Verkehrschaos in den Hotspots

Ausflügler stürmen Schliersee und Tegernsee - vier landen verletzt im Krankenhaus

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Alle Appelle halfen nichts. Sonnenschein und Schnee haben erneut zahllose Ausflügler in die Berge an Schliersee und Tegernsee gelockt. Die verursachten ein Chaos - mitten im Lockdown.

  • Per SMS hat Landrat Olaf von Löwis um Unterstützung im Kampf gegen das Verkehrschaos gebeten.
  • Nun prüft der Landkreis Miesbach Regulierungsmöglichkeiten.
  • Doch die Ausflügler lassen sich offenbar nicht stoppen.

Update von Mittwoch, 30. Dezember, 18 Uhr: Vier verletzte Wintersportler binnen einer Stunde im Krankenhaus eingeliefert

Der Spaziergang an der frischen Luft mag nicht das Problem sein. Wenn sich aber Wintersportler in den Bergen verletzen, kann es in Corona-Zeiten im Krankenhaus schnell gefährlich voll werden. Eine Sorge, die Landrat Olaf von Löwis (CSU) in seinem Hilferuf an Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner wegen des trotz Lockdown massiven Ausflügleransturms im Landkreis geäußert hat (wir berichteten). Am Dienstagnachmittag hatte sich die Befürchtung des Landrats bereits bewahrheitet. Innerhalb von nur einer Stunde wurden vier Schlittenfahrer mit Knöchelbrüchen ins Krankenhaus Agatharied eingeliefert, berichtet Landratsamtspressesprecherin Sophie Stadler.

Löwis und Aigner hätten auch mit den Landräten der Nachbarlandkreise Kontakt gesucht. „Dort sagte man mir, dass der Druck in anderen Landkreisen aktuell nicht so stark sei wie speziell am Spitzingsee“, berichtet der Landrat. Derweil prüfe das Landratsamt, wie von Söder empfohlen, Sperrungen und Betretungsverbote. Für Löwis ist das aber nur die „ultima ratio“. Denn klar sei: Diese Regeln würden auch für die Einheimischen gelten. Eine Unterscheidung sei rechtlich nicht möglich.

Ursprünglicher Artikel von Dienstag, 29. Dezember:

Schlierach-/Leitzachtal – Hätten die Worte des Landrats zum Ausflugschaos im Lockdown noch Nachdruck gebraucht, wäre der gestrige Tag ein eindrucksvoller Beweis gewesen. Schon vor 9 Uhr schoben sich die Autoschlangen aus München und Umgebung in Richtung Schlierach-/Leitzachtal und Tegernsee. Der in der Morgensonne glitzernde Schnee übte eine geradezu magische Anziehungskraft auf die Tagesausflügler aus. Bereits am Mittag waren die großen Parkplätze voll. Und an den Hängen rund um den Spitzingsee sah es so aus, als wäre der Skibetrieb in vollem Gange. Trotz stillstehender Lifte waren die Pisten dicht bevölkert: mit Wanderern, Rodlern und Tourengehern.

Mitten im Corona-Lockdown: Ausflügler stürmen Region in Massen

Wie berichtet, hatte Landrat Olaf von Löwis (CSU) Ministerpräsident Markus Söder bereits am Montag per SMS um Unterstützung gebeten, um den trotz Ausgangsbeschränkungen nicht enden wollenden Ausflügleransturm unter Kontrolle zu bringen.

Landkreis Miesbach prüft Regulierungsmöglichkeiten: Söder mit Rat

Der Söder versprach laut Löwis, die Appelle nochmals zu verstärken und riet dem Landkreis, parallel selbst nach Regulierungsmöglichkeiten zu suchen. Dies läuft bereits, teilt der Landrat auf Nachfrage mit. Generell seien Betretungsverbote der freien Natur oder temporäre Straßensperrungen aber juristisch wohl nur schwer umzusetzen. Auch für ihn sei die Bewegungsfreiheit ein hohes Gut, macht Löwis klar. Eingriffe seien hier nur die „Ultima Ratio“.

Massen-Ansturm auf Pisten und Berge trotz Corona-Lockdown: Ilse Aigner mit Appell

Einen eindringlichen Appell hat gestern CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner formuliert: „Wir alle wollen unsere freie Zeit an der frischen Luft genießen. Aber die Situation im Landkreis Miesbach ist wegen der Massen an Tagestouristen dramatisch.“ Der Inzidenzwert sei hoch, die Belastung des medizinischen Personals schon jetzt enorm. Daher bittet Aigner die Menschen in München und Umgebung: „Unternehmen Sie Ausflüge in Ihre nächste Umgebung und verzichten Sie auf eine Fahrt in die Berge, um den Erfolg der Corona-Maßnahmen nicht zu gefährden.“

Kein Skibetrieb im Lockdown: Liftbetreiber warnen vor Nutzung der Pisten

Massen-Ansturm trotz Lockdown: Polizei kündigt verstärkte Kontrollen an

Auch die Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd haben eine Zuspitzung des Ausflugsverkehrs beobachtet. Vielerorts seien die Parkplätze bereits am Vormittag belegt, sodass sich auf den Zufahrtsstraßen kilometerlange Staus bilden würden. Die Polizei weist darauf hin, dass nicht nur Falschparker mit Bußgeldern rechnen müssen, sondern dass auch Verstöße gegen die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Infektionsschutzverordnung zur Anzeige gebracht werden.

Touristiker warnen vor Infektionsgefahr

Dass es angesichts der für die Jahreszeit noch dürftigen Schneelage zwangsläufig zu Menschenansammlungen kommt, haben auch die Touristiker der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) festgestellt. „Die Gebiete, die aufgesucht werden, sind zu klein, um die Massen an Ausflüglern aufzunehmen“, schreibt die ATS in ihrem Liveticker. „Es liegt noch nicht genug Schnee für alle.“ Das Gedränge auf Parkplätzen, Wegen und Gipfeln zeige, dass die Abstände nicht eingehalten werden. Die Folge: eine entsprechende Infektionsgefahr.

Der Tipp der Touristiker: Auf Wintersport und Ausflüge in die Hotspots verzichten und stattdessen wohnortnah Erholung suchen. „Also besser entspannt spazieren gehen oder radeln, anstatt sich im dürftigen Schnee die Ski zu zerkratzen.“ Wen es doch rauszieht, der sollte spätestens dann umkehren, wenn es auf der Anfahrt stockt. „Eine 3,5 Kilometer lange Stauschlange zum Spitzingsattel sagt doch schon klar genug, dass es voll ist, oder?“

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Rubriklistenbild: © Foto: Andreas Leder

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