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Hat für die Lebenshilfe keine Zukunft mehr: Das Gebäude des Haus Bambi an der Rauheckstraße in Neuhaus genügt längst nicht mehr den Anforderungen einer heilpädagogischen Wohneinrichtung.

Probleme am Altstandort werden immer größer

Haus Bambi wartet auf Neubau: „Jeder Monat mehr tut weh“

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Das Warten auf Fortschritte zum geplanten Neubaugebiet in Hausham-Abwinkl geht weiter. Das trifft vor allem die Lebenshilfe, die hier ihr neues Haus Bambi errichten möchte. 

Neuhaus/Hausham – Der Geduldsfaden von Inga Kockerols ist gespannt. „Jeder Monat, der dahinfließt, tut uns weh“, sagt die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Miesbach. Doch sie hält durch. Für ihre Mitarbeiter, für die Eltern – und vor allem für die 17 Kinder im Haus Bambi. „Wir versuchen, ihnen das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten“, sagt Kockerols.

Doch das wird immer schwieriger. Denn die Schlafzimmer und Therapieräume der heilpädagogischen Einrichtung in Neuhaus genügen längst nicht mehr den Anforderungen. Und eigentlich würde sich Kockerols am liebsten weiter mit den Plänen für den Neubau im Haushamer Ortsteil Abwinkl befassen. Doch die hängen in der Warteschleife, weil der Gemeinderat die Bauleitplanung immer noch nicht angestoßen hat.

Wie berichtet, hat Bürgermeister Jens Zangenfeind den Anwohnern des insgesamt 31 000 Quadratmeter großen Areals am Fuße der Huberspitz versprochen, zuerst zu einer zweiten Infoveranstaltung mit allen Fachplanern einzuladen. Ziel ist es, offene Fragen zu Verkehr und Entwässerung zu beantworten. Einen Termin gibt es bis heute nicht. 

Damit hängen nicht nur die rund 100 Interessenten für die geplanten 35 Einfamilien- und Doppelhäuser in der Luft, sondern auch die Lebenshilfe, die auf einem rund 7500 Quadratmeter großen Grundstück ihr neues Haus Bambi errichten will. Zwischen 30 und 36 Menschen mit Behinderung sollen in den überwiegend eingeschossigen Baukörpern wohnen und von 40 bis 50 Mitarbeitern betreut werden. Das zumindest war der Planungsstand vom Sommer 2016.

Daran habe sich nichts geändert, betont Kockerols. Gespräche mit der Regierung von Oberbayern und Besichtigungen von anderen, neugebauten Einrichtungen hätten ergeben, „dass unser Grundkonzept nicht falsch ist“. In die Detailplanung könne man aber erst dann einsteigen, wenn die Gemeinde die Voraussetzungen dafür geschaffen habe. Vorher könne man keine weiteren Kosten aufwenden, erklärt die Geschäftsführerin.

Anders sieht es beim Altbau aus. Zwar hat die Lebenshilfe hier eine Verlängerung des Mietverhältnisses erwirkt und ist so um den Rückkauf herumgekommen – vorerst. Denn auch diesmal gibt es eine Frist. „Läuft diese aus, gibt es kein Zurück mehr“, sagt Kockerols.

Durch die lange Überbrückungszeit ist die Lebenshilfe zudem zu weiteren Investitionen gezwungen. Diese beschränken sich nicht nur auf transportables Material, sondern umfassen auch Schallschutzplatten und Raumteiler. „Kinder mit Autismus brauchen eine klare Struktur“, erklärt Kockerols. Hinzu kämen Instandhaltungskosten, die die Regierung von Oberbayern nur zum Teil erstatte. Den Rest bezahlt die Lebenshilfe aus ihren Rücklagen. Dem Topf also, der eigentlich für den Neubau gedacht war.

Einen Plan B oder C gebe es jedoch nicht, stellt Kockerols klar. Ein großflächiger Um- und Ausbau des Altstandorts sei keine Option. Zudem müssten die Kinder während der Arbeiten in Container ausweichen. „Wir verlassen uns auf die bereits gefassten Beschlüsse des Haushamer Gemeinderats und des Kreistags“, sagt Kockerols. Nicht nur durch die Nähe zum Förderzentrum der Anton-Weilmaier-Schule wäre ein neues Haus Bambi in Hausham die für alle Beteiligten beste Lösung. Wunsch der Lebenshilfe ist nach wie vor, dass die Gemeinde noch heuer ein Baurecht schafft. Dann könnten 2019 die Bagger anrollen – und 18 Monate später der Einzug stattfinden.

Bis es so weit ist, muss Kockerols die Kinder und ihre Eltern weiter vertrösten. Wie schwer das ist, zeigt der Fall eines heranwachsenden Kindes. Aufgrund seiner Behinderung brauche es so viel Raum, dass es im alten Haus Bambi nicht mehr weiter betreut werden kann und damit wohl verlegt werden muss. „Da sitzt du da und dir schmerzt das Herz.“

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