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Volles Zelt bei Gerhard Polts Auftritt am Schlierseer Waldfest.

Ein Blick auf den Wahnsinn der heutigen Zeit

Gerhard Polt am Waldfest Schliersee: Heimspiel für den Lokalmatador

Vor heimischem Publikum begeistern Gerhard Polt und die Well Brüder in Schliersee vor allem mit ihrer bairischen Sprache. Ein Blick auf den Wahnsinn der heutigen Zeit – durch die Augen des Lokalmatadors.

Schliersee– Es war ein Heimspiel. Sogar mehr als das. Als Gerhard Polt und die Well Brüder am Donnerstagabend das Jubiläums-Waldfest des Schlierseer Skiclubs eröffneten, hatte es ungeachtet der Dimensionen im ausverkauften Bierzelt doch etwas von Wohnzimmer-Atmosphäre. Der spitzzüngige und fein pointierende Lokalmatador feuerte vor dem Hintergrund-Bild der Skiclubhütte seine Dialoge ab: Er gab den Großvater, die grantelnde Alte mit Fistelstimme und den indischen Pfarrer, der die einzige Gottesdienstbesucherin auf Weihnachten vertröstet, weil sich erst dann eine Messe lohnt.

Drei Stunden sollte das Publikum den vier Männern an den Lippen hängen, ehe alle miteinander den Zugaben-Klassiker „Mambele“ anstimmten, „den wir nach 38 Jahren schon ziemlich textsicher beherrschen“, so Polt. „I sings vor, everybody sings after“, war die Parole. Standing Ovations und zustimmendes Lachen folgten – wie schon während des gesamten Auftritts.

Angefangen, als die Well Brüder in ihrem ersten Lied musikalisch ihren ersten Eindruck von Schliersee, „dem ehemaligen Luftkurort im Oberland“ mit den kilometerlangen Staus bis nach Agatharied, in Worte fassten. Das „Platzerl wo’s ois zuabaun“, den Ort, an dem man Kindern den Begriff Unendlichkeit mit der Renovierung der „Post“ erklärt und den sie Tegernseern empfahlen, wenn die ein „gscheids Woidfest“ erleben wollen.

Gerhard Polt feuert die Dialoge ab.

Im Festzelt beginnt auch Polts Programm. „125 Jahre Feuerwehr Hausen“ gilt es zu feiern und weil „saufen und grillen“ für so einen Anlass zu wenig sind, haben sich die Verantwortlichen mächtig ins Zeug gelegt. Ein rundum gelungenes Fest, wäre da nicht diese „Mistamsel“ vom Privatsender, die all das ignoriert und stattdessen über die alte Frau mit der Fleischvergiftung vom Rollbraten-Rückläufer aus Afghanistan berichtet.

Die Geschichte entstammt dem typisch Polt’schen Blick auf den gesellschaftlichen Wahnsinn unserer Zeit, den seine Figuren mit einer Naivität aufdecken, bei der einem bisweilen das Lachen durchaus auch im Hals stecken bleibt. Manchmal ist sie aber auch nur lachend zu ertragen.

Was in jedem Fall ein Vergnügen ist, ist die Wortwahl. Wunderbar bayerische Ausdrücke, die man immer seltener hört, obwohl gerade sie Personen oder Situationen besonders genau zeichnen können. So erklärte der Landrat am „Schampaninger“ nippend, wieso der deliziöse Dom Perignon im Glas perlt, statt des von ihm normalerweise bevorzugten Söhnlein Brillant. Ein Geschenk des selbstlosen Dr. Brommer sei der gewesen, für den er ein paar Hektar Bauland an den „Kaulquappennummerieren“ vorbei aus dem Sumpf herauslösen konnte.

Schluck für Schluck zeichnete Polts Landrat den Weg der zunächst aus moralischen Bedenken abgelehnten Gratifikation nach, die nach asphaltierten Bergstraßen, Papst-Audienz, Mallorca-Urlauben und einem Geburtstagsfrühstück wieder bei ihm landet. Menschlich sei man sich näher gekommen, habe das ein oder andere gemeinsame Projekt gehabt – aber immer im Schlepptau „die Schmieranten, die Paparazzi vom Miesbacher Merkur“.

Heidi Siefert

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