Gebietsbetreuer Florian Bossert beim Aufstellen der Schilder.
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Für ein gutes Miteinander im Einsatz: Gebietsbetreuer Florian Bossert beim Aufstellen der Schilder.

Gefahr für bedrohte Tierarten

Unbekannte manipulieren Hinweisschilder und locken Wanderer in Schutzgebiete - „Das ist kein Streich“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Unbekannte beschädigten, entwendeten oder manipulierten Hinweisschilder für Wildtier-Schutzzonen. Das hat jetzt sogar die Forstministerin auf den Plan gerufen.

  • Der Vandalismus an den Hinweisschildern für Wintersportler in den Bergen schockiert den Gebietsbetreuer.
  • Die Täter manipulierten die Tafeln so, dass sie Unwissende ins Schongebiet führen.
  • Jetzt hat sich auch die Forstministerin Michaela Kaniber zu den Vorfällen geäußert. (Update vom 13. Februar)

Update vom 13. Februar: Nachdem es in der vergangenen Woche immer wieder zu Beschädigungen und Diebstählen von Warnschildern im Landkreis Miesbach gekommen war, hat sich jetzt auch Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) in die Angelegenheit eingeschaltet. „Da kann man nur den Kopf schütteln. Das ist nicht lustig, das ist kein Streich. Es geht nicht um den bloßen Sachschaden“, kommentierte die Ministerin. Es wurden auch immer wieder Schilder so gedreht, dass Wanderer mit Absicht in Wildtier-Schutzzonen geleitet wurden.

Wanderer und Wintersportler, die so ungewollt auf einen falschen Pfad gelockt worden sind, schreckten Wildtiere auf, warnte die Ministerin. „Für die Tiere kann das fatale Folgen haben: Sie haben im Winter ihren Stoffwechsel umgestellt und sind deshalb existenziell auf Ruhe angewiesen.“ Die Attacken seien auch ein Schlag gegen die Initiativen zum naturverträglichen Sport vor Ort.

An Wintersportler appellierte Kaniber: „Bleibt auf den markierten Wegen, Routen und Pisten. Vermeidet in der Natur unnötigen Lärm und Lichtquellen, wie zum Beispiel Stirnlampen.“ Und: „Nehmt Rücksicht auf unsere Natur, damit sie uns so wundervoll erhalten bleibt wie sie ist.“ Besonders bedroht ist dabei das Birkhuhn. Wenn es aufgeschreckt wird, verbraucht es sehr viel Energie und kann an der Anstrengung sterben. Insgesamt wurden 14 Schilder entwendet oder manipuliert.

Miesbach: Vandalismus an Schutzgebiet-Warnschildern

(Erstmeldung vom 10. Februar) Schlierach-/Leitzachtal – Dass Wintersportler trotz entsprechender Beschilderung ins Schongebiet marschieren, gehört für Florian Bossert zum Alltag als Gebietsbetreuer Mangfallgebirge dazu. Für gewöhnlich handelt es sich dabei um einige wenige, die entweder die Hinweistafeln nicht gesehen haben oder sie bewusst ignorieren. Als aber jüngst ganze Gruppen in die verschneiten Rückzugsgebiete für Wild und Wald spazierten, wusste Bossert, dass hier etwas nicht stimmt. Also überprüfte er die erst vor wenigen Wochen aufgestellten Schilder. Was er sah, schockierte ihn zutiefst: Jemand hatte die Tafeln so umgedreht, dass die Pfeile ins Schongebiet hinein zeigten. Die Konsequenz: Die, die sich eigentlich richtig verhalten wollten, machten unwissentlich genau das Gegenteil.

Miesbach: Beschädigungen an Schutztafeln - Unbekannte hatten wohl Werkzeug dabei

Wie berichtet, geht es dabei nicht um einen bösen Streich. Vielmehr haben sich Unbekannte gleich in mehreren Bergbereichen im gesamten Schlierach-/Leitzachtal an den vom Gebietsbetreuer und seinem Team erst von Mitte Dezember bis Mitte Januar aufgestellten Schilder zu schaffen gemacht. Manche wurden geklaut, manche umgetreten, andere wie beschrieben manipuliert. Die Polizei Miesbach, die Ermittlungen mit Zeugenaufruf gestartet hat, geht von einem Sachschaden von mehreren Hundert Euro aus.

Der materielle Schaden ist das eine. Für Bossert noch schwerer wiegt der mutmaßliche Hintergrund der Taten. So spricht derzeit vieles dafür, dass uneinsichtige Zeitgenossen damit ein Zeichen gegen die Bemühungen für naturverträglichen Sport am Berg setzen wollten. „Die Schilder waren massiv verschraubt“, betont Bossert. Die Täter müssten also Werkzeug dabei gehabt haben. „Die waren vorbereitet“, ist der Gebietsbetreuer überzeugt. Teilweise seien die Tafeln sogar mit Beißzangen rausgeschnitten worden. Als „äußerst besorgniserregend und wahnsinnig frustrierend“ bezeichnet Bossert den Vandalismus.

Miesbach: Immer wieder Konflikte zwischen Sportlern und Naturschützern

Wie berichtet, ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Konflikten zwischen Sportlern auf der einen und Naturschützern, Almbauern, Förstern oder Jägern auf der anderen Seite gekommen. Auch Bossert selbst musste dafür bereits den Kopf hinhalten. Als er einen Mountainbiker im Juli 2020 auf das Fahrverbot an der Rotwand ansprach, schlug dieser zu.

Mittlerweile weiß der Gebietsbetreuer immerhin, „dass das nichts mit meiner Person zu tun hat“. Auch die Ranger, die ihn an besucherstarken Wochenenden in der Natur unterstützen, müssten sich das eine oder andere böse Wort oder eine abfällige Geste gefallen lassen. Zu weiteren Eskalationen sei es aber zuletzt nicht mehr gekommen, betont Bossert. „Den angeblichen Corona-Frust haben wir nicht gespürt.“ Überhaupt würden sich mehr als 90 Prozent aller Sportler freundlich und einsichtig verhalten und die geltenden Regeln beachten. Dass sie von einigen Wenigen unwissentlich zur Missachtung der Schongebiete instrumentalisiert werden, sei jedoch eine neue Dimension, meint Bossert.

Wie man dem Einhalt gebieten kann, weiß der Gebietsbetreuer nicht. „Wir sind ziemlich ratlos.“ Fest stehe aber, dass die Hinweisschilder wieder aufgestellt werden. Diesmal sogar mit verschiedenen Schraubentypen und Klemmschellen. Die Täter sollten wissen, dass sie damit nicht durchkommen. Letztlich, ist Bossert überzeugt, müsse man weiter an die Einsicht und gegenseitige Wachsamkeit der Sportler glauben. „Wir können nicht jede Woche jedes einzelne Schild kontrollieren.“

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