Die Maske allein reicht nicht mehr: Wer mit der Wendelstein-, Schliersberg- oder Brauneckbahn fährt, muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist.
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Die Maske allein reicht nicht mehr: Wer mit der Wendelstein-, Schliersberg- oder Brauneckbahn fährt, muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist.

Gäste verstehen das Problem nicht

Bergbahnbetreiber sind verzweifelt: Neue 3G-Regeln kaum umsetzbar - „Das ist doch absurd“

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Der Sommer brachte zwar nur wenige heiße Badetage – dafür ungewöhnlich früh perfektes Wanderwetter. Großer Ansturm auf die Bergbahnen also. Doch viele Betreiber sind wütend wegen der seit Kurzem geltenden 3G-Regel in Kabinenbahnen.

Schliersee/Bayrischzell/Rottach-Egern - „Wir haben am 1. September abends das neue Infektionsschutzgesetz bekommen“, sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn. Diese sieht vor, dass ab einer Inzidenz von über 35 auch Seilbahnbetriebe die 3G-Regel als Eintrittsvoraussetzung überprüfen müssen. „Das ist aus organisatorischen Aspekten nahezu nicht darstellbar“, raunzt Lorenz.

Neue 3G-Regeln: So sieht‘s bei der Brauneck-Bergbahn aus

Immer wieder würden Seilbahnbetreiber gebetsmühlenartig darum bitten, bei Coronamaßnahmen gleichauf mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gesetzt zu werden. Lorenz, der auch erster stellvertretender Vorstand beim Verband deutscher Seilbahnen ist, führt dazu ein Beispiel aus dem Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen an: „An der Zugspitze ist es ja der größte Irrsinn.“ Denn: „So fährt jemand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Zugspitze nach Grainau, von München beispielsweise über eine Stunde im Zug, ohne einen Nachweis. Und beim Einstieg in die Zahnradbahn braucht er plötzlich einen“, sagt Lorenz. „Das ist doch absurd.“ Seines Erachtens würde in den Bergbahnen, genau wie im Zug, das Tragen einer Maske reichen. „Mittlerweile wissen wir ja, dass Gondeln ein geringes Ansteckungsrisiko bergen.“

Personell musste der Brauneckbahn-Geschäftsführer den neuen Regeln bereits Rechnung tragen: „Wir haben jetzt mehr Kassen besetzt. Anders geht es aktuell nicht. Wir machen das jetzt so gut es geht mit.“ Dies sei aber in der kalten Jahreszeit nicht mehr in diesem Rahmen realisierbar. „In der Wintersaison ist zu viel los für so ein System. Da bräuchten wir zusätzlich noch Security.“

Neue 3G-Regeln: Herzogstandbahn und Wendelsteinbahnen

Jörg Findeisen, Betreiber der Herzogstandbahn, ist ähnlich gestimmt: „Die Umsetzung geht theoretisch schon. Mit einer Personalaufstockung, einem hohen Mehraufwand und zeitlichen Verzögerungen“, meint er.

Auch Claudia Steimle, Sprecherin der Wendelsteinbahnen klagt: „Unsere Mitarbeiter arbeiten am Anschlag.“ Insbesondere die Kontrolle der Nachweise ausländischer Gäste falle dem Seilbahnpersonal schwer. Hinzu komme das gute Wetter dieser Tage, das eine besonders hohe Auslastung von Bahn und Personal bringe. Die Wendelsteinbahn hat deshalb ihre Taktung erhöht, sodass alle zehn Minuten eine große Gondel von Bayrischzell aus startet.

Ein Problem lässt sich jedoch nicht vermeiden für die Ausflugsgäste: Regelmäßig bilden sich Warteschlangen an den Talstationen. Außerdem sehen sich jene Gäste, die nicht vollständig geimpft oder genesen sind, mit der Frage konfrontiert, wo sie sich auf Corona testen lassen können: Nach Angaben von Steimle befindet sich die nächstgelegene Teststation etwa drei Kilometer entfernt im Bayrischzeller Ortszentrum.

Neue 3G-Regeln an der Schliersbergbahn

„Die Reaktion der Gäste fällt gemischt aus“, schildert Ingo Bauer, Betreiber der Schliersbergbahn. „Ich kann manchen Gästen nicht erklären, wieso in der Gondel 3G gilt, aber für den Zug und die Außengastronomie nicht.“ Bauer hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass viele die 3G-Regel befürworten.

Mit gemischten Gefühlen blicken die Seilbahnbetreiber auch auf die Skisaison. Sie befürchten, dass die 3G-Regel den Betrieb erschwert. Dazu sagt Wendelsteinbahnsprecherin Steimle: „Unsere vielen Skitourengeher müssen wir dann kontrollieren. Die Zahnradbahn müssen wir dann wahrscheinlich schließen aufgrund der vielen Haltestellen.“  

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