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Ihre geliebten Bücher und den „Ratsch“ mit den Kunden wird Ingrid Köglmeier vermissen, freut sich aber auf mehr Unabhängigkeit und darüber, dass sie mit Patrick Edler von Hoessle den perfekten Nachfolger gefunden hat. 

Ein Mann gegen Amazon & Co. 

So will dieser Mann heute noch eine Buchhandlung aufziehen

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Schliersee - Die Bücheroase in der Schlierseer Lautererstraße wird ab Ende Januar von Patrick Edler von Hoessle geführt. Inhaberin Ingrid Köglmeier kehrt dem Geschäftsleben den Rücken.

Aufmerksamen Kunden ist es nicht entgangenen. Bereits seit Wochen kündet ein Plakat an der Eingangstür des Schlierseer Buchladens von den Neuerungen, die dem Geschäft bevorstehen. Die Bücheroase bekommt zum 28. Januar einen neuen Chef. Patrick Edler von Hoessle (48), Digital-Manager, „Zuagroaster“ und Bücherwurm. Den Schlierseern ist der gebürtige Essener wohl noch nicht bekannt, hat er sich doch erst vor etwa einem Jahr entschieden, hier seine neue berufliche Existenz aufzubauen.

„Ich bin total happy, dass ich einen Nachfolger gefunden habe“, sagt Ingrid Köglmeier. „Dieses Geschäft war mein gelebter Traum, jetzt ist die Zeit für etwas Neues gekommen.“ Die 53-Jährige hatte die Bücheroase, die es bereits seit 1990 gibt, vor 15 Jahren übernommen und „wesentlich ausgebaut“. Auf einer Reise durch Neu-England im Südosten der USA habe sie dereinst mit Ende 30 wundervolle kleine Buchläden entdeckt und bei sich gedacht: „Wäre das nichts für mich?“ Die Initialzündung war dann ein Hörspiel des Romans ’Der Alchemist’ von Paolo Coelho, dem die Mutter eines erwachsenen Sohnes bei einer Autofahrt lauschte. „Jetzt muss ich etwas in meinem Leben ändern“, entschied sie und stieß zufällig auf die Bücheroase, die gerade zum Verkauf stand.

Die Buchhandlung bildet seither gewissermaßen den kulturellen Treffpunkt des Ortes – und wird dies auch weiterhin tun. Im selben Gewand, denn der gemütliche Charme bleibt zunächst unverändert. Die enorme Bandbreite an Belletristik, Sach- und Kinderbüchern sowie Reiseliteratur möchte der „Quereinsteiger“ von Hoessle nämlich erhalten. Samt der „Seele des Ladens“, den beiden Mitarbeiterinnen Eva Egginger und Beate Fischer.“

Das Angebot wird er in modernisiertem Gewand präsentieren. Dazu gehören neben einer noch flinkeren Logistik ein Facebook-Auftritt sowie eine Internetseite nebst Online-Shop, in dem der Kunde mit einem Klick auf rund eine Million deutschsprachige Titel zugreifen kann. Der „wunderschöne Platz“ vor den Schaufenstern soll überdies belebt werden, wozu von Hoessle einen kostenlosen Internet-Hotspot einrichtet – „auch um das Thema Buchladen für Jüngere in den Fokus zu rücken“.

Im Laufe der Zeit möchte der „68er“ dann auch optisch seine Persönlichkeit einbringen. Zunächst gelte es jedoch, die Pflicht zu erfüllen. „Ich muss erst die großen Fußstapfen füllen, die mir Ingrid hinterlässt, bevor ich in der Kür etwas optimiere.“

Ebenso zufällig wie Vorgängerin Köglmeier ist auch Neu-Buchhändler von Hoessle zu dem Laden gekommen. Der Gedanke, ein solches Geschäft zu führen, reifte bei der Lektüre des Buches ’meine wundervolle Buchhandlung’, das den 48-Jährigen faszinierte. Nur wenig später erzählte ihm eine Freundin von einer Buchhandlung in Schliersee, die zum Verkauf stehe. „Inkognito habe ich dann zwei oder drei Bücher hier gekauft und Ingrid etwas ausgefragt“, erinnert sich der Hohenbrunner, der sich bei diesem Besuch auch in Schliersee verliebte und im Oktober im dortigen Rathaus heiratete. Zwei Wochen später spazierte er ein zweites Mal durch die Tür der Bücheroase und ward plötzlich Buchhändler. In einem Crashkurs eignete er sich das Rüstzeug an, um im hart umkämpften Markt bestehen zu können. Dass ihm dies auch gelingt, davon ist von Hoessle überzeugt. Denn das Buch, sagt er, „wird nicht verdrängt. All das Neue ist nie nur Ersatz, sondern Ergänzung. Mit Service, den Vorteilen der neuen Medien und Menschlichkeit wird es funktionieren.“

ah

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