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A Wein und a Gaudi: Humor anno 1932 gab es zuhauf beim Dreiakter „Zwei Bauern im ¾-Takt“, mit dem das Schlierseer Bauerntheater nun Premiere feierte.

Premieren-Publikum trotzdem begeistert

Ein bisschen aus der Zeit gefallen: Bauerntheater zeigt Klassiker

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Mit „Zwei Bauern im ¾-Takt“ setzt das Schlierseer Bauerntheater auf einen Klassiker. Der traf den Geschmack des Publikums – wenn er auch etwas aus der Zeit gefallen wirkte.

Schliersee – Max Ferners Dreiakter aus dem Jahre 1932 gehört – anders als beispielsweise „Die drei Dorfheiligen“ – nicht zu den bekanntesten Stücken des Münchner Theater-Schauspielers und Schriftstellers. Es erzählt von den Irrungen und Wirrungen, die die beiden reichen und Vergnügungen suchenden Großbauern Blasius Dullinger (Johannes Wegmann) und Sixtus Dirnberger (Peter Franz) in ihren Familien auslösen.

Weil zum Oktoberfest alle Übernachtungsmöglichkeiten in München belegt sind, bringt Bauer Dullinger sein Gspusi, Verkäuferin Fifi (Sabine Mlynek), mit in seine Kammer zu Hause – in der Annahme, dass seine Frau Magdalena (Carolin Schmid) und seine Tochter Liesl (Johanna Winkler) aushäusig zu Besuch bei der Tante sind. Falsch gedacht. Entsprechend groß ist der Schreck für den vom vielen Alkohol derangierten Bauer, der nun das Flietscherl Fifi verstecken muss. Die hüpft erst in Unterwäsche durch die Stube, landet im Schrank, aus dem die Bäuerin das Geburtstagsgeschenk nehmen will. Das kann sie aber nicht, weil der Schlüssel in der Hosentasche ihres Gattes versteckt ist.

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Auch der zu Hilfe gerufene Schlosser (Georg Attlfellner) kann den Schrank nicht öffnen, weil er angesichts eines Blicks durchs Schlüsselloch glaubt, von nackerten Weibern zu fantasieren, und glaubt, den Verstand verloren zu haben. Der Hauser hat seine liebe Not und verlegt sich auf die Notlüge, dass sein Gspusi eigentlich die außereheliche Tochter seines Spezls Dirnberger sei. Diese Lüge bringt noch mehr Durcheinander und entsprechend Dynamik in das Stück, was die Zuschauer entsprechend begeisterte.

Der Altherrenwitz der Komödie indes erscheint aus heutiger Sicht ein wenig fragwürdig, und einen Gleichstellungsbeauftragten sollte man lieber nicht zur Aufführung mitnehmen. So gut die Schauspieler ihre Rollen auch spielten und mit großer Geste und Mimik auszufüllen verstanden: Das Stück an sich wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Die szenische Wirkung steht im Vordergrund, nicht aber der zu Grunde liegende Ethos. Die handelnden Personen durchleben keine Entwicklung, sondern agieren durchgehend als Typen. Dadurch bleibt das Ganze moralisch indifferent.

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So kam die Inszenierung daher wie eine klassische Commedia dell’arte – nur auf bayerisch. Die war schon immer ein Renner beim Volkstheater, und auch das Publikum in Schlierseer jubelte begeistert. Das Ensemble um Regisseur Girgl Floßmann erntete vier Vorhänge.

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