Spitzingsee im Schnee
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Viel Schnee, wenig Leute: Im Vergleich zu den Weihnachtsferien war es fast schon leer am Samstag auf dem Spitzingsee. Doch trotz Lockdown, 15 Kilometer-Regel und Ausflugsverbot kamen längst nicht nur Einheimische ins Winterwunderland. Doch die Polizei kontrollierte.

Trotz Verbots etliche Ausflügler unterwegs

Kontrollen und Lautsprecherdurchsagen: Polizei zieht Bilanz nach Lockdown-Wochenende

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Trotz Ausflugsverbot, Corona-Lockdown und 15 Kilometer-Bewegungsradius tummelten sich erneut etliche Ausflügler im Landkreis Miesbach. Die Polizei griff mehrfach ein.

  • Trotz strengerer Lockdown-Regeln waren auch am Wochenende wieder etliche Ausflügler im Landkreis Miesbach unterwegs.
  • Die Bereitschaftspolizei kontrollierte auf den Parkplätzen.
  • Jetzt müssen etliche Auswärtige mit hohen Bußgeldern rechnen.

Update von Montag, 18. Januar: 31 Lockdown-Verstöße von Tagestouristen

38 Verstöße gegen Corona-Auflagen hat die Polizei am Wochenende im Landkreis Miesbach festgestellt. Bei 31 von ihnen handelte es sich um touristische Tagesausflüge, berichtet Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, auf Nachfrage unserer Zeitung. In allen Verdachtsfällen habe die Polizei die Identität der betroffenen Personen aufgenommen und diese dann ans Landratsamt Miesbach zur Prüfung und gegebenenfalls Einleitung eines Bußgeldverfahrens weitergeleitet.

Wie berichtet, waren am Wochenende trotz der 15 Kilometer-Radius-Regel und des per Allgemeinverfügung erlassenen Verbots von touristischen Tagesausflügen in den Landkreis etliche Auswärtige an den Spitzingsee gefahren.

Auch die Langlaufloipen um Großhartpenning waren offenbar gut besucht – und auch das nicht nur von Einheimischen. Wie Pressesprecher Huber berichtet, stellten die Kollegen vor Ort etwa 50 Autos mit auswärtigen Kennzeichen fest. Da die Halter nicht bei ihren Fahrzeugen waren, habe man sie per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, sich an die Corona-Beschränkungen zu halten und nach Hause zu fahren. Dem seien die meisten auch nachgekommen. „Die Leute haben besonnen reagiert“, berichtet Huber. Deshalb habe man in diesem Fall auch darauf verzichtet, die Fälle an die Bußgeldstelle weiterzuleiten. „Unser Ansinnen ist es nicht, möglichst viele Stricherl zu machen“, betont der Pressesprecher. Vielmehr gehe es darum, für die Einhaltung des Infektionsschutzes zu sorgen.

Dass am Wochenende – auch auf Nachfrage unserer Zeitung – etliche Ausflügler angaben, nichts von der Allgemeinverfügung und damit vom Verbot von touristischen Fahrten in den Landkreis Miesbach gewusst zu haben, ist jedoch kein Argument, um einem Bußgeldverfahren zu entgehen, betont Huber. Man müsse sich eben informieren, bevor man losfahre. Ganz besonders in diesen Zeiten.

Ursprünglicher Artikel von Sonntag, 17. Januar:

Spitzingsee – Ein BMW rollt über den vor Kälte knirschenden Schnee auf den Parkplatz am Spitzingsee. Kennzeichen? M... „Schon wieder einer“, sagt der Parkwächter schmunzelnd und spaziert zum Auto. „Fünf Euro“, ruft er dem Fahrer zu. Ein Schnäppchen, wie dutzende Ausflügler aus anderen Landkreisen an diesem tiefwinterlichen Samstag später feststellen mussten. Denn kaum waren sie ausgestiegen, wurden sie ein zweites Mal zur Kasse gebeten – von der Bereitschaftspolizei. 500 Euro Bußgeld. Pro Person, nicht pro Fahrzeug. „Da waren welche mit 2000 Euro dabei“, erzählt der Parkwächter fast ein bisschen ungläubig. „Aber mei, eigentlich war’s doch allen klar, dass es Kontrollen gibt.“

Corona-Ansturm am Spitzingsee: Nicht nur Einheimische vor Ort

Offenbar nicht, wie sich bei einem Rundgang am Samstagnachmittag zeigt. 30 Zentimeter Pulverschnee, aufreißende Wolken, das zieht. Auch im Lockdown. Gut, im Vergleich zu den Weihnachtsferien ist der Andrang geradezu mickrig. Alle Zufahrtsstraßen frei, der Großteil der Parkplätze leer. Und doch tummeln sich ein paar Grüppchen auf dem zugefrorenen See. Sie schaufeln den Neuschnee vom Eis, um ein bisschen mit den Schlittschuhen herumkurven zu können. Wer glaubt, dass es wegen der 15 Kilometer-Radius-Regel samt Verbots für Tagesausflügler aus anderen Landkreisen nur Einheimische sind, täuscht sich gewaltig.

