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Per Zufall fanden Forscher heraus: In Schliersee steht ein Haus, das ist über 500 Jahre alt.

Wir waren da: Ein Rundgang

Zufällig: Denkmalschützer entdecken Sensation

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Schliersee - Die Gemeinde wollte nur den geplanten Anbau am Heimatmuseum absichern, doch was das Landesamt für Denkmalpflege dabei herausgefunden hat, ist eine wissenschaftliche Sensation.

Wer das Schlierseer Heimatmuseum an der Lautererstraße besucht, betritt eine andere Welt, eine andere Zeit. So haben früher Menschen gelebt. Dieses Früher steht nun fest: Das Bauwerk, das sogenannte Schredlhaus, wurde exakt im Jahr 1447 gebaut und stammt damit aus dem Mittelalter. 

Bayerns best erhaltenes Blockhaus steht in Schliersee

Und nicht nur das, wie Bauforscher Thomas Aumüller vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) gestern beim Pressetermin erklärte: „Gegenwärtig ist kein anderes so gut erhaltenes Blockhaus aus dem ausgehenden Mittelalter in Bayern bekannt.“ Die Bedeutung dieses Denkmals mit seiner nahezu unverändert erhaltenen Rauchküche könne nicht hoch genug eingeschatzt werden. LfD-Gebietsreferent Christoph Scholter sagt: „Dieses Blockhaus ist eine Sensation.“

Experte war zufällig da

Auslöser für die Untersuchung, die Aumüller durchgeführt hatte, war der Anbau, den die Gemeinde an der Westseite ihres Heimatmuseums errichten will. Der Experte sah sich das Bauwerk genauer an und war überrascht. „Es ist die Regel, dass ein Heimatmuseum auf alt gemacht wird“, weiß er aus Erfahrung. „Dieses Museum ist aber wirklich richtig alt.“

Eine ominöse Wand stammt von 1406

Zumal es einige Besonderheiten aufweist. Zum einen ist da die ominöse Westwand, die auf das Jahr 1406 datiert wurde. Sie stand also bereits, als das Schredlhaus erbaut worden war und ist laut Aumüller Bayerns älteste Holzwand. Über die Hintergründe, warum dieses Bauelement hier weiterverwendet wurde und zu was es zuvor gehört hatte, lasse sich derzeit nur spekulieren, bestätigt Scholter: „Es gibt zwar einige Fährten, aber für weitere Anhaltspunkte braucht es weitere Untersuchungen.“

Spektakuläre Entdeckung: Blockhaus aus dem Mittelalter

Fest stehe aber, dass sich auf dem Nachbargrundstück bereits vorher ein Gebäude befunden habe. Außerdem sei das Schredlhaus, das seit 1913 das Heimatmuseum beherbergt, deshalb so wertvoll, weil es am ursprünglichen Standort erhalten geblieben ist – ohne schwere Eingriffe. Auch wurde es nie versetzt.

Als Beweis: Denkmalschützer untersuchten die Jahresringe

Nachgewiesen wurde das Alter der Holzbalken durch die sogenannte dendrochronologische Untersuchung. Dazu führte Aumüller eine wenige Millimeter starke Kernbohrung durch. Die Jahrringmuster im Holz ermöglichen eine aufs Jahr genaue Bestimmung des Fälldatums: Das hier verbaute Holz war im Winter 1446/47 gefällt worden. Damals wurde es umgehend verbaut, weil sonst Lagerung und Austrocknung die Bearbeitung erschwert hatten.

"Wir müssen alles neu bewerten."

Eine preiswerte Untersuchungsmethode, wie Aumüller zugibt: „Auch das LfD muss aufs Geld schauen.“ Deshalb werde am Anfang möglichst wenig investiert. Jetzt, wo konkrete Ergebnisse vorliegen, sei mehr möglich. Für eine große Untersuchung reiche aber auch der LfD-Etat nicht aus. „Dazu“, sagt Aumüller, „braucht es wohl eher eine Untersuchung durch eine Universität.“ Dies umfasse auch den angrenzenden, aus Stein erbauten Gebäudeteil, über den so gut wie nichts bekannt ist.

Für die Gemeinde sind die Ergebnisse eine neue Situation: Mit jeder Antwort gehen viele neue Fragen einher. „Aktuell ist alles offen. Wir müssen das alles neu bewerten.“ Immerhin sei ein Anbau auch weiterhin möglich, doch gelte es auch, dem historischen Schatz gerecht zu werden. „Denn das, was wir hier haben, ist etwas besonderes.“

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