Vom Büro auf den Berg: Detlef Wildenheim arbeitete im Management – bis Corona ihn den Job kostete. Mit Frau Nadine und der gemeinsamen Tochter machte er seine Berg-Leidenschaft zum Beruf: Die Familie pachtete das Bodenschneidhaus. Seit 1. Juli sind sie alleinige Betreiber.
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Vom Büro auf den Berg: Detlef Wildenheim arbeitete im Management – bis Corona ihn den Job kostete. Mit Frau Nadine und der gemeinsamen Tochter machte er seine Berg-Leidenschaft zum Beruf: Die Familie pachtete das Bodenschneidhaus. Seit 1. Juli sind sie alleinige Betreiber.

Vom Büro auf den Berg

Ein Helles vom Vize-Bürgermeister: Neue Pächter übernehmen Bodenschneidhaus

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Das Bodenschneidhaus hat neue Pächter: Detlef Wildenheim hat das Haus mit Frau Nadine übernommen. Für den Manager und früheren Bürgermeisterkandidaten im Landkreis München ein beruflicher Umstieg. Angestoßen durch seine Liebe für die Schlierseer Berge und Corona.

Schliersee – Auf seiner Werbung für die Kommunalwahl im März 2020 schüttelt Detlef Wildenheim (53) Ministerpräsident Markus Söder lächelnd die Hand. Für die CSU wollte Wildenheim damals in Grasbrunn im Landkreis München das Bürgermeisteramt holen. Der in Bocholt an der niederländischen Grenze geborene Familienvater war damals Vertriebsleiter für Kaminöfen und leitete eine Wohnwagenvermietung. Dass er etwas über ein Jahr später eine Berghütte in Oberbayern betreiben würde, hätte er wohl kaum geglaubt. Doch dann kam Corona.

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Ein Helles vom Vize-Bürgermeister: Neue Pächter übernehmen Bodenschneidhaus

Heute ist Wildenheim Zweiter Bürgermeister von Grasbrunn. Die Kommunalwahl gewann die SPD, sie regiert schon lange in der 7000-Einwohner-Gemeinde. Was Wildenheim von vielen anderen Zweiten Bürgermeistern unterscheidet: Er hat während Corona mit seiner Familie eine Berghütte übernommen. Wer nun im Bodenschneidhaus ein Helles bestellt, tut dies bei ihm, seiner Frau Nadine und der gemeinsamen Tochter.

Die neuen Pächter: Nadine und Detlef Wildenheim.

Die Familie hat den Einstieg nicht trotz, sondern wegen Corona gewagt. Die Pandemie kostete Wildenheim den Job. „Und wenn man 250 Bewerbungen geschrieben hat und Geschäftsführer einem im Bewerbungsgespräch sagen, dass sie einen gerne einstellen würden, es wegen der Pandemie-Unsicherheit aber nicht können, dann muss man sich überlegen, was man machen kann, um seine Familie zu ernähren.“ Da erinnerte sich Wildenheim an seine Leidenschaft für die Berge.

Schon als Kind war er mit den Eltern oft in die Alpen gefahren. Seit ihn 1997 die Arbeit nach München geführt hatte, wanderte er regelmäßig auf die Gipfel im Landkreis. Schliersee, Spitzingsee, von Rotwand bis Bodenschneid. „Das waren meine Hausberge.“ Am Bodenschneidhaus war er 1998 zum ersten Mal.

Wildenheim wollte schon immer eine Berghütte betreiben

Die Idee, einmal eine Hütte zu betreiben, wanderte damals schon mit, blieb aber leise. „Wir haben eine Tochter bekommen, ein Haus gebaut, Karriere gemacht. Da macht man so was eher selten.“ Nun bereitet sich die Tochter auf den Realschulabschluss vor, geht danach aufs Gymnasium. Auch die Karriere ließ Wildenheim Freiheit. Also fragte er sich: „Wo schlägt mein Herz? Welchen Job kann ich mit Leidenschaft machen?“

Als er hörte, dass der Pächter des Bodenschneidhauses zusperrt, lag die Antwort für ihn auf der Hand: Er bewarb sich mit der Familie um die Nachfolge. „Wenn die Familie nicht dahinter stehen würde, wäre es keine Option.“

Die DAV-Sektion Bodenschneid erteilte den Wildenheims den Zuschlag. Seit Oktober bewirtschaften sie das Haus bereits, zunächst in Partnerschaft mit dem alten Betreiber. „Der Start war ganz okay dafür, dass Corona war und wir nur To-go-Angebote hatten.“

Seit 1. Juli kümmert sich die Familie als alleiniger Pächter mit ihrem Team um die 48 Schlafplätze. Montags bis sonntags kochen sie von 9 bis 22 Uhr Kaspressknödel, Gulaschsuppe und Kaiserschmarrn, dazu Wildbratwürste vom Jäger, Chili con Carne und Käsespätzle. Hinzu kommen Sonderangebote wie halbe Hähnchen und Rollbraten. Regional, saisonal und traditionell soll es sein. „Es passt alles“, sagt der Vater. „Wir sind zufrieden.“

Unvorbereitet hat sich die Familie freilich nicht ins Bergabenteuer gestürzt: Wildenheim hat schon auf einer DAV-Hütte gearbeitet, letztes Jahr auf der Oberen Maxlrainer Alm Erfahrung gesammelt. Er wusste, was ihn erwartet. „Durch Corona konnten wir uns in die Rolle langsam reinfuchsen.“

Neben dem Hüttenleben bleibt Wildenheim fest in Grasbrunn verankert. Dort ist er nicht nur Zweiter Bürgermeister, sondern auch CSU-Vorsitzender und führt mit seiner Frau Nadine die Wohnwagenvermietung. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, sagt Detlef Wildenheim. „Es geht eben nur als Familie.“

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