Dr. Fischer entschuldigt sich für Verschwinden aus Neuhaus
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Kurios: An Fischers Praxis vermeldete ein Zettel die Schließung – mit falschem Datum. Wer die angebliche Hilfe-Nummer anruft, landet beim Gelben Blatt.

Dr. Fischer entschuldigt sich bei Patienten in Neuhaus

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Der plötzlich aus Neuhaus verschwundene Hausarzt Dr. Peter Fischer entschuldigt sich bei den Menschen, denen sein Abschied Probleme bereitet hat. Sein neuer Chef verrät indes Hintergründe.

Neuhaus – Liest Michael Brümmer die E-Mails, die ihn in überseinen neuen Angestellten Dr. Peter Fischer erreicht haben, will er einiges richtigstellen. „Dr. Fischer hat sich von vielen Patienten in Neuhaus ordnungsgemäß verabschiedet und ihnen ihre Akten gegeben“, sagt Brümmer unserer Zeitung. „Nicht bei allen. Aber das geht bei der Patientenzahl auch nicht.“

Dr. Fischer entschuldigt sich für Verschwinden aus Neuhaus

Fischer selbst will sich nicht äußern. Er lässt Brümmer aber eine Botschaft übermitteln: Sollte er durch seinen Abschied Patienten vor Probleme gestellt haben, bittet er um Entschuldigung: „Es tut mir leid.“

Wie berichtet, hatte Hausarzt und Psychologe Fischer seine Neuhauser Praxis Ende Juni überraschend geschlossen. Patienten hatten unserer Zeitung daraufhin von fehlenden Unterlagen, geplatzten Terminen und plötzlich unterbrochenen Behandlungen berichtet.

Bei Fischers neuem Arbeitgeber in Norddeutschland landen seitdem Nachrichten aus dem Landkreis im Posteingang. Laut Brümmer seien darunter viele Patienten, die sich nett verabschieden, aber auch kritische Mails.

Die Gründe

Seit Anfang Juli arbeitet Fischer bei Bremerhaven – als Angestellter. Eine bewusste Entscheidung, wie Brümmer betont. In Neuhaus habe die Komplexität einer Arztpraxis Fischer überrannt.

Brümmer erklärt es so: Er führt die Praxis bei Bremerhaven zusammen mit seiner Frau. Sie kümmert sich um die Patienten, er um die Verwaltung. „Wir haben beide alle Hände voll zu tun.“ Fischer habe zunächst in Gütersloh und dann in Neuhaus beide Aufgaben übernehmen wollen. „Das war einfach zu viel. Gerade, wenn einem das Aus der letzten Praxis noch nachhängt und dann Corona hinzukommt.“ In seiner neuen Anstellung könne sich Fischer wieder rein auf die Medizin konzentrieren – er leiste hervorragende Arbeit.

Reaktionen

Das glaubt Anja Geier aus Miesbach gerne. Wie berichtet, ließ Fischer durch seinen Abschied ihre wichtige OP-Voruntersuchung platzen – „sehr unfair“, findet sie. Ihre Meinung über den Arzt ändert das aber nicht. „Trotz der Umstände würde ich sofort wieder zu ihm in die Praxis gehen.“ Fischer habe für jeden einen Termin gehabt, oft um 20 Uhr noch Patienten empfangen. „Ich habe ihn darauf angesprochen, ob er ein Privatleben hat.“

Was Geier enttäuscht: Nach Fischers Abschied hat sie ihm eine Mail geschrieben. Eine Antwort hat sie nicht erhalten. „Vielleicht ist es ihm zu schwer gefallen, sich von allen Patienten zu verabschieden. Wer weiß.“

Eine Antwort auf seine Mail hat auch Jan Maier von Fischer nicht erhalten. Der 25-jährige Schmerzpatient, der nach Fischers Abschied plötzlich vor verschlossenen Türen stand (wir berichteten), hat auf der Suche nach einem neuen Arzt über 30 Praxen abtelefoniert. Mit Glück fand er einen Therapeuten, der ihn betreut – ab Ende Juli, in München. „Dass Dr. Fischer geht, kann ich verstehen“, sagt er. „Aber er hätte es besser regeln müssen.“ Maier fehlen weiterhin Unterlagen.

Unterlagen

Viele Patienten hätten ihre Unterlagen inzwischen aber erhalten, sagt Fischers Insolvenzverwalter Paul Tamasiu. Am Montag sei es wegen des großen Andrangs zu längeren Wartezeiten in der Praxis gekommen. Bei den weiteren Terminen (im Juli immer montags in der Praxis) werde es schneller gehen: Viele Patienten hätten ihre Unterlagen dringend zur Weiterbehandlung gebraucht, weshalb der erste Termin stark nachgefragt worden sei.

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