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Hier will Sixtus hin: Der neue Firmensitz soll auf der Wiese im Vordergrund und dem brach liegenden Areal dahinter entstehen. Letzteres ist die Gemeinde gewillt, zu einem guten Preis für Gewerbegrundstücke zu verkaufen. Für eine Wohnbebauung ließe sich deutlich mehr erlösen. 

Verkauf beschlossen

Wegen Sixtus: Gemeinde verzichtet auf Geld

Schliersee - Der Gemeinderat Schliersee will unbedingt die Firma Sixtus zurückhaben. Dafür verzichtet er sogar auf viel Geld. Mindestens 240 000 Euro. Eher deutlich mehr.

Schliersee ist nach wie vor Bestandteil des offiziellen Firmennamens: Sixtus Werke Schliersee GmbH heißt das Unternehmen. Bekanntlich gehört es seit 2013 dem Miesbacher Unternehmer Franz Kroha, vergangenes Jahr stieg Fußball-Star Philipp Lahm als Gesellschafter ein. Da war das Firmengelände in Schliersee schon längst abgerissen, Sitz des Unternehmens ist Hausham, und inzwischen stehen an der Urtlbachstraße in Schliersee Wohnhäuser.

Wohnhäuser hatte die Gemeinde auch für das Gelände nördlich der Siedlung der WBG an der Seestraße vorgesehen, auf dem Kroha das neue Sixtus-Domizil errichten will (wir berichteten). Der Bebauungsplan ist rechtskräftig, und 900 000 Euro waren im Haushalt für den Verkauf des gemeindeeigenen Geländes (gut 2800 Quadratmeter) vorgesehen. An die Miesbacher Unternehmer gibt die Gemeinde das Areal deutlich billiger ab. Für 660 000 Euro, wie es zuletzt im Gemeinderat hieß. Der Grundstückspreis in Gewerbegebieten ist nunmal geringer als in Wohngebieten. Für den Umzug der Firma Sixtus zurück nach Schliersee ist der Gemeinderat – jedenfalls die Mehrheit – bereit, sich in Verzicht in nicht unerheblichem Ausmaß zu üben.

Denn die besagten 900 000 Euro sind eher tief angesetzt. Ein Experte sagt gegenüber unserer Zeitung, dass sich für ein bebaubares Wohngrundstück an dieser Stelle ein Quadratmeterpreis von 500 Euro sicher realisieren ließe, direkt an der Bundesstraße etwas weniger. Wenn man dies zugrundelegt, landet man schnell bei über 1,1 Millionen Euro. Der politische Wille, Sixtus zurückzubekommen – und damit Arbeitsplätze und hoffentlich auch Gewerbesteuer-Einnahmen – ist der Mehrheit des Gemeinderats also bis zu 500 000 Euro nicht realisierter Einnahmen wert. Allerdings: Kommt der Deal zustande, hat Schliersee einen für eine Gewerbefläche sehr soliden Preis erzielt. Bei der Umwandlung von Grün- in Gewerbefläche nebenan geht man derweil leer aus.

Der Verkauf geht aber erst über die Bühne, wenn das Areal – hinzu kommen 4000 nördlich angrenzende Quadratmeter – auch baurechtlich ein Gewerbegebiet ist. Hierzu ist eine Herausnahme beider Grundstücke aus dem Landschaftssschutzgebiet Schliersee und Umgebung durch den Kreistag nötig. Der Umweltausschuss wird das Thema in seiner Sitzung am 2. Mai vorberaten. Bekanntlich hat sich im Kreistag eine kritischere Haltung bezüglich des Themas Herausnahmen gebildet. Für ein Vorhaben am Osterberg in Gmund senkte das Gremium den Daumen (wir berichteten). Anders als dort ist der Weg über eine Befreiung seitens des Landratsamts in Schliersee nicht möglich, wie die Behörde mitteilt.

Beachten müssen die Genehmigungsbehörden auch den Gebiets-Charakter. Denn ein Gewerbegebiet neben einem Wohngebiet ist so einfach nicht möglich. Das Landratsamt hat Schliersee empfohlen, ein sogenanntes eingeschränktes Gewerbegebiet auszuweisen. Eines, das das Wohnen nebenan nicht wesentlich beeinträchtigt.

Laut Auskunft der Firma Sixtus ist keine Einschränkung zu erwarten. Es handle sich um ein wirklich stilles Gewerbe, eine Manufaktur, in der die Pflegepräparate hergestellt werden. In drei höheren Baukörpern sowie zwei niedrigeren Verbindungsbauten sollen Schauproduktion, Shop, Bistro sowie Lager- und Verwaltungsflächen untergebracht werden. Die Lage direkt an der Bundesstraße ist natürlich ideal für eine Firma, die auf Aufmerksamkeit aus ist.

Daniel Krehl

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