Gstatterberg/Schliersee: Sensibler Berghang angegraben - Gemeinde sauer
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Massiver Eingriff: Am Gstatterberg hat ein Grundeigentümer begonnen, einen Weg in den Hang zu bauen. Jetzt gibt es Ärger mit den Behörden. Das Gelände ist laut Landratsamt „extrem labil“.

Gstatterberg/Schliersee: Sensibler Berghang angegraben - Gemeinde sauer

Da blieb den versammelten Behördenvertretern wohl die Spucke weg. In einem hochsensiblen Hang am Gstatterberg in Schliersee hat ein Hauseigentümer munter drauflos gebaggert. Das wird wohlÄrger geben.

Schliersee – Bei den Hängen am Schliersee – das sollte jedem bekannt sein – handelt es sich um hochsensible Bereiche. Nicht nur einmal ist das Erdreich dort ins Rutschen geraten – etwa am Schliersberg und am Westerberg. Dies Rutschanfälligkeit lässt sich auch über das Geoportal der Bayerischen Vermessungsverwaltung leicht nachvollziehen. Einen Hauseigentümer am Gstatterberg hat all das wenig interessiert. Er hab damit begonnen, einen Weg in den Hang zu bauen – und sich damit den Unmut der Behörden eingehandelt.

Ohne Genehmigung: Auch Fällarbeiten wurden am Gstatterberg durchgeführt. Teils liegen Stämme und Äste im Gewässergraben.

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Gstatterberg/Schliersee: Sensibler Berghang angegraben - Gemeinde sauer

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer ist richtiggehend „erschüttert“, wie er auf Anfrage sagt. Zusammen mit Vertretern verschiedener Behörden hat er sich das Schlamassel bei einem Ortstermin angeschaut. Massive Abgrabungen, Geländeveränderungen, Eingriffe in einen Wasserlauf, Baumfällarbeiten. Da wurde wenig ausgespart. Das Ergebnis: Bei einem der starken Regenfälle der vergangenen Tage schoss das Wasser nicht den Gastatterberggraben hinunter, sondern über den Feld- und Waldweg in Richtung unterliegenden Nachbarn. Der hat daraufhin eine Barriere aufgebaut, mit der das Wasser abgeleitet werden soll.

Das Vorgehen bezeichnet Schnitzenbaumer als „ziemlich dreist“. Denn die notwendigen Kontakte hätte der Hauseigentümer wegen anderer Maßnahmen in der Vergangenheit durchaus gehabt. Jetzt hat er die Kontakte gezwungenermaßen. Denn natürlich hat das Landratsamt den Bau eingestellt. Vor Ort hätten die Fachstellen „die Maßnahme übereinstimmend als fachlich fehlerhaft und nicht genehmigungsfähig eingestuft“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Zu diesen Fachleuten gehörten Vertreter der Abteilungen Naturschutz und Wasser am Landratsam, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, des Wasserwirtschaftsamts und des Landesamts für Umwelt. Ein Hinweis darauf, dass der Eingriff alles andere als für harmlos gehalten wird. Laut Schnitzenbaumer bestätigte bei dem Ortstermin eine Geologe das „erhebliche Rutschrisiko“.

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Barriere gegen Wassermassen: Damit das Wasser nebst Geröll nicht auf seinem Grundstück landet, hat der Nachbar eine Barriere gebaut.

Zu erwarten ist nun, dass dem Hauseigentümer auferlegt wird, wieder stabile Verhältnisse an dem Hang herzustellen. Ob das so einfach ist, erschein unklar. Schnitzenbaumer zufolge ist ein erneuter Besuch eines Geologen für diese Woche vorgesehen. Zudem muss er das Aushubmaterial, dass in den Gewässergraben eingebracht wurde, entfernen, damit es nicht abgeschwemmt wird. Ferner prüft das Landratsamt, ob es ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleitet wird.

Laut Schnitzenbaumer hat der Eigentümer immerhin eingesehen, dass er Fehler gemacht hat. Auf das eigentliche Ziel seines Tuns will er demzufolge aber nicht verzichten. Der Weg sollte dazu dienen, dass er mit dem Auto zu seinem Anwesen weiter oben am Berg fahren kann. Vermutlich wird er sich das Abschminken können. Das Haus – gebaut wohl in den 1930er-Jahren, vermutet der Bürgermeister, liegt weit im Außenbereich – und eben in einem laut Landratsamt „extrem labilen Hang.“

von Daniel Krehl

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