Amtsgericht verhängt Geldstrafe 

Faustschlag und Fußtritte in Seefest-Nacht: Haushamer verurteilt

Stark alkoholisiert und anscheinend auf Krawall gebürstet: So gerieten beim Schlierseer Seefest zwei Männer aneinander. Ein Haushamer ist deshalb nun verurteilt worden.

Schliersee„Immer wieder das Schlierseer Seefest“, sagte Richter Walter Leitner kopfschüttelnd am Ende einer Verhandlung am Amtsgericht Miesbach. Angeklagt war ein 42-jähriger Haushamer. Der hatte einem Schlierseer (44) im Juli 2019 in der Seefest-Nacht einen Faustschlag sowie zwei Fußtritte ins Gesicht verpasst. Er muss nun tief in die Tasche greifen.

Vorausgegangen war dem Vorfall eine Provokation durch den Schlierseer, die der Angeklagte nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Wir saßen auf einer Parkbank und haben auf den Zug gewartet“, erinnerte sich der Haushamer, der in Begleitung von drei Männern und einer Frau war. „Dann kam er mit seinem Rad an und zeigte uns den Stinkefinger“, sagte der 42-Jährige über den Schlierseer aus. Daraufhin habe er „Verpiss Dich“ in Richtung des 44-Jährigen gerufen. Als dieser mit einer derben Beleidigung antwortete, sah der Angeklagte rot: „Mit der linken Faust habe ich ihm eine mitgegeben“, gestand der Haushamer. Durch den wuchtigen Schlag sei der Schlierseer samt seinem Rad zu Boden gegangen. „Ich war wutentbrannt“, räumte der Beschuldigte ein. Anschließende Fußtritte auf den am Boden Liegenden gab er allerdings nur indirekt zu: „Ich habe einmal in die Erde getreten, um ihn einzuschüchtern. Beim zweiten Mal kann es sein, dass ich ihn mit meinem Schuh im Gesicht getroffen habe.“

Schlierseer fehlt die Erinnerung - dafür hat er einen abgebrochenen Zahn

Die Verletzungen des Schlierseers aus der Tatnacht waren erheblich: Zahnfraktur, Schädelprellung, Schulterverletzung. Durch die Aussage des Opfers erhoffte sich das Gericht eine detailliertere Schilderung des Vorfalls, doch das Gegenteil war der Fall. „Ich habe keine Erinnerung mehr daran“, sagte der Schlierseer. Nicht mal an das Gesicht des Täters könne er sich erinnern. Seine Erklärung: „Ich hatte zu viel getrunken.“ Was er noch wusste, war, „dass mein Schneidezahn abgebrochen ist und ich vier Wochen lang Schmerzen an der Schulter hatte“.

In Sachen Aufklärung musste also nachgeholfen werden. Zwei Zeuginnen, eine Fischbachauerin (17) und eine 54-Jährige aus Weyarn, hatten das Geschehen beobachtet. Beide sagten nahezu identisch aus. „Ich habe mindestens zwei Fußtritte in Richtung Gesicht gesehen“, erinnerte sich die Jüngere. Die 54-Jährige bestätigte ebenfalls „zwei Tritte in den oberen Bereich des Körpers“.

Mit reichlich Alkohol intus in die „Provokationslage“

Nun war die Sache für die Staatsanwaltschaft klar: „Sie haben auf den Mann eingetreten, das konnten die Zeuginnen glaubhaft bestätigen.“ Dennoch ging der Staatsanwalt wegen der „Provokationslage“ sowie der Alkoholisierung beider Parteien und der Vereinbarung über einen Täter-Opfer-Ausgleich in Form einer Schmerzensgeldzahlung von mehr als 10 000 Euro von einem minderschweren Fall aus. Die fünf Vorstrafen des Haushamers waren dem Staatsanwalt zwar ein Dorn im Auge - „aber die sind uralt, und es sind keine Gewaltdelikte dabei“, entgegnete der Angeklagte.

Der Staatsanwalt plädierte für eine Geldstrafe: 150 Tagessätze à 40 Euro. Verteidiger Arnfried Färber bat um „größtmögliche Milde“. Dass Schlag und Tritte stattgefunden haben, stand aber auch für den Rechtsanwalt außer Frage. „Mein Mandant ist aber kein Schläger“, betonte Färber. Er plädierte auf „Absehen von einer weiteren Strafe“, da der Haushamer aufgrund des Schmerzensgeldes genug zahlen würde.

Darauf ließ sich der Richter aber nicht ein. 150 Tagessätze zu je 35 Euro wegen gefährlicher Körperverletzung in minderschwerem Fall – so lautete Leitners Urteil. „Das Ganze war so unnötig wie ein Kropf“, erklärte Leitner. „Dass Sie nur in die Erde treten wollten, ist vollkommener Humbug.“ Zutreten mit einem „beschuhten Fuß“ sei eben eine gefährliche Körperverletzung, klärte der Richter auf. Abschließend sagte Leitner zu dem 42-Jährigen: „Sie sind da wirklich mit enormer Rohheit vorgegangen und haben eine Hemmschwelle überwunden, die nicht viele überwinden würden.“

Novum im Landkreis: Schliersee will Sicherheitswacht einführen

hph

Rubriklistenbild: © Andreas Leder

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Deutlicher Rückgang der Infizierten - Wohl nur kurze Verschnaufpause
Der Landkreis Miesbach steht wegen des Coronavirus weitgehend still. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Deutlicher Rückgang der Infizierten - Wohl nur kurze Verschnaufpause
Rezepte für die Corona-Zeit: Bäuerinnen kochen und backen mit Kindern
Die Ortsbäuerinnen präsentieren: Rezepte, die Sie während Corona zuhause mit den Kindern kochen können. Heute: Marlene Hupfauer macht Pizzaboden ohne Hefe.
Rezepte für die Corona-Zeit: Bäuerinnen kochen und backen mit Kindern
Seniorenheime im Landkreis Miesbach: Sorgen vor erster Infektion
Die Seniorenheime im Landkreis Miesbach haben die Lage trotz Corona unter Kontrolle. Schon ein einziger positiver Test könnte das aber ändern.
Seniorenheime im Landkreis Miesbach: Sorgen vor erster Infektion
Miesbacher wird für CSU Bürgermeister in Haar – Er beendet 40 Jahre SPD-Ära
Andreas Bukowski hat das „Wunder von Haar“ vollbracht. Der 41-jährige Miesbacher hat nach 40 Jahren SPD-Regierung das Bürgermeisteramt für die CSU erobert – obwohl er …
Miesbacher wird für CSU Bürgermeister in Haar – Er beendet 40 Jahre SPD-Ära

Kommentare