Luis Simon, hier an der Schneebar seiner Familie am Spitzingsee.
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„Wir haben rechtzeitig reagiert“, sagt Luis Simon (o.), hier an der Schneebar seiner Familie am Spitzingsee.

Ohne Masken und Abstand

Polizei sprengt Corona-Party mit 100 Menschen am Spitzingsee - Barbetreiber erklärt Eskalation

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Stephen Hank
    Stephen Hank
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Die Polizei hat am Sonntag eine Menschenansammlung mit 100 Personen ohne Masken und Abstand an der Schneebar am Spitzingsee aufgelöst. Jetzt äußert sich der Betreiber zum Geschehen.

Verkaufsstand schon vor Eintreffen der Polizei durch Betreiber geschlossen

Update Montag, 22. März, 18 Uhr: Luis Simon (20) hat das Geschehen am Sonntagnachmittag aus nächster Nähe verfolgt. Er stand mit seinen zwei Kollegen am Verkaufsfenster und kümmerte sich ums To-go-Geschäft. Dies sei den gesamten Winter hindurch gut und geordnet abgelaufen, betont Simon. Obwohl im gesamten Ort viel los war und die Polizei regelmäßig ein Auge auf die Schneebar geworfen habe, sei es nie zu Beanstandungen gekommen. Am Sonntag aber habe er selbst bald bemerkt, „dass die Sache aus dem Ruder läuft“.

Corona-Party am Spitzingsee: Barbetreiber zieht Notbremse - und schließt Verkaufsstand

Anders als sonst seien diesmal einige größere Gruppen vor Ort gewesen, die sich wohl vorher auf ein Treffen am Stand verabredet hätten. „Das muss sich irgendwie rumgesprochen haben“, berichtet Simon. Als man bemerkt habe, dass auch die Corona-Regeln nicht mehr eingehalten werden, habe man versucht, auf die Menge einzuwirken. „Wir haben ihnen immer wieder zugeplärrt, dass sie weiter vom Stand weggehen und sich verteilen sollen“, berichtet Simon. Der Appell verpuffte: „Einige haben gesagt, dass sie mit denselben Leuten da sind, mit denen sie sonst ohne Maske und Abstand auf der Baustelle arbeiten.“

Gegen 15 Uhr zogen Simon und seine Kollegen dann die Notbremse und machten die Schotten dicht. Zu dritt könne man bei so vielen alkoholisierten Leuten nichts mehr anderes machen. Also schaltete das Verkaufsteam unter dem Protest der Feiernden Musik und Licht aus und sperrte das Verkaufsfenster zu. Wohlgemerkt, bevor die Polizei am Spitzingsee eintraf, betont Simon.

Nach Corona-Party am Spitzingsee: Landratsamt entscheidet über Konsequenzen

Den Einsatz der Beamten könne er voll nachvollziehen, stellt der 20-Jährige klar. Weniger aber, dass die Polizisten die abziehenden Personen teilweise mit dem Auto durch den halben Ort verfolgt hätten. „Da waren auch Wintersportler dabei, die sich nur kurz aufgewärmt haben und dann zu ihren Autos gegangen sind“, sagt Simon. Ob auch er und seine Kollegen mit einem Bußgeld rechnen müssen, weiß er nicht. Ihre Personalien hätten sie jedenfalls angeben müssen.

Wie es nun weitergeht, muss das Landratsamt entscheiden. Pressesprecherin Sophie Stadler erklärt, dass man dafür erst das Vorliegen einer polizeilichen Anzeige abwarten müsse. Es handle sich faktisch immer um Einzelfallentscheidungen. Fest stehe, dass „bei der Abgabe von Speisen und Getränken ein Verzehr vor Ort untersagt ist“. Der Regelsatz für ein Bußgeld betrage 250 Euro.

Simon ist nun gespannt, wie die Sache ausgeht. Eins ist dem 20-Jährigen aber wichtig: Die Corona-Party sei in keiner Weise im Sinne der Standbetreiber gewesen. In diesen schwierigen Zeiten sei dies ihre einzige Einnahmequelle: „Die wollen wir uns mit so was nicht kaputtmachen lassen.“

Erstmeldung, 08.53 Uhr: Spitzingsee ‒ Im Pressebericht der Polizei heißt es: Am frühen Sonntagnachmittag gingen mehrere Mitteilungen über eine Menschenansammlung mit mehr als 100 Personen am Spitzingsee ein. Vor Ort stellten die Beamten tatsächlich eine größere Menschengruppe fest. Die illegale Zusammenkunft wurde umgehend durch die Polizei aufgelöst, etliche Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz aufgenommen.

Corona-Party am Spitzingsee: Menschen drängen sich ohne Abstand und Maske um Verkaufsstand

Kurz nach 15 Uhr gingen bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und der Polizeiinspektion Miesbach mehrere Mitteilungen über eine größere Corona-Party im Bereich des Spitzingsee ein.

Beim Eintreffen mehrerer Polizeistreifen der Polizeiinspektion Miesbach und umliegender Dienststellen stellten diese etwa 100 Personen um einen Verkaufsstand ohne die erforderlichen Abstände und Mund-Nasen-Schutz fest. Als die Personen die Polizei bemerkten, entfernte sich der Großteil sofort in alle Himmelsrichtungen.

Spitzingsee: Aufgeheizte Stimmung bei Corona-Party - Polizei erteilt Platzverweise

Insgesamt wurden von 35 Personen die Personalien festgestellt und dementsprechend Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz eingeleitet. Die Personen waren augenscheinlich alkoholisiert, und die Stimmung war aufgeheizt. Allen noch anwesenden Personen wurden Platzverweise erteilt. Viele zeigten sich wenig kooperativ und leisteten nur zögerlich den Anweisungen der Beamten Folge.

Zu Kontrollen rückte am Sonntagnachmittag die Polizei an.

Eine männliche Person verweigerte zunächst sogar die Herausgabe seiner Personalien und musste kurzfristig zur Identitätsfeststellung in Gewahrsam genommen werden.

Dramatisch ist der Lockdown besonders für die Wirte: Gastronomen kritisieren nun die Corona-Öffnungsperspektiven - „Absoluter Irrsinn“. Ein Winterchaos herrschte am Wochenende auf der A8 bei Irschenberg: Es kam zu einer Unfallserie mit mehreren Fahrzeugen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Miesbach-Newsletter.

(Von Stephen Hank)

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