Coronavirus: Zeit für Schlierseer Seniorenheim wird knapp
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Im Abzug: Die Bundeswehr ist nur bis Sonntag in Schliersee im Einsatz. Ohne sie geht es aber noch nicht. 

Coronavirus: Zeit für Schlierseer Seniorenheim wird knapp

  • Christian Masengarb
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Obwohl das von Corona betroffene Seniorenheim in Schliersee ohne die Bundeswehr derzeit nicht betrieben werden könnte, endet die Hilfe der Soldaten am Sonntag. Was danach kommt, ist offen.

Schliersee – Was das Landratsamt unserer Zeitung auf Nachfrage über das Schlierseer Seniorenheim, in dem das Coronavirus ausgebrochen ist, schreibt, ist deutlich: Es könne keine Dauerlösung sein, dass Soldaten ein Pflegeheim betreiben, „dass der Katastrophenschutz auch nach Wochen noch täglich Schutzausrüstung liefern muss, dass das Krankenhaus auch nach Wochen noch Wäsche beisteuern muss, und dass der Krisenstab dauerhaft eine Person stellt, die bei der Organisation des Heims hilft.“

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Coronavirus: Zeit für Schlierseer Seniorenheim wird knapp

Es muss sich also etwas ändern. Passieren wird das spätestens Montag. Am Sonntag läuft der Antrag auf Amtshilfe ab, der die Bundeswehr in die Einrichtung geholt halt. Er war bereits um eine Woche verlängert worden. Noch eine Verlängerung ist laut Landratsamt nach aktuellem Stand unmöglich. Für die kommende Woche braucht das Seniorenheim, in dem 18 Bewohner und sieben Mitarbeiter an Corona erkrankt sind, einen neuen Plan. Wie der aussehen wird, ist offen.

Der Krisenstab arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung. Ohne die Bundeswehr könne die Einrichtung derzeit nicht betrieben werden, urteilt er. Das liege an Personalausfällen wegen Corona, aber auch an „strukturellen Problemen“ der Einrichtung. Wie berichtet, hat das Landratsamt wegen hygienischer und pflegerischer Missstände in der Einrichtung die Ermittlungsbehörden eingeschaltet.

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Betreiber bekommt noch eine Chance - aber Verlegung möglich

Wie soll es also ab Montag weitergehen? Klar ist: Der Träger bekommt die Chance, die Arbeit wieder aufzunehmen. Niemand könne einer Einrichtung ohne Weiteres die Betriebserlaubnis entziehen, begründet das Landratsamt. Alles stehe und falle mit der Erfüllung der Auflagen – unter anderem ausreichend Personal ohne Bundeswehr. Schafft der Träger das bis zum abschließenden Kontrollbericht, bleiben die Bewohner in der Unterkunft.

Der Krisenstab versucht derweil laut Landratsamt „mit aller Kraft und allen zur Verfügung stehenden Ressourcen“, den geregelten Betrieb wiederherzustellen. Das müsse aber so geschehen, dass der Krisenstab „beruhigt schlafen kann“. Sollte das „trotz aller Bemühungen nicht möglich sein, wird man sich Alternativen überlegen“.

Die zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Der Krisenstab hat laut Landratsamt für jeden Bewohner einen geeigneten Heimplatz organisiert, in dem er betreut werden könnte, bis die Angehörigen über die weitere Unterbringung entschieden haben. Trotzdem: Würde man die Bewohner einfach verlegen, würden sie in Einrichtungen „mindestens in ganz Oberbayern verteilt“. Die Angehörigen müssten weit fahren, die Senioren in einer neuen Umgebung zurechtkommen – schwer für beide. „Jede Alternative birgt Gefahren“, schreibt das Landratsamt. Die Entscheidung werde aber noch diese Woche fallen.

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Krisenstab erkennt erste Erfolge

Immerhin: Erste Erfolge erkennt der Krisenstab im Heim. Er hat über das BRK Gamal Löffler als Pflegedienstleiter eingesetzt. Der frühere Leiter einer Seniorenunterkunft in Fürstenfeldbruck habe geholfen, „wieder Struktur in die Einrichtung zu bringen“, meldet das Landratsamt. Die Angehörigen könnten sicher sein, dass es allen Bewohnern den Umständen entsprechend gut gehe und sie engmaschig betreut werden. Sollte die Verlegung nötig werden, werde das Landratsamt die Angehörigen anrufen.

Entscheidend für die Zukunft des Heims werden auch die Ergebnisse eines weiteren Reihentests sein. Wie das Landratsamt meldet, wurden alle Bewohner und Mitarbeiter am Montag erneut abgestrichen. Die Ergebnisse stehen noch aus. Nach derzeitigem Stand sind noch vier mit Corona infizierte Bewohner in der Einrichtung. Ihre Zukunft entscheidet sich in den nächsten Tagen. Drei Bewohner und ein Mitarbeiter sind im Zusammenhang mit Corona verstorben.

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