Bauernhof, Unterleiten, Schliersee
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(K)ein Platz für Ferienhäuser? Das ist die Streuobstwiese vor dem Hof in Unterleiten in Schliersee. Der Landwirt will sie erhalten und sein Bauprojekt lieber auf der anderen Hofseite verwirklichen. Daran jedoch störten sich die Gemeinderäte von Grünen und PWG. 

Der Landwirt selbst hat eine klare Meinung

Obstgarten oder Hang? Gemeinderat Schliersee debattiert über Standort von Ferienhäusern

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Im Obstgarten oder am Hang? Der geplante Standort von drei Ferienhäusern eines Bauernhofs in Schliersee hat für eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat gesorgt.

Schliersee – Auf der einen Seite gut gewachsene Obstbäume mit alten Sorten, auf der anderen saftig grüne Wiesen – selbstverständlich im Landschaftsschutzgebiet. Ein schönes Fleckerl, um Urlaub zu machen. Das weiß auch der Landwirt, dem der schmucke Hof in Unterleiten gehört. Doch genau in dieser traumhaften Lage wurzelt ein Problem: Wo genau sollen die Gäste eigentlich wohnen? Eine Frage, über die nun der Schlierseer Gemeinderat kontrovers diskutiert hat.

Der Landwirt hatte seinen Wunsch bereits im Herbst vergangenen Jahres artikuliert: mit einem Antrag auf drei Ferienhäuschen südöstlich seines Hofs (wir berichteten). Der Bauausschuss stimmte zwar für die wegen der Lage im Außenbereich notwendige Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellung eines Bebauungsplans, regte jedoch an, die Häuser westlich des Bauernhauses zu positionieren. Da aber machte der Landwirt nicht mit, berichtete Bauamtsleiterin Birgit Kienast – aus betrieblichen Gründen. „Er braucht die Streuobstwiese für die Landwirtschaft“, erklärte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Obendrein müsste er sonst den Misthaufen auf die andere Hofseite versetzen.

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Für Babette Wehrmann (Grüne) kein Hinderungsgrund. „Da sollte man schon noch mal nachverhandeln“, sagte sie in Richtung der Gemeindeverwaltung. Rückendeckung erhielt Wehrmann von Horst Teckhaus (PWG), der ebenfalls nicht einsehen wollte, warum Ferienhäuser nicht neben einen Misthaufen passen würden. „Wer Urlaub auf dem Bauernhof macht, will die landwirtschaftliche Kultur erleben“, sagte Teckhaus.

Schnitzenbaumer sah das anders. „Ein Landwirt muss da bauen, wo es für die Abläufe auf seinem Betrieb am besten passt.“ Dies bedeute auch, Platz für eventuell später notwendige Erweiterungen freizuhalten, wie Philipp Krogoll (Die Schlierseer) anfügte. „Einen Laufstall könnte er nur im Westen bauen.“ Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Vorhaben hielt Leonhard Markhauser (CSU), der selbst eine Landwirtschaft betreibt. „Ich würde mir eine betriebliche Erweiterungsmöglichkeit nie verbauen lassen“, machte Markhauser klar. Die Ferienhäuser hingegen müssten da stehen, wo sie auch gut vermietet werden können. Nur so könnte sich der aktuell im Nebenerwerb tätige Bauwerber das für den Erhalt des Hofs so wichtige zweite Standbein aufbauen. Astrid Leitner hingegen erinnerte an den Wunsch vieler Verbraucher nach kleinbäuerlich erzeugten Produkten. „Ohne Tourismus können diese Höfe aber nicht mehr überleben“, sagte Leitner.

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Die Gemeinderäte stimmten am Ende mit 14:5 Stimmen für die Aufstellung des Bebauungsplans und die Ausweisung eines Sondergebietes Fremdenverkehr. Die genaue Positionierung der drei Ferienhäuser sei Gegenstand der Entwurfsplanung und somit noch nicht festgelegt, beschwichtigte Schnitzenbaumer die Kritiker von Grünen und PWG, die ihr Einvernehmen verweigert hatten. Sehr zum Unverständnis von Jürgen Höltschl (CSU): „Wie kann man als Grüner wollen, das 80 Jahre alte Obstbäume rausgerissen werden?“ 

sg

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