Ausflügler am Spitzingsee überrascht: „Bei uns ist die Inzidenz doch unter 200?“

„Wir sind aus Bad Aibling“, sagt ein Vater, der mit seinen zwei Söhnen Eishockey spielt. Dass sie eigentlich gar nicht hier sein dürfen, überrascht die drei Männer. „Die Corona-Inzidenz bei uns daheim liegt unter 200“, meint der Vater. Von der Allgemeinverfügung des Landkreises Miesbach hört er zum ersten Mal. Das geht auch einem Münchner Pärchen so. Sogar die Nachricht, dass die Bereitschaftspolizei unterwegs ist, scheint sie nicht weiter zu beunruhigen. Aufs Eis werden die Kontrolleure schon nicht kommen.

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Tatsächlich sind es aber die Ausflügler selbst, die auf dünnem Eis unterwegs sind. Ob wissentlich oder nicht, interessiere die Beamten nicht, berichtet der Parkwächter. „Die verhandeln nicht.“ Er selbst befürworte die Kontrollen, betont er. Spätestens seit er erlebt hat, was am Freitag am Spitzingsee geboten war. „Da haben wir keine Parkgebühren kassiert, weil unklar war, ob wir uns mitschuldig machen, wenn wir Auswärtige reinfahren lassen“, erzählt der Kassierer.

Trotz strenger Corona-Auflagen: Am Freitag erneut Chaos am Spitzingsee

Er selbst habe den freien Tag für eine Skitour genutzt. Seine Hoffnung, endlich mal mehr Ruhe zu haben, zerschlug sich jäh. „Da war wieder die Hölle los.“ Trotz Corona-Lockdown, trotz 15 Kilometer-Begrenzung. Als er dies seiner Chefin berichtet habe, informierte die das Landratsamt. Mit dem Ergebnis, dass am Wochenende wieder Parkgebühren erhoben wurden – und Bußgelder obendrein.

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Das trifft auch Christoph Simon – zumindest indirekt. Der Verkauf an seiner Schneebar läuft schleppend. Und das nicht nur, weil er keinen Glühwein ausschenken darf („dank Söder“). „Wir merken’s schon, wenn die Münchner nicht mehr kommen“, sagt Simon. Dafür muss niemand anstehen, wenn er Wiener und Punsch zum Mitnehmen will.

Kein Anstehen notwendig: An der Schneebar von Christoph Simon (r.) und Michi Baumann läuft das Geschäft ohne Ausflügler eher schleppend.

Die Einheimischen jedenfalls genießen die Ruhe. Vinzenz Wehrmann aus Miesbach und Quirin Wimmer aus Neuhaus haben sich zum Eishockeyspielen getroffen. In den Wochen vor dem Ausflugsverbot haben sie den Spitzingsee gemieden. Selbst gegenseitige Besuche waren schwierig, berichtet Wehrmann. „Da wären wir ja nur im Stau gestanden.“

Hockey mit Abstand: Vinzenz Wehrmann (l.) aus Miesbach und Quirin Wimmer aus Neuhaus genießen das Eis.

Sophia Bichler aus Miesbach und Isabell Günther aus Hausham haben ähnliches erlebt. „Bei dem Chaos hat man sich schon genau überlegt, wann man Einkaufen fährt“, erzählt Bichler. Die schärferen Lockdown-Regeln seien in dieser Hinsicht fast schon entspannend. Den Hass, der zuletzt Autofahrern mit Münchner Kennzeichen entgegenschlug, können die jungen Frauen aber nicht nachvollziehen. „Ich kenne viele Haushamer, die Firmenautos fahren“, sagt Günther.

Viel Platz zum Gleiten: Sophia Bichler (l.) aus Miesbach und Isabell Günther aus Hausham gefällt die Ruhe auf dem See.

Die Bereitschaftssplizei hingegen interessiert vielmehr das, was auf dem Personalausweis steht. Und, ob es einen triftigen Grund für die Fahrt an den Spitzingsee gibt. Der am Textanfang genannte Münchner BMW-Fahrer hatte einen, wie der Parkwächter im Gespräch herausfinden sollte. „Das ist ein Journalist, von der Bild-Zeitung.“ Tatsächlich stapft der Mann mit einem riesigen Kameraobjektiv in Richtung See. Vielleicht, um die nach den letzten Wochen so ungewohnte Ruhe zu dokumentieren.

sg

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