Garten wieder geöffnet – und wenn das Wetter mitspielt, soll es auch so bleiben.

Spinnradl am Spitzingsee: „Mehr Kosten als Umsatz“ - Corona-Hygienekonzepte haben sich nicht rentiert

Bevor die Pandemie das öffentliche Leben in Deutschland zum Stillstand brachte, galt das Spinnradl am Spitzingsee als beliebter Hotspot der Nachtclub-Szene. Die Location am Schliersee ist jetzt seit über einem Jahr geschlossen. Betrieben wird die Tanzbar, die als vermeintlich höchstgelegene Diskothek Deutschlands bekannt ist, von Christoph Simon.

„Wir konnten nur ein Wochenende im Oktober aufmachen – dabei sind mehr Kosten entstanden als Umsatz“, sagt Simon. Die Hygienekonzepte zu entwickeln und die Mitarbeiter wieder anzumelden, habe sich dafür nicht gelohnt. Der Großteil seiner Mitarbeiter ist auf 450-Euro-Basis angestellt und derzeit abgemeldet.

„Die vielen jungen Menschen, die vor der Pandemie bei uns beschäftigt waren, hatten jetzt seit über einem Jahr keine Auskünfte mehr“, erzählt er. Die Angestellten wie auch die Unternehmer selbst werden von unserer Politik nahezu vergessen, betont Simon.

Corona in Schliersee: „Der Turm wird höher“ - Rechnungen werden immer mehr

Der Betreiber bedauert auch, dass er „die vier Festangestellten leider in Kurzarbeit schicken musste“. Das Kurzarbeitergeld helfe den Vollzeitbeschäftigten einen Teil ihres Lohns zu bezahlen, sagt Simon, denn aus eigener Kasse sei das dem Betrieb nicht möglich.

Immerhin: Der Vermieter hat die Mietzahlungen aufgeschoben. „Der Turm wird zwar immer höher“, erzählt Simon, „aber wenn es wieder so läuft wie davor, wird das kein Problem sein.“ (Sophie Lettl) Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Miesbach-Newsletter.

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