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Sorgt für Diskussion: Auf dem 1500 Quadratmeter großen Grundstück (in Rot) südlich der Fischhauser Straße soll ein Gästehaus entstehen. Dafür muss der bestehende Bebauungsplan (in Gelb) angepasst werden.

Gästehaus in Fischhausen spaltet die Gemüter

Gemeinderäte üben Kritik an Scheibchentaktik

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Schliersee - Zum Zuhören gezwungen war Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer, als der Schlierseer Gemeinderat über den Plan für ein Gästehaus in Fischhausen diskutierte. Der Antrag kam aus seinem Umfeld.

Es braucht schon einen triftigen Grund, damit ein Bürgermeister die Sitzungsleitung im Gemeinderat abgibt. Und gleich zwei, wenn auch sein Stellvertreter nicht einspringen kann. Genau das ist jetzt im Schlierseer Rathaus passiert – zumindest bei einem Tagesordnungspunkt: der Billigung des Entwurfs für eine Änderung im Flächennutzungs- und Bebauungsplan in Fischhausen. Klingt an sich unspektakulär. Den Unterschied macht der der Antragssteller: Dieser stammt aus dem direkten privaten Umfeld von Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. Damit war der Schlierseer Rathauschef von Debatte und Abstimmung ausgeschlossen. Weil die Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle (CSU) erkrankt war, ernannte Schnitzenbaumer den Gemeinderat Robert Mödl (Die Schlierseer) zum Sitzungsleiter. Er selbst rückte demonstrativ ein Stück vom Ratstisch zurück – und hörte zu.

Was er zu hören bekam, war eine durchaus lebhafte Debatte. Wie berichtet, will der Antragsteller auf einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück südlich der Fischhauser Straße ein Gästehaus mit neun Zimmern plus Bad und einer Betriebsleiterwohnung errichten. Weil das Gebiet momentan als landwirtschaftliche Fläche gilt, hatte der Gemeinderat im September eine Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan beschlossen – wenn auch mit 13:7 Stimmen. Begründung: Das Grundstück könne wegen der beabsichtigten touristischen Nutzung dem nördlich angrenzenden Bebauungsplan Fischhauser Straße mit Sondergebiet Fremdenverkehr zugeschlagen werden.

Jetzt hat der beauftragte Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München einen Entwurf vorgelegt. Dieser sieht neben den Baufenstern für Gästehaus, Garage, Stellplätze und Zufahrt auch eine 750 Quadratmeter große Ausgleichsfläche vor. Dies deshalb, weil das Grundstück im Landschaftsschutzgebiet liegt. „Der Bauwerber kann die Auflagen des Naturschutzes durch die Pflanzung von Laub- oder Obstbäumen im Südwesten seines Grundstücks erfüllen“, erklärte Architektin Anna-Maria Martin. Der Haken: In die Berechnung der Ausgleichsfläche fließt auch ein Grünstreifen an der Straßenseite ein. Weil dieser weder dem Grundstückseigner noch der Gemeinde gehört, entzündete sich am Ratstisch eine Diskussion.

„Was machen wir, wenn wir da mal einen Gehweg brauchen?“, fragte Gerhard Weitl (SPD). Auf dem bestehenden Weg am Seeufer würden sich schon jetzt Fußgänger und Radfahrer nicht wirklich vertragen. Auch Max Leitner (Die Schlierseer) störte sich an der nur einspurigen Fischhauser Straße. „Da fahren landwirtschaftliche Fahrzeuge durch“, sagte er. Also wäre es doch sinnvoll, wenn die Gemeinde den Grünstreifen kaufe, schlug sein Fraktionskollege Florian Guggenbichler vor. Eine verlockende Idee, allerdings nicht für den Bauwerber. Denn dieser, so Martin, müsse dann eine größere Ausgleichsfläche nachweisen. Alles Zukunftsmusik, stellte Bauamtsleiterin Birgit Kienast klar. Noch wisse man ja gar nicht, ob der Eigentümer den Grünstreifen überhaupt verkaufen will. Deshalb schlug sie vor, den Gehweg lediglich als Ziel zu formulieren. „Ob wir ihn realisieren können, wissen wir nicht.“

Ebensowenig steht fest, wie es mit Fischhausen insgesamt weitergeht. Das bereitete vor allem Michael Dürr (PWG) Kopfzerbrechen. Er fürchtet durch eine Genehmigung des Gästehauses einen „Rattenschwanz“ an weiteren Bauanträgen in diesem Gebiet. „Sollten wir das nicht gleich alles sauber regeln?“, fragte Dürr. Dafür sprach sich auch Gerhard Waas (Grüne) aus. Er machte sich für eine Überplanung des gesamten touristisch interessanten Areals südlich der Fischhauser Straße stark: „Jetzt ist es lediglich ein Privileg, und von so einer Scheibchentaktik halte ich nichts.“

Mödl sah das anders. Solange kein konkreter Bauwille da sei, brauche man sich darüber auch keine Gedanken machen. Spürbar erleichtert verkündete der Interims-Sitzungsleiter dann das Abstimmungsergebnis. Mit 12:7 schickten die Gemeinderäte den Plan ins weitere Verfahren. „Ich danke Euch“, sagte Mödl und atmete tief durch. „Und ich bin froh, den Vorsitz wieder abzugeben.“

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