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Die Wasserrettung zog den auf dem Schliersee gelandeten Heißluftballon an Land.

Hintergründe der spektakulären Rettung

Darum musste der Heißluftballon notlanden: Insassen berichten

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Spektakuläre Rettung am Schliersee: Der Wind hatte einen Heißluftballon aus Lenggries dorthin getrieben – und über dem See war dem Ballon das Gas ausgegangen. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen.

Schliersee – Kaffee dampft in den Tassen, die nassen Schuhe und Strümpfe stehen in der Sonne zum Trocknen und die Ausflugsgruppe aus Lenggries lacht bereits über die Geschehnisse des Vormittags. In Decken gewickelt sitzen sie auf der Terrasse des Wasserwachtshauses am Strandbad Schliersee. Kurz zuvor war die elfköpfige Gruppe mit ihrem Ballonführer in einem Heißluftballon auf dem Schliersee notgewassert.

Die Fahrt startete am Freitagmorgen gegen 7.25 Uhr in Lenggries. Für acht der Personen, die alle lieber anonym bleiben wollen, war es die erste Ballonfahrt ihres Lebens. Wie Reinhard Schuster von der Polizei Miesbach berichtet, war das Ziel der Gruppe der Tegernsee oder Bad Tölz gewesen. „Das wollten sie je nach Windverhältnisse entscheiden.“ Gelenkt habe den Ballon ein zertifizierter Führer, der es problemlos bis zum Tegernsee schaffte – dann kam alles anders als geplant.

„Wir wollten in Rottach-Egern landen und haben es schon ein paarmal versucht“, erzählt einer der Insassen, ein älterer Herr mit Schildmütze, der schon einmal mit einem Heißluftballon geflogen war. Aufgrund der Windverhältnisse klappte das Landen in Rottach-Egern nicht – der Ballon musste immer wieder aufsteigen. Dabei wurde wohl zu viel Propangas verbraucht – der Treibstoff eines Ballons. Das wurde der Gruppe wenig später zum Verhängnis.

Die Passagiere berichten nach der Notlandung ihre Erlebnisse.

Schuster von der PI Miesbach, die mit insgesamt fünf Beamten und einem Boot im Einsatz war, schildert, dass unvorhergesehene Luftströmungen den Ballon an den Schliersee getrieben hätten. „Dort ist ihnen dann das Gas zuneige gegangen.“ Der Pilot habe noch versucht, die Insassen im Uferbereich aussteigen zu lassen. Ganz schaffte er es nicht. Auf Höhe der Rixner Alm an der Westseite des Sees brachte er den Ballon nach unten – die Einsatzkräfte von Wasserrettung und Feuerwehr waren da schon alarmiert. Einer der Insassen erzählt: „Wir haben vom Ballon aus gerufen.“

„Notwasserung“: Heißluftballon muss im Schliersee landen - Bilder und Video der Rettung

Zur Rettung geeilt war auch das Personenschiff der Schlierseer Schifffahrt. „Ich habe den Ballon über dem Wasser gesehen und erst gedacht, der Fahrer macht einen Scherz“, sagt Michael Lauber von der Schifffahrt, der gerade den Biergarten hergerichtet hat. Dann hörte er die Rufe der Insassen und schickte gleich einen Kapitän mit dem Schiff hin.

Am Schiff wollten sie den Korb des Ballons anhängen und ans Ufer ziehen. „Unser Schiff wiegt 26,5 Tonnen und der Ballon hat es leicht angehoben“, erzählt Lauber. Sein Kapitän sei hinterher fix und fertig gewesen. Letztlich brachte er einen Teil der Ballonfahrer zum Biergarten der Schifffahrt – die restlichen Insassen wurden von der Wasserrettung zum Strandbad gefahren. Mehr als nasse Füße, da der Ballonkorb schon im Wasser gestanden war, trugen sie nicht davon. Den Ballon samt Fahrer zog die Wasserrettung an der Rixner Alm an Land. Schuster sagt: „Sie haben ihn per Zugseil gezogen, damit die Hülle nicht ins Wasser fällt.“

Klingt nach einem gehörigen Schrecken. „Ach, wir haben Vertrauen in unseren Fahrer gehabt“, sind sich die einig, die auf der Terrasse der Wasserrettung sitzen. Panik sei da keine aufgekommen. „Das kann halt passieren. Die Fahrt insgesamt war richtig toll.“ Ein großes Lob sprechen sie den Einsatzkräften aus, die souverän und schnell reagiert hätten. Als die Ballonfahrer mit dem Auto abgeholt werden, sind sie sicher: „Die Fahrt werden wir nie vergessen.“

nip

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