Gesundhaus, Neuhaus
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Der aktuelle Planungsstand: das Ensemble aus Gesundhaus (r. unten), Gästehaus (l. unten), Biohotel (l. oben) und Chalets (r. oben) aus der Luft. Unten im Bild ist die Stolzenbergstraße zu sehen.

„Eine Nummer kleiner, dann wird’s ein Hit“

Gesundhaus: Gemeinderat Schliersee kritisiert Größe des Projekts

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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„Ein gutes Konzept, aber...“: Dieser Satz war in der Sondersitzung des Schlierseer Gemeinderats zum Gesundhaus-Projekt in Neuhaus wiederholt zu hören. Und noch mehr.

Schliersee – Mit einem Appell brachte Gerhard Waas (Grüne) am Ende der Sondersitzung zum Gesundhaus-Projekt das Dilemma der Schlierseer Gemeinderäte auf den Punkt. „Wir finden Ihr Konzept gut und wollen Sie behalten“, sagte Waas zu Projektentwickler Wolf-Dieter Roetzer und Architekt David Cook. Man habe schon deutlich schlechtere Pläne für das Areal an der Stolzenbergstraße in Neuhaus vorgelegt bekommen. Auch die Gesprächsbereitschaft komme gut an im Gemeinderat. „Das ist für viele von uns neu.“ Er hoffe, so Waas, dass man trotz der sachlichen Differenzen im Dialog bleibe und diesen dazu nutze, doch noch eine gemeinsame Linie für das Vorhaben zu finden.

Zum wiederholten Mal waren Roetzer und Cook aus Stuttgart nach Schliersee gekommen, um den aktuellen Stand der Planung für ihr „Vitalresort“ zu präsentieren. Wie berichtet, sollen auf dem gut 12 000 Quadratmeter großen Grundstück ein Biohotel, ein Gästehaus, vier Holzchalets, ein Ärztehaus sowie ein Apartmentgebäude für die Mitarbeiter entstehen. Das gesamte Areal soll naturnah gestaltet werden, mit vielen Bäumen und einem 800 Quadratmeter großen Schwimmteich in der Mitte.

Auch im Hinblick auf die kritischen Äußerungen der Nachbarn bei einer Informationsveranstaltung (siehe Kasten) beteuerten Roetzer und Cook nochmals, dass sie die Zimmerzahl gegenüber der ursprünglichen Planung von 135 auf 105 reduziert hätten. Doch auch den Gemeinderäten reichte diese Schrumpfung bei Weitem nicht – aus mehreren Gründen.

Gebäudegrößen

Vor allem die Baukörper des Biohotels und des Gästehauses stießen im Gremium auf Ablehnung. Ein 55 Meter langer Bauriegel und 30 Prozent überbaubare Fläche seien in einem Wohngebiet zu viel, meinte Wolfgang Mundel (CSU). „Rechnen Sie alles noch mal durch und schrauben Sie zurück“, riet Jürgen Höltschl (CSU) den Planern.

Die schüttelten den Kopf. Ein Gutachten habe ergeben, dass das Projekt mit noch weniger Zimmern nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. „Dann wird es eine Totgeburt und so was mache ich nicht“, sagte Roetzer. „Dafür steckt zu viel Geld und Herzblut drin.“ Einen Fürsprecher fand Roetzer in Philipp Krogoll (Die Schlierseer): „Ein Hotel braucht einfach eine bestimmte Größe, damit es funktioniert.“ Astrid Leitner (CSU) – selbst Gastgeberin – war anderer Meinung: „Machen Sie es eine Nummer kleiner und es wird ein Hit.“

Verkehr

Eine Nummer größer sollte nach Ansicht der Gemeinderäte hingegen die Tiefgarage ausfallen. Aktuell sind hier 60 Stellplätze vorgesehen, 25 weitere über der Erde. Während Roetzer und Cook dank ihres Mobilitätskonzepts (möglichst viele Gäste sollen ohne Auto anreisen) die Zahl ausreichend dimensioniert sehen, merkte Bauamtsleiterin Birgit Kienast an, dass es laut örtlicher Satzung sechs Parkplätze mehr brauche.

Lesen Sie auch: Gesundhaus in Schliersee: Hotel-Planer verspricht Rücksichtnahme auf Nachbarn

Höltschl ging noch weiter: „Das Mobilitätskonzept wird in der Praxis nicht funktionieren“, sagte er. Im Zweifel würden die Autos dann an der Stolzenbergstraße stehen. Auch die 40 Mitarbeiter und die externen Patienten der Arztpraxen müssten irgendwo parken können, merkten die Gemeinderäte an. Roetzer verteidigte seine Vision: „Man muss nur etwas anbieten, dann wird es auch angenommen.“ Selbst wenn anfangs nur ein Drittel der Gäste mit der Bahn anreisen würden, gebe es ausreichend Parkplatz-Puffer.

Gestaltung

Das Aussehen der Häuser ist in der frühen Phase des Verfahrens eigentlich noch kein Thema. „Lassen Sie uns später darüber reden“, bat Architekt Cook. Kritische Kommentare gab es trotzdem. Gabriele Murrisch (CSU) etwa wünschte sich Chalets im Stil von Fischerhütten. Babette Wehrmann (Grüne) wurde deutlicher: „Wir werden hier zugeschüttet mit Natur und Bio und am Ende bekommen wir Bretterbuden mit Blechdächern.“

Investor

Als nicht gerade vertrauensbildend erwies sich die Ankündigung Roetzers, das Projekt nach Fertigstellung an einen Investor zu verkaufen. „Wer sichert uns zu, dass das Konzept genau so umgesetzt wird, wie von Ihnen präsentiert?“, fragte Wehrmann. Krogoll fürchtete ein in Schliersee bereits bekanntes Vorgehen: „Der neue Investor macht uns vier Jahre lang mürbe und baut dann doch was anderes.“ Roetzer hielt dagegen. Er werde erst verkaufen, wenn er einen Betreiber gefunden habe, der seine Werte und Visionen teile.

Angst haben, die Zügel aus der Hand zu geben, müsse bei einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan ohnehin niemand, erklärte der von der Gemeinde beauftragte Architekt Christoph Rickert. Bis zum Aussehen der Fassaden könne man alles aushandeln und vertraglich fixieren. Werde das Projekt binnen einer festgelegten Frist nicht „eins zu eins“ so verwirklicht oder an einen anderen Investor verkauft, könne der Gemeinderat erneut darüber entscheiden.

Für ein Umschwenken im Gemeinderat sorgte diese Aussicht trotzdem nicht. Bis auf Ernst Höltschl (SPD) stimmte niemand der Aufstellung des Bebauungsplans zu. Tot ist das Projekt deshalb aber noch nicht, betonte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). „Setzen wir uns zusammen und schauen, ob wir doch noch eine gemeinsame Linie finden.“

sg

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