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Beliebtes Freizeitangebot: Genau 87 356 Badegäste stürzten sich 2016 im Schwimmbad in der Schlierseer Vitalwelt in die Fluten. Der Wirtschaftsplan wurde um stolze 155 000 Euro übertroffen.

Wirtschaftsplan um 155.000 Euro übertroffen

Geringeres Minus: Vitalwelt-Schwimmbad trotzt Branchentrend

Es war ein gutes Jahr für das Schwimmbad in der Schlierseer Vitalwelt. Genau 87.356 Badegäste hüpften ins Becken. Ein finanzielles Minus gab es trotzdem. Das sei aber normal, sagt Monte Mare.

Schliersee – Im kommunalen Schwimmbadgeschäft ticken die Uhren anders. Während dauerhaft rote Zahlen bei den meisten anderen Unternehmen zu Krisensitzungen führen würden, sind sie hier ganz normal. Da verwundert es auch nicht, dass Monte-Mare-Vertreter Siegfried Reddel den Fehlbetrag in Höhe von 68 000 Euro in der Vitaltherme im Geschäftsjahr 2016 dem Schlierseer Gemeinderat als Erfolg verkaufte. Seit 2007 übernimmt das Unternehmen als Geschäftsbesorger den Badbetrieb für die Gemeinde.

Im Vorjahr wurde der Wirtschaftsplan um 155 000 Euro übertroffen. „Sie können sich glücklich schätzen mit so einem Minus“, sagte Reddel in seinem Vortrag. Die meisten Bäder in Deutschland würden Verluste von mehr als einer Million Euro verbuchen – und das jedes Jahr.

Auch Schliersee lässt sich das Hallenbad in der Vitalwelt einiges kosten. 2015 etwa hatte sich – nicht zuletzt durch den warmen Sommer und die außerplanmäßige Schließzeit nach den Revisionsarbeiten – ein Fehlbetrag von 269 000 Euro aufgestaut. Dass es 2016 besser gelaufen ist, führte Reddel auf die Besucherzahlen zurück. Mit genau 87 356 Badegästen habe man die Prognose von 85 000 sogar leicht übertroffen.

In Euros ausgedrückt standen Gesamteinnahmen von 512 000 Euro Ausgaben in Höhe von 580 000 Euro gegenüber. Unterschreitungen bei den Personal- und Energiekosten hätten zu einer Einsparung von 88 000 Euro im Vergleich zum Planansatz geführt, sagte Reddel. „Die Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerks hat sich hier positiv bemerkbar gemacht.“ Auf der Einnahmenseite rührt das größte Plus aus der Auflösung einer Rückstellung für nicht benötigte Urlaubsgelder in Höhe von 70 000 Euro. „Das ist aber leider nur ein Einmaleffekt“, sagte Reddel. Erfreulich sei jedoch, dass die letztjährigen Preiserhöhungen nun stärker auf den Pro-Kopf-Erlös durchgeschlagen hätten. 4,88 Euro gab jeder Gast im Durchschnitt in der Vitaltherme aus. 2015 waren es noch 4,82 Euro.

„Das ist auch unsere einzige Variable“, erklärte Reddel. Die Kosten seien weitgehend festgefahren. Mit speziell auf Schliersee ausgerichteten Marketing-Aktionen werde Monte Mare versuchen, die Erlöse weiter zu erhöhen. Das sei aber kein Selbstläufer, meinte Reddel. „Die Besucherzahlen in der Branche sind rückläufig.“ Trotzdem geht Monte Mare im Wirtschaftsplan für 2017 wieder von 85 000 Besuchern aus. Unter anderem wegen notwendiger „Schönheitsreparaturen“ zu Kosten von 25 000 Euro rechnet das Unternehmen aber wieder mit einem Minus von 161 000 Euro.

„Sind da auch Fensterglas und Rigipsplatten für die Decke eingerechnet?“, wollte Michael Dürr (PWG) wissen. Kämmerin Heidi Riesenthal schüttelte den Kopf. Der gebäudeunterhalt samt Investitionen und Schuldendienst würde nicht im Wirtschaftsplan von Monte Mare, sondern im gemeindlichen Haushalt aufgeführt.

Auch heuer unbeantwortet blieb Dürrs Frage nach den Saunagästen, die das Bad kostenlos nutzen dürfen, aber letztlich nur Monte Mare Einnahmen bescheren. „Die Ein- und Austritte werden am Drehkreuz nicht erfasst“, erklärte Reddel. Er gehe aber davon aus, dass weniger als zehn Prozent der Wellnessgäste Schwimmen gehen würden. Gerhard Weitls (SPD) Frage, ob Monte Mare weitere Preiserhöhungen plane, beantwortete Reddel wie folgt: „Wir wollen 90 000 Besucher pro Jahr anpeilen.“

Dürr brachte hingegen noch einen Wunsch vieler Feierabendschwimmer an. Es könne nicht sein, dass die abendliche Öffnungszeit des Bads mit 20 Uhr angegeben werde, die Gäste aber bereits um 19.30 Uhr in die Umkleiden „gescheucht“ würden. „Das kommt nicht gut an“, sagte Dürr. Dass das nicht für das Bad insgesamt gelte, stellte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) heraus. „Die Vitaltherme stärkt die touristische Infrastruktur in Schliersee“, sagte er. Unter dem Strich werde in der Endabrechnung aber immer ein Minus stehen. „Aber das war uns ja allen vorher bewusst.“

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