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Auf dem Immobilienmarkt: 13 weitere Wohnungen der Karma-Bavaria-Hotelanlage in Schliersee werden derzeit verkauft. Per Bebauungsplan möchte der Gemeinderat nun einerseits die Fremdenverkehrsnutzung sichern und andererseits langjährigen Erstwohnsitz-Inhabern im nördlichen Teil Sicherheit geben. 

Veränderungssperre

Zweitwohnsitze? Nix da!

Ex-Alpenclub: Gemeinderat will Fremdenverkehrsnutzung sichern und sucht Ausweg für Erstwohnsitz-Inhaber.

Schliersee – Die Entwicklung des Hotels Karma Bavaria (Ex-Alpenclub) bereitet der Gemeinde Schliersee weiterhin Sorgen. Aktuell stehen wiederum 13 Appartements in der Anlage zum Verkauf. Sie werden zwar weiterhin über das Hotel vermietet, doch der entsprechende Vertrag läuft zunächst einmal nur drei Jahre. Danach – so stellt es der Makler den potenziellen Käufern in Aussicht – könne der Eigentümer das Appartement als Zweitwohnsitz nutzen. Genau das will das Rathaus verhindern. Eine Veränderungssperre hat der Gemeinderat im November 2014 erlassen, ein Bebauungsplan soll die Fremdenverkehrs-Nutzung sichern.

Viel unmittelbarer als Käufer und Verkäufer trifft das Handeln von Verwaltung und Politik zunächst allerdings die Eigentümer diverser Wohnungen in den nördlich gelegenen Gebäuden der Anlage. Einige Einheiten wurden schon vor Jahrzehnten verkauft und werden seitdem dauerhaft als Erstwohnsitze genutzt. Diese Schlierseer aus ihren Wohnungen vertreiben – das will natürlich keiner.

Die Verwaltung schlägt deshalb vor, die Planung zu teilen. In den drei südlichen Gebäuden soll einzig und allein ein Hotelbetrieb – und was eben dazu gehört – erlaubt sein. Zweitwohnsitze wären damit nicht erlaubt, Ferienwohnungen mit wechselnder Belegung schon.

Im nördlichen Teil (Kirchbichlweg 10, 12, 14) will die Gemeinde zudem ausnahmsweise auch eine Dauerwohnnutzung von Gebäuden zulassen. Die entsprechenden Eigentümer müssen allerdings eine Nutzungsänderung für ihre Wohnungen beantragen. Denn genehmigt ist für das betreffende Grundstück eine „Appartementanlage mit Ferienwohnungen“. Bestandsschutz, weil die Bewohner schon bis zu rund 30 Jahre dort ihren Erstwohnsitz haben? Das zweifelt das Rathaus an. Nur genehmigte Nutzungen würden Anspruch auf Bestandsschutz haben.

Eine Einschränkung gibt es aber: Höchstens 30 Prozent der Geschossfläche sollen dauerhaft als Wohnungen genutzt werden. Sonst drohen die Festsetzungen in dem Bebauungsplan insgesamt obsolet zu werden, und Schliersee könnte sich vom Ziel, die Fremdenverkehrsnutzung in dem Areal zu sichern, womöglich komplett verabschieden. Aktuell – so legen es zumindest Daten des Einwohnermeldeamts nahe – liegt der Anteil der reinen Wohnnutzung in den fraglichen Gebäuden aktuell bei über 20, aber unter 30 Prozent. Die Hoffnung ist, dass die Nachfrage nicht doch höher ist und die Gemeinde Absagen erteilen muss, wenn die 30-Prozent-Grenze erreicht ist.

Andererseits, betonte Gerhard Weitl (SPD), hätten die Käufer sehr wohl gewusst – oder zumindest wissen müssen –, was sie da kaufen. Robert Mödl (Die Schlierseer) fügte hinzu: „Die, die sich bisher an die Fremdenverkehrs-Nutzung gehalten haben, sind jetzt die Dummen.“ Insofern sei es kaum möglich, gerecht gegenüber allen zu sein. Der Gemeinderat billigte den Entwurf einhellig, er wird nun ein weiteres Mal ausgelegt. 

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