Badespaß wird teurer: Der Gemeinderat Schliersee hat eine Preiserhöhung für die Vitaltherme beschlossen. Foto: TP
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Badespaß wird teurer: Der Gemeinderat Schliersee hat eine Preiserhöhung für die Vitaltherme beschlossen.

Gemeinderat beschließt Erhöhung

Vitaltherme: Hohe Wellen um die Eintrittspreise

Schliersee - Die Schlierseer Vitaltherme ist ein Zuschussgeschäft. Um das Defizit im Rahmen zu halten, hat der Gemeinderat jetzt eine Erhöhung der Eintrittspreise beschlossen.

Der Wirtschaftsplan für ein kommunales Hallenbad ist selten ein populäres Thema im Gemeinderat. Vor allem, wenn dieser eine Erhöhung der Eintrittspreise vorsieht. Als Gesamtbetriebsleiter der Monte Mare GmbH ist Kai Steuernagel kritische Nachfragen durchaus gewöhnt. Doch das, was bei der Diskussion über die Zahlen der Vitaltherme im Schlierseer Ratszimmer über ihn hereingebrochen ist, hat auch ihn sichtlich überrascht.

Dabei hatte Steuernagel zunächst gute Nachrichten im Gepäck – wenn man bedenkt, „dass man mit einem Hallenbad kein Geld verdienen kann“, wie er vorsichtshalber vorausschickte. Schätzungsweise 91 000 Gäste werden die Vitaltherme Ende 2014 besucht haben – eine deutliche Steigerung gegenüber den rund 80 000 im Vorjahr. „Damit haben wir unseren Plan übertroffen“, sagte Steuernagel. Ursprünglich hatte die Monte Mare GmbH, die die Geschäfte des Hallenbads im Auftrag der Gemeinde führt, nur mit 82 500 Besuchern kalkuliert. Den Grund kennt Steuernagel auch: „Der verregnete Sommer hat uns in die Karten gespielt.“

Trotzdem wird das Defizit mit 276 000 Euro nur um 21 000 Euro niedriger ausfallen als im Vorjahr. Das Problem seien die Pro-Kopf-Einnahmen, weil die meisten Besucher nur auf die günstigeren Kurzzeit-Tarife zurückgreifen. „Wir empfehlen daher eine Anhebung der Einstiegspreise“, schlug Steuernagel vor. Nur so lasse sich das Defizit, das durch geplante Sanierungen – sie liegen bei 43 000 Euro – auf etwa 348 000 Euro steigen wird, auf 291 000 Euro senken.

Konkret soll die Zwei-Stunden-Karte künftig sechs statt fünf Euro und die Kinderkarte fünf statt vier Euro kosten. Auch der Wochenendzuschlag soll um 50 Cent auf 1,50 Euro steigen, der Aufpreis für jede weitere halbe Stunde dafür von 85 auf 75 Cent sinken.

Kaum hatte Steuernagel seinen Vortrag beendet, entzündete sich eine heftige Diskussion im Gemeinderat. „Eine 25-prozentige Erhöhung der Kinderpreise kommt bei den Eltern nicht gut an“, kritisierte Gerhard Waas (Grüne). Ursula Bommer (Die Schlierseer) hielt dagegen: „Heute kostet eine Kinokarte schon neun Euro. Da sollten den Eltern zwei Stunden Sport und Spaß sechs Euro wert sein.“

Für Michael Dürr (PWG) war die beabsichtigte Preiserhöhung eine willkommene Gelegenheit, eine Breitseite abzufeuern. „Wie werden eigentlich die Freikarten verrechnet, die Sie zu Hunderten an Firmen herausgeben?“, fragte er. Solange er nicht wisse, was Monte Mare mit den gemeindlichen Geldern genau mache, könne er nicht über einen neuen Wirtschaftsplan abstimmen – „das wäre ein Blindflug“.

Als Steuernagel nicht sofort eine Antwort parat hatte und Dürr ihm aufgrund eines Fehlers in den Unterlagen mangelndes Zahlenwissen unterstellte, beschwerten sich einige Gemeinderäte lautstark über die „unmögliche Diskussionskultur“ ihres Ratskollegen. Auch Bürgemeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) ereiferte sich: „Lassen Sie doch Herrn Steuernagel erstmal ausreden.“ Erst, als Schnitzenbaumer Dürr das Wort entzog, kam Steuernagel – sichtlich um Fassung ringend – dazu, die Vorwürfe zu entkräften.

„Unsere Marketing-Maßnahmen liegen im üblichen Rahmen“, erklärte er. Nur sechs Prozent der Gäste seien umsonst ins Bad gekommen. Viele würden als zahlende Besucher wieder kommen. Außerdem, stellte Steuernagel klar, sei das neue Preismodell lediglich ein Vorschlag an den Gemeinderat sei. „Wenn Sie mit einem höheren Defizit leben können, haben wir kein Problem damit.“

Die Kritiker konnte der Monte-Mare-Chef zwar auch damit nicht überzeugen, dafür aber den Bürgermeister und die übrigen Gemeinderäte. Sie entschieden sich am Ende mit 13:7 Stimmen für die Preiserhöhung.

Sebastian Grauvogl

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