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Jasmin Lauber (26) ist Kapitänin auf dem Schliersee.  

Serie: Frauen in ehemaligen Männerberufen

Warum eine Friseurin heute Kapitänin am Schliersee ist

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Ein Schiff voller Touristen tuckert über den Schliersee – hinter dem Steuer steht Jasmin Lauber. Die 26-Jährige ist seit sieben Jahren Kapitänin. Im Porträt erzählt sie, wie sie zu ihrem Traumberuf kam.

Schliersee – Jasmin Lauber zieht an der Schnur und klingelt. Das Gebimmel ist so laut, dass es keiner in der Nähe überhören kann. Für die Leute am Steg bedeutet das: einsteigen oder Abstand halten. Als niemand mehr Anstalten macht, das Schiff zu besteigen, verschließt Lauber die Ketten am Steg und löst den Knoten des Seils, das um einen Holzpflock geschlungen ist. Dann steigt sie ein, drückt den Gashebel und nimmt das Steuer in die Hand. Los geht die Fahrt über den Schliersee.

Lauber hat weder einen Bart, noch ein wettergegerbtes Gesicht und raucht auch keine Pfeife. Lauber (26) ist blond, hat die Augen mit braunem Lidschatten geschminkt und die Nägel in Glitzerfarbe lackiert. „Da reden mich ganz viele an“, sagt sie und lacht. „Viele fragen, wo der Kapitän bleibt.“ Der steht aber schon am Steuer. Nur eben anders als erwartet. Lauber ist seit sieben Jahren Kapitänin auf dem Schliersee.

Eigentlich war sie es schon ihr ganzes Leben lang. Als Kind saß sie vorn bei Papa auf einem Stuhl und hat genau beobachtet, was er da macht. „Ich bin am See aufgewachsen.“

Kraft hat Jasmin Lauber durch den großen Bruder

Ihren Eltern gehörte die Schifffahrt, nun leitet Lauber sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder. Sie ist stolz darauf. Auf dem See ist Lauber in ihrem Element. „Ich bin als Sternzeichen Fisch“, sagt sie. „Wasser zieht mich an.“

Mit 19 Jahren übernahm die gelernte Friseurin zum ersten Mal die Kontrolle über das Steuer. Sie nahm bei einem erfahrenen Kapitän ihre Fahrstunden, manchmal auch beim Bruder. „Wenn du dann allein fährst, ist es aber schon noch mal was anderes.“ Zugetraut hat sich Lauber das immer. Auch wenn man bei starkem Wind einiges an Kraft aufwenden muss, um das Schiff auf Kurs zu halten. „Ich bin mit einem großen Bruder aufgewachsen.“ Lauber lacht. Das genügt für sie als Erklärung, woher sie die Kraft nimmt.

Wenn Gruppen auf das Schiff steigen – insgesamt haben 120 Personen Platz – erzählt Lauber ein bisschen was zum Schiff und der Gegend. Dass das Schiff etwa 20 Meter lang ist, 1993 in Holland gebaut wurde und dass der Schliersee gute 50 Kilometer von München entfernt ist. „Damit können die Leute was anfangen“, sagt Lauber. Sie wirft einen Blick aufs Wasser, das im Sonnenlicht funkelt. Kein Angler, kein Schwimmer in Sicht. Sonst hätte sie eben noch mal geklingelt.

Wie Lauber früher bei ihrem Papa sitzen oft Kinder neben ihr auf dem Stuhl und wollen mal das Steuer halten. „Die Eltern können dann die Schifffahrt genießen.“ Selbst denkt die 26-Jährige momentan noch nicht an Nachwuchs. Bei der Schifffahrt ist sie zeitlich extrem eingespannt – auch im Winter. Da gilt es das Schiff und die 40 kleineren Boote herzurichten. Und bei gutem Wetter im Sommer ist Lauber teilweise sieben Tage die Woche, von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts im Einsatz.

Nicht nur Familien – auch Prominente lenkt Lauber über den See. Ihr Bruder hatte schon Til Schweiger an Bord, sie selbst hat die Crew der Fernsehserie „Sturm der Liebe“ zum Dreh auf die Insel gefahren.

Fahrten allein sind für die Kapitänin pure Entspannung

Meist sind es aber Urlauber, die auf dem Schiff Platz nehmen. „In den vergangenen Jahren ist mir aufgefallen, dass extrem viele Araber darunter sind.“ Einige von ihnen kämen jedes Jahr wieder – wegen des Traumpanoramas. „Stimmt ja auch“, sagt Lauber. Sie liebt den Schliersee. Die Fahrten, bei denen sie die einzige Passagierin ist, sind für sie pure Entspannung.

Als sich das Schiff dem Steg nähert, klingelt es wieder. Neue Passagiere warten schon am Ufer. Ein Mädchen winkt. „Heute geht der Wind vom Steg weg“, sagt Lauber, während sie den Rückwärtsgang einlegt. „Da muss ich schnell sein.“ Sie springt auf den Steg, wickelt das Seil um den Holzpfosten und zieht das Schiff näher ran. Das Seil knotet Lauber fest und öffnet die Ketten am Steg. Dann bittet die Kapitänin zur nächsten Fahrt über den See.

Zu unserer Serie: Wir stellen Frauen vor, die in Berufen arbeiten, die als Männerdomäne gelten. In den Porträts erzählen sie, warum sie sich gerade für den Job entschieden haben und ob die Geschlechterfrage dabei überhaupt eine Rolle spielt.

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