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Klein und zerbrechlich wirkt das winzige Rehkitz. Es wurde zur Aufzucht in eine Auffangstation nach Wackersberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gebracht.

Tierschutzverein warnt eindringlich vor diesem Handeln

Fatale „Rettungsaktion“: Wanderer kümmern sich um winziges Rehkitz

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Der Anblick löste unweigerlich Mitleid aus: Wanderer kümmerten sich am Mittwoch in Schliersee um ein vermeintlich verwaistes Rehkitz. Doch die gut gemeinte Tat hat fatale Folgen. 

Schliersee – Ein Pärchen, das am Mittwoch beim Wandern in Schliersee unterwegs war, entdeckte am Wegesrand in einer Wiese beim Hennerer ein vermeintlich verwaistes Rehkitz und umwickelte es mit Jacken. Erst dann informierte der 34-jährige Mann gegen 20.45 Uhr die Polizei. Die leitete eine Rettungsaktion ein – und stellt klar: „Rehkitze sollten grundsätzlich nicht angefasst werden.“

Um dem gerade einmal 1300 Gramm schweren Tier zu helfen, wurde es laut Polizeiinspektion Miesbach zunächst im Stall bei einem der eingesetzten Beamten untergebracht. Anschließend fuhren die Einsatzkräfte nach Fischbachau und organisierten einen Liter Ziegenmilch vom Leitzacher Ziegenhof der Familie Haase, um die Erstversorgung des neugeborenen Kitz’ sicher zu stellen.

Einen ähnlichen Vorfall gab es im Mai 2019 in Rottach-Egern

Unterdessen stellten die Kollegen der Inspektion den Kontakt zu einer Frau aus Wackersberg her, die sich um verwaiste Kitze kümmert und entsprechend ausgestattet ist. Zudem wurde Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein Tegernseer Tal eingeschaltet. „Das Rehkitz, frisch mit 38 Grad warmer Ziegenmilch gestärkt, wurde um 23 Uhr am Bahnhof in Gmund an Frau Ecker-Schotte übergeben, die sich bereit erklärte, den Transport nach Wackersberg zu übernehmen“, heißt es im Polizeibericht. Man hoffe nun, dass das Tier überlebe und später wieder ausgewildert werden könne.

Das wünscht sich auch Johanna Ecker-Schotte, die den Vorfall zum Anlass nimmt, um ausdrücklich vor derartigen „Rettungsaktionen“ zu warnen. Das Kitz aus Schliersee, vermutlich ein kleiner Rehbock, sei gerade einmal einen Tag alt – sogar die Nabelschnur sei noch feucht gewesen.

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„Bei den Menschen setzt da automatisch der ,Bambi-Effekt‘ ein“, weiß die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Doch eine Berührung des Tierbabys hat schwerwiegende Folgen: Die Mutter nimmt das Kitz nicht mehr an. „Die Rehgeiß war vermutlich in der Nähe und hat das Ganze mit Schrecken beobachtet“, erklärt Ecker-Schotte. Ihr habe man nun das Junge entrissen.

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Sollten Spaziergänger ein Rehkitz entdecken und das Gefühl haben, hier stimme etwas nicht, sollten sie sich die Stelle merken und die Polizei informieren. Diese würde sich dann mit dem zuständigen Jäger in Verbindung setzen, der sich ein Bild von der Lage machen könne, sagt Ecker-Schotte. Die Tierschützerin aus Rottach-Egern hat noch eine weitere Bitte an alle Ausflügler: „Bitte nicht durch die Wiesen laufen, sondern auf den Wegen bleiben!“ Die Wildtiere durchlebten momentan eine schwierige, sensible Zeit.

gab

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