Mann der Berge: Walter Alkofer (†).
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Mann der Berge: Walter Alkofer (†).

Nachruf

Ein Mitmensch im besten Sinne des Wortes

Schliersee – Walter Alkofer ist tot. Der vor allem Obmann der Lawinenkommission bekannte Schlierseer, starb am Donnerstag im Alter von 78 Jahren.

Wenn man so möchte, war es ein Münzwurf, der über die nicht unerhebliches Maß Sicherheit für vieler Menschen im Raum Miesbach entschied. Einem Münzwurf war es geschuldet, dass Walter Alkofer 1966 nach Miesbach kam. Und hier hat er sich in vielfacher Weise um die Sicherheit der Menschen verdient gemacht, unter anderem als Verkehrserzieher bei der Polizei, vor allem aber als Obmann der Lawinenkommission Schliersee.

Der „Lawinenversteher von Schliersee“ ist tot

In dieser Funktion war er über die Grenzen des Landkreises bekannt. Nun ist Walter Alkofer im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Region verliert nicht nur einen ausgewiesenen Fachmann, den „Lawinenversteher von Schliersee“, wie ihn der Münchner Merkur mal nannte, sondern einen Menschen, den viele dank seines Humors, seiner Geselligkeit und seiner Geduld in Erinnerung behalten werden.

Vielfache Verdienste um die Sicherheit am Berg

Walter Alkofer wuchs in Niederbayern auf. Am Ende seiner Ausbildung zum Polizisten konnte er zwischen den Dienststellen Bad Tölz und Miesbach wählen – und ließ die Münze entscheiden. Am 16. Dezember 1966 trat er seinen Dienst in Miesbach an, und ein beruflikcher Einsatz im August des folgenden Jahres war es, der seine Zukunft entscheidend mitprägen sollte. Am Spitzingsattel bat ihn ein blutüberströmter Mann um Hilfe für seinen an der Brecherspitz verunglückten Kameraden, Alkofers erster Einsatz als Bergretter, noch völlig ohne Ausbildung, in Dienstkleidung und mit Lederhalbschuhen. Am Ende war er Sachbearbeiter für Bergunfälle bei der Polizei und im Folgemonat Mitglied der Bergwacht.

Dank Alkofer steht an der Spitzingstraße die „modernste Lawinensprenganlage Bayerns“

In die Lawinenkommission wurde er 1970 berufen. Weil die damaligen Obleute den Konflikt mit den Spitzingseern scheuten, war es immer Alkofer, der die teilweise tagelangen Sperrungen der Spitzingstraße wegen Lawinengefahr beim Landratsamt beantragen musste. „Die Sympathie für mich bei den Spitzingseern sank auf den Nullpunkt“, erinnert sich Alkofer in seiner Familienchronik. Im Laufe der Jahrzehnte besserte sich das Verhältnis. Denn: „Ihnen ist es zu verdanken, dass heute an der Spitzingstraße die modernste Lawinensprenganlage Bayerns steht und die langen Sperrzeiten der Vergangenheit angehören.“ Das sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann 2011 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Nur eine von zahlreichen Ehrungen, die Alkofer, ab 1988 selbst Obmann der Lawinenkommission, zuteil wurden.

100 Touren pro Winter im Dienste der Sicherheit

Wie kaum ein anderer kannte sich Alkofer in den Bergen rund um den Spitzingsee aus, etwa 100 Touren unternahm er jeden Winter, um die Schneeverhältnisse zu beobachten und die Lawinengefahr zur beurteilen. „Extremst zuverlässig und unglaublich detailversessen“, so Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer, habe er diese Aufgabe erledigt. Die Daten, die Alkofer über die Jahre hinweg gesammelt hat, waren und sind von unschätzbarem Wert – unter anderem auch für die Schutzwaldsanierung.

Eine Bereicherung für das Vereinsleben in Schliersee

Ehrenamtlich aktiv war Alkofer, Vater dreier Söhne, auch in diversen Schlierseer Vereinen, deren Leben er mit seinem Humor, seiner Offenheit und seiner Geselligkeit bereicherte. Und in seinen 26 Jahren als Verkehrserzieher hat er rund 20 000 Schüler unterrichtet. Hier und in Sachen Sicherheit am Berg war Alkofer auch als Ausbilder tätig.

Nach einem Schlaganfall blieben ihm die geliebten Bergtouren zuletzt verwehrt. Nach langem Kampf starb starb Walter Alkofer am Donnerstag an den Folgen einer Corona-Infektion.

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