Alkoholverbot seit 2007: Schliersee hat bereits vor 13 Jahren den Konsum von Bier, Wein und Schnaps in gemeindlichen Anlagen untersagt. Das helfe auch gegen Corona-Partys, sagt die Gemeinde. Foto: Thomas Plettenberg
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Alkoholverbot seit 2007: Schliersee hat bereits vor 13 Jahren den Konsum von Bier, Wein und Schnaps in gemeindlichen Anlagen untersagt. Das helfe auch gegen Corona-Partys, sagt die Gemeinde.

Alkoholverbot gibt Handhabe

Corona-Parties in Schliersee: Zerbrochene Flaschen und Bänke im See

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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In Schliersee haben Teilnehmer von Corona-Parties Splitter hinterlassen und Bänke in den See gestellt. Ein Alkoholverbot hat die Gemeinde seit 2007. Sie ist froh darüber.

Schliersee/Miesbach – Die Probleme, die Schliersees Ordnungsamtsleiterin Christine Neundlinger über Corona-Partys in der Gemeinde schildert, gleichen denen, die Bad Wiessees Bürgermeister Robert Kühn zu einem nächtlichen Alkoholverbot an der dortigen Seepromenade veranlasst haben: „Parkbänke werden verzogen und in den See gestellt. Flaschen werden zerdeppert, die Splitter bleiben liegen.“ Ein Alkoholverbot in allen öffentlichen Anlagen hat Schliersee allerdings schon 2007 erlassen. Im Kurpark, auf Spielplätzen und außerhalb zugelassener Freischankflächen sind Bier, Schnaps und Wein verboten – ganztägig. Deswegen, sagt Neundlinger, seien die Probleme zwar nicht weniger geworden. Aber immerhin habe die Gemeinde eine rechtliche Grundlage, um dagegen vorzugehen.

Schliersee

Dass junge Menschen feiern wollen, kann Neundlinger verstehen. „Es gibt keine Veranstaltungen. Wo sollen sie hin?“ Sie müssten dabei aber die Regeln einhalten – Abstand, kein Alkohol, keine Randale. Genau das passiere aber oft nicht: Erst fließe Alkohol, dann komme es zu Vandalismus und Ruhestörung. „Das geht nicht.“

Das Alkoholverbot gibt der Gemeinde eine Handhabe. Ein Sicherheitsdienst kontrolliert die öffentlichen Flächen zu wechselnden Zeiten, auch nachts. Dadurch bemerkt er Hotspots, bevor sie sich etablieren und die Lage für Anwohner untragbar wird. Ganz unterbinden kann er Feiern aber nicht.

Die Hotspots wechseln ständig, berichtet Neundlinger: „Wenn die Party-Teilnehmer von einem Platz verjagt werden, suchen sie sich eben einen neuen.“ Das Sozialbedürfnis junger Menschen sei einfach zu groß. Sie hofft daher, dass sie sich auch selbst kontrollieren. Es seien schließlich längst nicht alle laut, beschädigten Dinge oder missachteten Abstandsregeln. Wenn wenige Unvernünftige den anderen das Beisammensein zerstören, indem sie Beschwerden der Nachbarn auslösen, seien am Ende alle „selber schuld“.

Sicherheitswacht

Zur Kontrolle des Alkoholverbots in gemeindlichen Anlagen hatte Schliersee – wie berichtet – im vergangenen September die Einrichtung einer Sicherheitswacht beschlossen. Zusammen mit Polizeipräsident Robert Kopp hatte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer daraufhin ein Konzept vorgestellt, nach dem sechs Männer und Frauen die Hotspots überwachen sollten. Die Sicherheitswacht wäre auch im Kampf gegen Corona-Partys hilfreich – im Einsatz ist sie aber noch nicht. Ursprünglich hatte die Gemeinde als Starttermin Mai angepeilt. Nach der Verzögerung durch Corona hatte sich dieser auf August verschoben. Derzeit sind die ehrenamtlichen Helfer laut Neundlinger aber noch nicht in Schliersee unterwegs.

Miesbach

In Miesbach gibt es weder Alkoholverbot noch Sicherheitswacht. Dennoch hat die Kreisstadt scheinbar keine Probleme mit Corona-Partys: Im Rathaus sei bisher „keine einzige Beschwerde“ eingegangen – weder von Polizei noch von Anwohnern –, sagt die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts, Sandra Bauer. Entsprechend sei auch kein Alkoholverbot geplant. Es bestehe momentan schlicht kein Bedarf. „Momentan“, betont Bauer. Sollten Hotspots auftreten, halte sich die Stadt die Option offen. „Hoffen wir, dass es so bleibt, wie es ist.“

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