Telekom will da nicht ausbauen

„Eine Katastrophe“: Gäste bleiben weg vom Spitzingsee - weil das Internet zu langsam ist

Schnelles Internet – nichts wünschen sich die Betreiber der Gästehäuser im westlichen Spitzingseegebiet sehnlicher. Doch kein Netzbetreiber will den Breitbandausbau auf eigene Kosten übernehmen.

Spitzingsee„Schnelles Internet kommt heute gleich nach Wasser und Brot“, sagt Jan Flörcken. „Es ist das einzige, was wir von der Gemeinde brauchen, aber das brauchen wir dringend.“ Flörcken ist Leiter des BLSV-Hauses Bergsee und Vorsitzender der Berggemeinschaft Spitzingsee. „Eine Katastrophe“ nennt er die momentane Leistungsfähigkeit des Breitbands in seinem Haus. „Es ist existenziell für uns, dass sich das ändert.“ Denn das BLSV-Haus zählt viele Firmen zu seinen Kunden, die dort Fortbildungen oder Teambuilding-Maßnahmen für ihre Mitarbeiter halten. Auch die Münchner Ludwig-Maximilian-Universität sowie die Technische Universität nutzen das Haus für Seminare mit Doktoranden und Postdoktoranden. „Und alle brauchen ein schnelles Internet“, sagt Flörcken. 

Schon jetzt würden etwa 75 Prozent der Kunden, die sich für einen Aufenthalt interessieren, deshalb nicht buchen, weil das Haus eine zu schlechte Breitbandversorgung hat. Verheimlichen kann er das nicht. „Ich muss ehrlich sein, sonst habe ich hier zurecht unzufriedene Gäste.“ Betroffen seien auch Privatgäste. „Die wollen ja mal ihre E-Mails checken.“ Wenn aber mehrere Gäste das WLAN nutzen, könnten die eigenen Mitarbeiter im Büro zeitweise nicht mehr arbeiten, weil die Kapazität des Netzes nicht reiche.

Jan Flörcken schlägt für denSpitzingsee Alarm.

Dabei bemüht sich die Gemeinde durchaus um eine bessere Breitbandversorgung des Spitzingseegebietes. Ende 2017 wurde der Ausbau in den Bereichen Spitzingsee West, Fischhausen West, Hennerer und Attenberg ausgeschrieben, informierte Gemeinde-Geschäftsführer Jörn Alkofer in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Mit dem Ergebnis, „dass kein Netzbetreiber einen eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau in diesen Ortsbereichen durchführen wird“. Die Betreiber gaben noch nicht einmal Angebote ab.

Schliersee hat deshalb ein Ingenieur-Büro die Kosten schätzen lassen: 1,27 Millionen Euro – abzüglich der Förderung würde der Eigenanteil etwa 254 000 Euro betragen. Vor weiteren Schritten soll aber ein Masterplan abgewartet werden, der derzeit erstellt wird und aufzeigen soll, wie jedes Gebäude der Kommune ans Glasfasernetz angebunden werden kann.

Dass dieser Schritt wichtig ist, das bestätigen auch Markus Votteler, Inhaber der Oberen und Pächter der Unteren Firstalm und Zweiter Vorsitzender der Berggemeinschaft Spitzingsee, sowie Marco Privitera, Hüttenwirt im Blecksteinhaus des DAV. Votteler verschafft seinen Gästen zurzeit schnelles Internet über LTE-Technik, sonst würde keine Firma für eine Tagung oder ein Seminar kommen. „Aber die Kosten stehen in keiner Relation“, sagt er. „Eine Dauerlösung kann das nicht sein.“

Auch Privitera betont, dass die Situation „wirtschaftlich nicht tragbar“ sei. „In der heutigen Zeit geht nichts mehr ohne E-Mails, Instagram und Facebook.“ Jeder wolle doch Fotos vom Urlaub hochladen und verschicken. „Ohne schnelles Internet sehe ich keine Zukunft“, erklärt Privitera, der künftig auch den Feichtner Hof in Finsterwald betreiben wird (wir haben berichtet).

Flörcken hofft, dass die Gemeinde alles daran setzt, das Spitzingseegebiet so bald als möglich ans schnelle Internet anzuschließen. „Es geht um viel touristischen Nutzen“, betont er. Die Zahl der Übernachtungen in den drei größten Gästehäusern dort schätzt er auf mindestens 55 000. „Aber schnelles Internet ist für uns überlebenswichtig.“

Christine Merk

Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

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