Keine Frist wollen sich die Pflegekassen für ihre Entscheidung über eine Kündigung des Versorgungsvertrags der Seniorenresidenz setzen.
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Keine Frist wollen sich die Pflegekassen für ihre Entscheidung über eine Kündigung des Versorgungsvertrags der Seniorenresidenz setzen.

Zeitplan offen

Hängepartie um Seniorenresidenz Schliersee: Neue Studie angefordert

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Noch immer haben die Pflegekassen nicht entschieden, ob sie der Seniorenresidenz Schliersee ab September die Gelder streichen. Für die Bewohner wird die Zeit knapp.

Schliersee – Die öffentliche Ruhe um die Seniorenresidenz Schliersee hält länger als erwartet. Nachdem das Heim Mitte Juni seine Stellungnahme zur geplanten Kündigung des Versorgungsvertrages durch die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Pflegekassen abgegeben hatte, um das Ende der Einrichtung zu verhindern, wollten Kassen und Bezirk eigentlich innerhalb einiger Wochen entscheiden, ob die Kündigung für Ende August bestehen bleibt (wir berichteten).

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Hängepartie um Seniorenresidenz Schliersee: Weitere Studie angefordert

Doch bislang blieben beide Anlaufstellen stumm. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärten sie, warum die Entscheidung so lange dauert. Wichtige Fragen bleiben offen.

Die Arge, teilt eine Sprecherin mit, habe eine weitere pflegefachliche Bewertung eingeholt. Eine zweite Meinung über die Lage im Heim also; zusätzlich zu dem Bericht über Kontrollen des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung (MDK) Bayern aus dem April, der dem Heim schwere Pflegemängel und wenig Aussicht auf Besserung bescheinigt hatte. Die Arge wird nun auch diese Studie bewerten und will danach dem Bezirk ihren Entscheidungsvorschlag zur Zukunft des Heimes unterbreiten.

Gründe, warum die Arge eine weitere Studie angefordert hat, will die Sprecherin ebenso wenig nennen wie einen zeitlichen Rahmen für die Entscheidung. Auch ob sich die ursprünglich für Ende dieses Monats geplante Kündigung halten lässt, will die Sprecherin nicht beantworten.

Ein wenig Aufklärung liefert der Bezirk: Die Studie der Arge solle nochmals die Einwände prüfen, die die Residenz gegen die Kündigung vorgebracht hatte, sagt eine Sprecherin. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, weiß aber auch sie nicht.

Für Bewohner der Seniorenresidenz könnte Zeit zur Verlegung knapp werden

Die unklare Zeitlinie verschärft den Druck auf Angehörige, gesetzliche Betreuer und Bewohner. Bekanntlich müssen Letztere, sollte es zur Kündigung kommen, in andere Heime verlegt werden. Wird die Entscheidung erst kurz vor dem Inkrafttreten der Kündigung bekannt gegeben, bleibt Betreuern und Verwandten dafür wenig Zeit. Der KDV Kreisverband hat einigen Angehörigen bereits bei der Verlegung geholfen. Doch noch liegen laut Landratsamt knapp 50 Senioren im Schlierseer Heim.

Derweil ermitteln weiter die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg und die Staatsanwaltschaft München II gegen die Seniorenresidenz. Auch hier scheinen schnelle Ergebnisse unwahrscheinlich. Während die Münchner Beamten Beweise sichten, hat sich für ihre Nürnberger Kollegen das erwartet überdimensionale Puzzle ergeben: Die Ermittler gleichen für alle Schichten ab, ob die Seniorenresidenz mehr Personal abgerechnet als vorgehalten hat. Der Verdacht lautet Abrechnungsbetrug. „Es kann gut sein, dass bis Ende des Jahres noch kein Ergebnis feststeht“, sagt ein Sprecher. Es könne schneller gehen, aber das Ende der Ermittlungen stehe nicht unmittelbar bevor.

Klarer scheint: Die Seniorenresidenz wird wohl einer Kündigung des Versorgungsvertrags nicht durch eine Schließung zuvorkommen. Das hatten andere Heime in ähnlichen Situationen getan. Da die Residenz durch den vom Landratsamt verhängten Aufnahmestopp und die daher niedrige Belegung schon länger Verluste einfahren dürfte, hatten viele Ähnliches auch hier vermutet. Eher lässt das Verhalten des Heims vermuten, dass es weiter gegen die Entscheidung kämpfen will.

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