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Protest im Postkartenformat: Mit 250 an Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer adressierten Karten will die Gewerkschaft Verdi gegen den verkaufsoffenen Sonntag am 1. Mai Stellung beziehen.

Diskussion um verkaufsoffenen Sonntag

Gewerkschaft startet Protestaktion

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Schliersee - Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer muss sich auf unangenehme Post einstellen. Mit 250 Protestkarten will die Gewerkschaft Verdi gegen den verkaufsoffenen Sonntag am 1. Mai mobil machen. 

Die Marktgemeinde macht ernst mit dem verkaufsoffenen Sonntag am 1. Mai. Bei der Sitzung am Dienstag, 19. April, lässt Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer den Gemeinderat über eine entsprechende Verordnung abstimmen. Mindestens mit einem kritischen Zuhörer wird er rechnen müssen. „Ich werde mir die Argumente genau anhören und sie dann mit der aktuellen Rechtssprechung vergleichen“, kündigt der Zweite Geschäftsführer des Verdi-Bezirks München, Georg Wäsler, an. Eine Postkartenaktion als Protest gegen die Ladenöffnung am Tag der Arbeit hat die Gewerkschaft gestern bereits gestartet.

Wie berichtet, will die Gemeinde heuer insgesamt drei verkaufsoffene Sonntage abhalten. Beim Gartenzauber, beim Trachten- und Handwerkermarkt und beim Frühlingsmarkt. Letzterer findet ausgerechnet am 1. Mai statt – für Verdi eine Provokation. „Die Shoppingveranstaltung missachtet nicht nur die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts“, hat die Gewerkschaft auf die 250 Postkarten gedruckt. „Sie verletzt auch die Rechte der Arbeitnehmer, die ihren Tag der Arbeit feiern.“ Ferner sei die Aktion „eine Taktlosigkeit gegenüber den Christen“. Laut Wäsler werden die Karten, die direkt an Bürgermeister Schnitzenbaumer adressiert sind, unter anderem an das Schlierseer DGB-Ortskartell und das IG Metall-Jugendbildungszentrum ausgegeben. „Also an Leute, die sensibel für dieses Thema sind“, sagt Wäsler. Ziel sei es aber, dass möglichst viele Bürger ihren Protest ins Rathaus schicken – nicht nur Funktionäre.

Dass sich die Gemeinde von der Aktion beeindrucken lässt, davon geht Wäsler mittlerweile nicht mehr aus. Alleine die Tatsache, dass es der Punkt auf die Tagesordnung des Gemeinderats geschafft hat, zeige, „dass der Bürgermeister nicht einsichtig ist“. Eines müsse aber aber klar sein: Sollte Schliersee den verkaufsoffenen Sonntag tatsächlich durchziehen, müsse man mit Protesten rechnen. „Das wäre sicher keine Werbung für eine Tourismusgemeinde“, sagt Wäsler.

Schnitzenbaumer sieht das ein bisschen anders. Die Ladenöffnung am 1. Mai sei ein Wunsch der Gewerbetreibenden im Ort, nicht der Verwaltung. Als Bürgermeister habe er die Aufgabe, hier für einen „Interessensausgleich“ zu sorgen. Er werde jedenfalls seinen Gemeinderäten empfehlen, für den Erlass der Verordnung zu stimmen. Es gehe schließlich um die Unterstützung des Einzelhandels im Ort. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Leute im Internet einkaufen, sei das ein wichtiges Signal.

Zwar könne er die Anliegen der Gewerkschaft durchaus verstehen, aber man müsse eben auch mit der Zeit gehen. „Wenn es keinen Einzelhandel mehr gibt“, sagt Schnitzenbaumer, „dann hat auch die Gewerkschaft nichts mehr, das sie vertreten kann.“

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