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Da soll's hin (rote Fläche): Das geplante Gästehaus in Fischhausen.

Neubau mit neun Zimmern und einer Betriebswohnung inFischhausen

Debatte um Gästehaus: Gemeinderat macht weg frei

Schliersee – Die Freude über "hochwertige Gästebetten" überwiegt die Bedenken. Der Gemeinderat macht den weg für das ebantragte Gästehaus in Fischhausen frei. 

Es ist immer eine gewisse Pikanterie im Spiel, wenn jemand aus dem engen privaten Umfeld des Bürgermeisters in einem sensiblen Gebiet bauen möchte. Entsprechend angespannt wurde jüngst das Bauvorhaben in Fischhausen behandelt – eine Parzelle, auf der bislang kein Baurecht möglich ist. Erneut verfolgte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) die Diskussion als Zuhörer, während Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle (CSU) die Sitzung leitete. Dabei ging es um das laufende Änderungsverfahren des Flächennutzungsplans. Der ist Voraussetzung für die Anpassung des Bebauungsplans, der wiederum Grundlage für den Bauantrag ist.

Wie berichtet, möchte die Antragstellerin dort auf einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück südlich der Fischhauser Straße ein Gästehaus mit neun Zimmern plus Bad und einer Betriebsleiterwohnung errichten. Weil das Gebiet momentan als landwirtschaftliche Fläche gilt, hatte der Gemeinderat im September 2015 eine Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan beschlossen. Im Februar wurde der Plan mit 12:7 Stimmen ins weitere Verfahren geschickt. Nun standen die nächsten Schritte an.

Dürr: "Delikat, dass wir damit Baurecht schaffen."

Der Plan, das Grundstück mit dem Gästehaus dem bereits bestehenden Sondergebiet Fremdenverkehr anzugliedern, ist gewissermaßen ein Kunstgriff. Wie in der Sitzung deutlich wurde, stand der Hausbau bereits ohne touristische Nutzung im Dezember 2014 auf der Tagesordnung des Gemeinderats, wurde jedoch vor der Sitzung zurückgezogen, wie Michael Dürr (PWG) anmerkte. Das Sondergebiet habe der Gemeinderat vor etwa acht Jahren nur als Veränderungssperre erlassen, erinnerte er. Da sei es „delikat, dass wir damit nun Baurecht schaffen“.

Wunderle: "Einheimischer baut und bringt Gäste."

Die Fürsprecher wollten dem nicht folgen. „Ein Einheimischer baut und bringt Gäste – da hat die Gemeinde doch einen doppelten Nutzen“, stellte Wunderle fest. Und auch Florian Zeindl (CSU) begrüßte das Gästehaus: „Wir können dort Gästebetten schaffen. Das mache ich nicht von Personen abhängig. Ich bin bereit, dass auch andere unterstützt werden.“ Auch seitens der Verwaltung wird „die Schaffung von neuen, hochwertigen Gästebetten“ zur Stärkung der touristischen Infrastruktur als „wichtiges Ziel“ des Marktes Schliersee erachtet. Der „Entstehung hochwertiger Gästebetten“ wolle man den Weg ebnen.

Aus rechtlicher Sicht folge die Gemeinde mit dem Verfahren der Regierung von Oberbayern, erklärte Bauamtsleiterin Birgit Kienast: „1976 hatte die Gemeinde das gesamte Gebiet als landwirtschaftliche Fläche festgelegt – trotz der Bebauung Schnapperwirt und Autohaus.“ Das habe die Regierung beanstandet und eine Ausweisung der tatsächlichen Nutzung verlangt. „Die Siedlungsstruktur ist da“, betonte Kienast. Diese werde nun auch – wie gefordert – dokumentiert. Im Rahmen des Anbindegebots könne an besagter Stelle deshalb auch gebaut werden.

Während Robert Mödl (DS) das Gästehaus positiv bewertete, weil „ähnliche Projekte alle laufen“, warnte Dürr vor der zunehmenden Verkehrsbelastung: „Ein Wohnhaus würde ein bis zwei zusätzliche Autos bedeuten.“ Bei einem Gästehaus es ungleich mehr. Dafür sei die Fischhauser Straße zu eng.

Am Endergebnis änderten diese Gegenargumente nichts. Der Gemeinderat gab mit 14:6 Stimmen den Weg frei zur Überarbeitung des Flächennutzungsplans. Anschließend erfolgen die Bürgerbeteiligung sowie die Anhörung der Träger öffentlicher Belange. Parallel wurde die Überarbeitung des dazugehörigen Bebauungsplans mehrheitlich beschlossen. Auch hier folgt im Anschluss die Bürgerbeteiligung.

ddy

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