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Damals und heute: Die Hochzeit der Ritters fand im Mai 1947 statt, zwei Jahre nach Kriegsende.

„Die schönen Momente überwiegen bei Weitem“

Echte Seltenheit: Inge und Karl Ritter feiern Gnadenhochzeit

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Gnadenhochzeiten sind in Deutschland eine echte Seltenheit. Nur etwa jedes 2000. Ehepaar schafft es, 70 Jahre verheiratet zu sein. Zu den wenigen, die dieses Ziel erreicht haben, gehören Inge und Karl Ritter. 

Neuhaus – Erst trafen sich alle zu einem Gottesdienst in der St. Leonhard Kirche in Fischhausen. Dann ging es mit Familie und Freunden weiter in das Gasthaus Rote Wand in Geitau.

Der Start ins Eheleben war für die beiden Jubilare alles andere als einfach. Karl Ritter musste 1944 nach der siebten Klasse das Not-Abitur ablegen und wurde dann zur Wehrmacht eingezogen. Zwei Jahre nach Kriegsende, am 7. Mai 1947, heiratete er seine Frau Inge. Fünf Monate später wurde Bernd geboren, der erste von zwei Söhnen des Ehepaares. Wie viele ihrer Landsleute lebten sie zunächst in bescheidensten Verhältnissen in einer Ein-Zimmer-Wohnung in München.

Doch in der Zeit des Wirtschaftswunders ging es für die beiden stetig aufwärts. Karl Ritter arbeitete als Ministerialreferent im Bayerischen Finanzministerium. Inge Ritter verdiente ihr Geld als kaufmännische Angestellte im Textilbetrieb ihres Vaters. Sie hielt ihrem Mann den Rücken frei, versorgte die Kinder und war innerhalb der eigenen vier Wände die treibende Kraft. Sie kümmerte sich um alles – ganz gleich, ob es um Umbauten ging oder technische Arbeiten.

1958 kauften die beiden ihr Wochenend-Haus in Neuhaus. Seither pendelten sie – je nach Wetter – zwischen ihren Wohnsitzen in München und Schliersee hin und her. Kein Problem für die beiden, schließlich ist das Reisen seit jeher ihr großes Hobby. Abgesehen von Südamerika bereisten sie jeden Kontinent, besuchten diverse arabische Länder, Südafrika, Namibia, Thailand, Indonesien und Marokko. Zurück kamen die beiden stets mit Unmengen an Dias. Besonders angetan hatte es den beiden der Lago di Bolsena, ein Vulkansee 100 Kilometer nördlich von Rom, der vom Tourismus noch nicht überlaufen ist. Im vergangenen Jahr war die Insel Ischia im Golf von Neapel das Ziel – zum Regenerieren. „Die schönen Momente haben die weniger schönen Momente bei Weitem überwogen“, resümiert der 90-Jährige.

Sein Sohn Bernd beschreibt den Jubilar als „lustig und den schönen Dingen zugewandt. Er isst gerne gut und umgibt sich gerne mit angenehmen Leuten.“ Vor allem aber zeichne den Opa von sechs Enkelkindern und einer Urenkelin sein Pflichtbewusstsein aus. Nachdem Ritter anlässlich der Gnadenhochzeit den Bürgermeister empfangen hatte, ging’s für ihn gleich wieder zurück nach München. Dort stand ein Treffen des Lions Clubs München-Arabellapark im Terminplan. Und das wollte er als Gründungsmitglied auf keinen Fall verpassen. Auch nicht an seinem Jubiläumstag.

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