Ein Waldarbeiter pflanzt einen Baum. 60 000 waren es zuletzt im Bereich des Forstbetriebs Schliersee.
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Ein Waldarbeiter pflanzt einen Baum. 60 000 waren es zuletzt im Bereich des Forstbetriebs Schliersee.

Wald-Umbau

Forstbetrieb Schliersee macht Wald fit für Klimawandel

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Schliersee – Der Forstbetrieb Schliersee macht den Wald fit für den Klimawandel. Bis 2030 sollen empfindliche Nadelbäume um widerstandsfähige Laubbäume und Tannen ergänzt werden.

Fehlende Niederschläge, heiße Sommer und der Borkenkäfer haben den bayerischen Wäldern in den vergangenen Jahren massiv zugesetzt. Der Forstbetrieb Schliersee ist dank seiner Gebirgslage mit mehr Regen und kühleren Temperaturen bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen, wie Forstbetriebsleiter Jörg Meyer erklärt. Aber auch hier häufen sich Schäden durch den Klimawandel.

Deshalb soll der Wald bis 2030 klimafit umgebaut sein – zwei Jahre früher als ursprünglich geplant.

„Unsere Waldarbeiter pflanzen viele junge Bäume. Tannen, Lärchen, Buchen, Eichen und Douglasien sollen zu einem gemischten Klimawald heranwachsen. Denn ein Mischwald ist viel widerstandsfähiger als ein reiner Fichtenhorst“, erklärt Meyer. Mindestens vier verschiedene Baumarten sollen auf einer Fläche wachsen.

Fast 60 000 junge Bäume ließ der Forstbetrieb in den vergangenen sechs Monaten pflanzen. Darunter mehr als 6 000 Pflänzchen, die als sogenannte Klimawaldkulturen zusätzlich zum planmäßigen Waldumbau des Forstbetriebs eingesetzt wurden. Das ermöglichte das bayernweite Klimawald-Paket, das Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michael Kaniber (CSU) geschnürt hatten mit dem Ziel, den Waldumbau zu beschleunigen.

Entscheidend für den Erfolg des Waldumbaus ist die Wahl der richtigen Baumarten. Sie sollen höheren Temperaturen, Trockenheit und verstärkt auftretenden Schädlingen standhalten. Laut Meyer werden Fichten und Kiefern langfristig deutlich weniger Anteile haben als heute. Dagegen setzt der Forstbetrieb neben bewährten Baumarten wie Tanne, Buche, Lärche und Douglasie auch auf bislang seltene Arten wie Elsbeere, Flatterulme, Schwarzpappel, Esskastanie, Kirsche, Eibe, Feldahorn und Linde. Allerdings nur in den tieferen Lagen des Forstbetriebs. Im Bergwald setzen die Verantwortlichen weiter auf die natürliche Waldzusammensetzung mit Fichte, Tanne, Buche und Bergahorn. Vor allem die Tanne hält Meyer für vielversprechend: Ihre ausgeprägte Pfahlwurzel erreiche auch tiefergelegene Wasservorräte und gebe ihr Stabilität auch bei starkem Wind. Damit junge Tannen gut wachsen, sei die Jagd wichtig. Schließlich tut sich Wild bevorzugt an ihnen gütlich.

Vorsichtig sind die Bayerischen Staatsforsten, zu denen der Schlierseer Betrieb gehört beim Pflanzen von Arten aus warm-trockenen Klimazonen. Sie müssten zunächst in wissenschaftlich begleiteten Anbauversuchen getestet werden. „Es dauert zehn bis 20 Jahre, bis wir entscheiden können, ob und wo neue Baumarten wie Atlaszeder, Libanonzeder oder Baumhasel in nennenswerter Stückzahl ausgebracht werden können“, sagt Meyer, der für 34 000 Hektar Wald in zehn Revieren verantwortlich ist.

Aufgrund des bislang kühlen Frühjahrs macht sich Forstbetriebsleiter Meyer Hoffnung, dass sich der Borkenkäfer gebremster entwickelt. Die Suche nach befallenen Fichten und ein schnelles Fällen soll den Schädling in Schach halten.  

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