Obere Maxlrainer Alm im Rotwandgebiet
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Dringender Handlungsbedarf erkennbar: Betonfläche und Pistenraupenhalle (r.) passen nicht in die Bergwelt auf 1500 Metern Höhe. Bei seinem Bestreben, einen „Ort der Ruhe“ zu schaffen, ist der Eigentümer der Oberen Maxlrainer Alm aber noch nicht weiter gekommen. 

Bauausschuss skeptisch

Erweiterung der Maxlrainer Alm: Nur, wenn’s wirklich schön wird

Diese Planung steckt immer noch ziemlich in der Sackgasse fest. Mit seinem Vorhaben, die Obere Maxlrainer Alm im Rotwandgebiet zu sanieren und zu erweitern, stößt Eigentümer Matthias Schmidlin zwar nicht gerade auf taube Ohren, aber überzeugen konnte er den Schlierseer Bauausschuss bisher nicht.

Schliersee – Auch der neuerliche Anlauf von Matthias Schmidlin ist gescheitert. Seit zweieinhalb Jahren ist er Eigentümer der Oberen Maxlrainer Alm, und er hat ein recht desolates Anwesen gekauft. Eine hässliche Pistenraupenhalle, eine nach dem Brand vor einem Jahr noch sanierungsbedürftigere Alm, eine monströse Betonfläche. Mit seinen Bestrebungen, einen „Ort der Ruhe“ zu schaffen, wie er nach dem Kauf sagte und wie er auch heute noch sagt, ist er aber kaum weiter gekommen.

Erschließungsfrage schwierig, Vertrauen im Bauausschuss nicht sehr ausgeprägt

Die Probleme sind vielfältig. Zum einen liegt Schmidlin überkreuz mit den Nachbarn. Da es sich bei der Maxlrainer Alm um ein Inselgrundstück handelt, braucht er diverse Geh- und Fahrtrechte, und irgendwo müssen auch Stellplätze her, selbst wenn zur Alm keine Straße führt. Schmidlin meint, die Probleme im Griff zu haben, verweist auf alte Verträge und neue Gutachten, etwa was die Wasserversorgung betrifft. Doch das Vertrauen des Bauausschusses hat er noch nicht so recht gewonnen, das wurde bei der jüngsten Sitzung deutlich.

Das ist der Plan: Die Obere Maxlrainer Alm soll in Höhe und Länge wachsen. Dem Bauausschuss fehlt derweil ein Gesamtkonzept fürs Areal.

Das Vorhaben ist gegenüber der vorangegangenen Variante deutlich abgespeckt. Ein gänzlich neuer Baukörper ist derzeit nicht vorgesehen, vielmehr soll die bestehende Alm verlängert und um 2,15 Meter aufgestockt werden. Die Dachfläche (Neigung: steile 35 Grad) soll von einer etwa 20 Meter langen Schleppgaube unterbrochen werden. Zudem soll es einen unterirdischen Verbindungsgang zur Pistenraupenhalle und zum Nebengebäude geben, das Zug um Zug saniert werden soll.

Wird die Alm „aggressiv als Eventgastronomie“ vermarktet?

Bei einzelnen Bauausschuss-Mitgliedern herrscht weiterhin ein gewisser Argwohn, auch wenn an der Notwendigkeit einer Sanierung kein Zweifel besteht. Horst Teckhaus (PWG) fehlt vor allem die Betriebsbeschreibung. „Soll es schicki-micki werden oder zünftig? Welche Leute will er anziehen?“ Einen „Ort der Ruhe“ konnte auch Gerhard Waas (Grüne), schärfster Kritiker des Vorhabens, nicht erkennen. Er sprach davon, dass die Alm im Internet „aggressiv als Eventgastronomie“ vermarktet werde. Am Tag nach der Sitzung hat Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) sich bei der Gäste-Info erkundigt – und tatsächlich: „Es gab Beschwerden wegen Partys nachts um zehn.“ Zur Erinnerung: die Maxlrainer Alm liegt mitten in den Bergen auf 1500 Metern. Solche Vorfälle stehen – zumindest noch – im Widerspruch zu Schmidlins Angabe, sich mit seinem Konzept an DAV-Hütten zu orientieren und als Zielgruppe „sport- und bergbegeisterte Familien, Jugendliche und Individualisten“ ansprechen zu wollen. Dies bekräftig der Bauherr auf Anfrage. Er sei dabei, „die Weichen in diese Richtung zu stellen“. Eine „aggressive Werbung, am Berg Partys zu feiern“, wie von Waas vorgeworfen, betreibe er mitnichten.

Grünen-Gemeinderat sieht Almwirtschaft in Gefahr

Was die Erschließung betrifft, so wird diese erst bei der Genehmigung durch das Landratsamt geprüft, wie Schnitzenbaumer im Ausschuss erinnerte. Insofern keine Sache der Gemeinde. Das sieht Waas wiederum ganz anders. „Wir haben eine Gesamtverantwortung“, sagt er. Dazu gehöre auch der Schutz der Almwirtschaft, „eines der höchsten Kulturgüter, die wir haben“. Die sieht er rund um die Maxlrainer Alm in Gefahr, wenn noch mehr Wanderer und Mountainbiker unterwegs sind und übernachten. 17 Zimmer wären in dem erweiterten Bestand untergebracht. Im Nebengebäude gibt es ein Neun-Betten-Lager und ein weiteres Doppel-Zimmer. Seinem Antrag hat Schmidlin eine Erläuterung beigefügt, aber die reichten den Gemeinderäten offenbar nicht. Alles zu unkonkret und mit Unsicherheit behaftet. Letztlich stimmten nur Schnitzenbaumer und Philipp Krogoll (DS) zu.

Forderung: Der „unsägliche Wahnsinnsbunker“ muss weg

Ganz ohne Handreiche wollte der Ausschuss Schmidlin und seinen Architekten Johannes Wegmann aber nicht nach Hause schicken. Ein enormes Anliegen – das wurde deutlich – ist das Thema Pistenraupenhalle, ein „unsäglicher Wahnsinnsbunker“, so Schnitzenbaumer. Letztlich wünschte sich der Ausschuss ein Gesamtkonzept, bei dem dieser Schandfleck zumindest optisch getilgt wird. Auch Wegmann sieht das so. Er spricht von einem „klaren Signal“, und Schmidlin sagt am Tag nach der Sitzung: „Ich bin recht optimistisch.“

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. Daraus wurde bekanntlich nichts. Hier der Bericht zu einem vorangegangenen Termin im Bauausschuss: Bauwunsch in den Bergen: Zarte Zeichen der Annäherung

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