Luftaufnahme vom Hang an der Unterleiten in Schliersee. Zu sehen sind ein gerodetes Wäldchen und Bauarbeiten für ein Einfamilienhaus.
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Baugebiet am Hang: Auf dem sogenannten Beierlein-Grundstück an der Unterleiten in Schliersee ist die Villa des Namensgebers bereits abgerissen und das Wäldchen unterhalb verschwunden. Die kleine Trinkstube etwas oberhalb wird ebenso durch ein Einfamilienhaus ersetzt wie das Gebäude linker Hand. Oben im Bild: die IG Metall-Jugendbildungsstätte.

Drei Bauanträge für Einfamilienhäuser an der Unterleiten

Dem Promi-Hügel in Schliersee rücken die Bagger zu Leibe

Schliersee – Es ist fast ein ganzer Hügel, der da in Schliersee bebaut wird. Binnen weniger Monate hat der Schlierseer Bauausschuss drei Einfamilienhäuser in bester Lage befürwortet. Hier lebte einst eine Legende.

Diese Lage hatte auch Hans R. Beierlein geschätzt. Der inzwischen 91-jährige Multimillionär – ein legendärer Musikmanager – hat sich erst vor wenigen Jahren aus Schliersee zurückgezogen und nach mehr als einem halben Jahrhundert sein Traumhaus verkauft. Nun ist es verschwunden.

HIer wohnte bis vor wenigen Jahren der Rechte-Inhaber der „Internationalen“

Ob sie in der Trinkstube die „Internationale“ geschmettert haben, ist nicht überliefert. Die Rechte an dem Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung hatte sich der Musikverleger Hans R. Beierlein Anfang der 1970er gesichert – für 5000 Mark. Ganz der Geschäftsmann, kassierte er von der DDR dann jährlich 20 000 Mark, wie er einmal der Welt erzählte. Da hatte der Journalist, Medienmanager und Verleger bereits sein Haus in Schliersee.

Berühmtheiten wie Udo Jürgens waren zu Gast

Dort waren über die Jahrzehnte Berühmtheiten zu Gast. Der von Beierlein groß gemachte Udo Jürgens etwa. Von den beiden gibt es ein Foto in der hauseigenen Sauna. Zu Beierleins Schützlingen zählten unter anderem auch Heino, die Zillertaler Schürzenjäger und Florian Silbereisen. Auch in der Fernsehwelt war der geborene Nürnberger aktiv, kreierte unzählige Shows („Essen wie Gott in Deutschland“, „Grand Prix der Volksmusik“), und er stellte die Fußballnationalmannschaft vors Mikro („Fußball ist unser Leben“). Nur ein Ausschnitt seines Schaffens. Die Einnahmen aus der „Internationalen“ waren da vergleichsweise ein Witz. 2019 schätzte das Manager Magazin Beierleins Vermögen auf rund 300 Millionen Euro.

Trinkstube soll Einfamilienhaus weichen

Zu seinem Anwesen an der Unterleiten in Schliersee, die IG Metall-Jugendbildungsstätte in direkter Nachbarschaft, gehört eben auch die genannte Trinkstube, die etwas weiter oben am Hang steht. Mehr als das gemütliche Beisammenhocken war in dem Häusl kaum drin, da es über keinen Wasseranschluss verfügt. Dafür ist es mit Eckbank und Theke ausgestattet und trägt seinen Namen sicher nicht zu Unrecht. Doch die Stube wird wohl weichen müssen. Einer Bauvoranfrage für ein 13,50 mal zehn Meter großes Einfamilien Haus mit Erd- und Dachgeschoss stimmte der Bauausschuss zuletzt zu, nachdem er sich die Sache erst einmal angesehen hatte. „Den Ortstermin könnte man interessanter gestalten, wenn die Trinkstube geöffnet wäre“, hatte PWG-Gemeinderat Horst Teckhaus im Vorfeld gewitzelt.

Drei Bauvorhaben an der Unterleiten in Schliersee

Weniger witzig haben die Nachbarn womöglich die Rodung des Wäldchens auf dem unteren Teil des Beierlein-Grundstücks gefunden. Dass da einiges zusammengekommen ist, davon zeugt das an der Straße aufgestapelte Holz. Es musste den Bauarbeiten Platz machen, die nun im Gange sind. Der Neubau wird etwas bescheidener ausfallen, wenn auch höher. Statt einer Länge von 30 Metern und einer Breite von bis zu 18 Metern umfasst die überbaute Grundfläche des zweigeschossigen Hauses künftig 20 mal 14 Meter. Hinzu kommen eine Tiefgarage sowie oberirdische Stellplätze, was eine doppelte Zufahrtssituation nach sich zieht. Nicht so schön, aber letztlich stimmte der Bauausschuss dem Vorhaben aber zu. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) sagte: „Das ist ein Gewinn gegenüber dem, was vorher geplant war und was vorher dastand.“ Der Bauwerber hatte einen genehmigten Vorbescheid zum Neubau verkleinert und das Gebäude etwas von der Hangkante weggerückt.

Wohlwollende Beurteilung des Landratsamts

Das dritte Bauvorhaben an ein- und demselben Hügel liegt – vom See aus gesehen – noch etwas weiter links. Bei Antrag auf Abriss und Neubau war zunächst zu klären, ob das Areal im Außenbereich liegt. Eine Rückfrage beim Landratsamt ergab, dass eine Positionierung etwas näher der abgerissenen Beierlein-Villa die Zuordnung zum Innenbereich erlauben würde. Somit spart sich die Gemeinde eine Bauleitplanung und der Bauherr die Kosten dafür. Entstehen soll ein Einfamilienhaus mit Architekturbüro. Der zweigeschossige Baukörper wird rund 16 Meter lang und 5,30, in einem Teilbereich bis zu 8,70 Meter breit. Der Antrag ersetzt einen genehmigten Vorbescheid zu Sanierung und Anbau, den Beierlein im Jahr 2007 gestellt hatte. Philipp Krogoll (Die Schlierseer) war von der Abstimmung wegen persönlicher Betroffenheit ausgeschlossen.

Unweit des Hügels liegt das Skandalheim Seniorenresidenz Schliersee. Lesen Sie hier weiter.

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