Authentizität und Originalität soll das „Vitalresort Stolzenberg am Schliersee“ ausstrahlen. An der Betreiberfrage allerdings hängt derzeit (noch) der Fortgang der Planung. Nun kommt das Thema wieder in den Gemeinderat.
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Authentizität und Originalität soll das „Vitalresort Stolzenberg am Schliersee“ ausstrahlen. An der Betreiberfrage allerdings hängt derzeit (noch) der Fortgang der Planung. Nun kommt das Thema wieder in den Gemeinderat.

Hotelprojekt an der Stolzenbergstraße

Planer und Gemeinde blockieren sich gegenseitig

Gern hätte Wolf-Dieter Roetzer noch vergangenes Jahr Baurecht für sein Hotel-Großprojekt an der Stolzenbergstraße in Neuhaus gehabt. Doch momentan blockieren sich sein Projektbüro und der Gemeinderat gegenseitig.

Schliersee – Ohne Betreiber kein Durchführungsvertrag, ohne Durchführungsvertrag keine Auslegung und damit keine Aussicht auf Baurecht. So ist aktuell die verzwickte Lage hinsichtlich des Projekts Vitalresort an der Stolzenbergstraße in Schliersee. Dort möchte das Projektbüro Planquadrat aus Stuttgart einen Hotelkomplex bauen. Doch aus Sicht des Planers schaut’s momentan so aus: Ohne Baurecht keine Planungssicherheit, ohne Planungssicherheit kein Investor respektive Betreiber. Gemeinde und Planer wollen das Pferd offensichtlich von unterschiedlichen Seiten aufzäumen. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung soll der Gordische Knoten nach Möglichkeit durchschlagen werden.

Gemeinde will Betreiber sehen - Projektplaner will Planungssicherheit

Immerhin: der erste Entwurf des Durchführungsvertrags steht. „Da stehen keine No-Go’s drin“, sagt Roetzer. Bis zur endgültigen Fassung werde das Papier noch ein paarmal von Schliersee nach Stuttgart und zurück wechseln, dann sollte es stehen, meint der Projektplaner. Was zur Unterschrift seitens der Gemeinde bisher noch fehlte, war ein Betreiber. Die Gemeinde befürchtet, dass ein Betreiber am Konzept schrauben will, was auch Änderungen am Bebauungsplan nach sich ziehen würde. Dann müsste die Gemeinde das Verfahren wieder aufbohren, noch mal Änderungsbeschluss, Auslegungsverfahren und so weiter.

Zweifel an der Stimmigkeit des Konzepts

Und Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) hält das für durchaus möglich. Selbst wenn er das Projekt unterstützt – für so etwas hat die Gemeinde das Grundstück schließlich seit bald 40 Jahren gegen alle Wohnbau-Avancen verteidigt –, so fragt er sich schon, ob das Vorhaben in sich stimmig ist. „Da bestehen verschiedene Konzepte auf einem Grundstück“, sagt der Rathauschef. Wie berichtet, sollen auf dem Areal ein Gesundhaus für medizinische Behandlungen, Naturchalets (acht Zimmer) für das besondere Übernachtungserlebnis an einem 800-Quadratmeter-Teich, ein Bio-Hotel (84 Betten) und ein Gästehaus (80 Betten) entstehen. Für Letzteres haben die Planer explizit auch Kurzaufenthalte, etwa für Radltouristen, im Blick. Vier-Sterne-Standard mit Bio-Ausrichtung hier, Gästehaus für Aktivurlauber da, und dann auch noch das Gesundheitsthema – für Schnitzenbaumer wirkt das etwas unentschlossen.

Vitalresort: Gesundheit, Lebensfreude und Nachhaltigkeit sollen eine große Rolle spielen.

Auch hier sieht es so aus, als ob sich Gemeinde und Planer dem Projekt von unterschiedlichen Seiten nähern. Denn Roetzers Vision beginnt weniger bei der Zielgruppe und deren Luxusansprüchen, sondern eher beim Lebensstil und beim Lebensgefühl. Und hier sollen die Stichworte Gesundheit, Lebensfreude und Nachhaltigkeit eine große Rolle spielen. Das fängt bei der Verwendung von örtlich verfügbaren, natürlichen Baumaterialien an und soll bei der Ausstrahlung des Orts nicht aufhören. Im Expose ist von „Authentizität, Ursprünglichkeit, Originalität, Bodenständigkeit sowie geistiger und körperlicher Gesundheit“ die Rede. Dazu gehört das Thema Ernährung (Bio-Restaurant, Kochschule) ebenso wie die Mobilität. Als jahrzehntelanger Schliersee-Urlauber wisse er um die Verkehrsbelastung Schliersees, sagt Roetzer. In das „Vitalresort Stolzenberg am Schliersee“ sollen die Gäste deshalb mit Öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, vor Ort E-Bikes oder E-Autos – oder auch den Bus – nutzen können. Das Thema sanfter Tourismus steht hier über allem, weniger die Frage, wie viel Luxus die Kunden genau nachfragen. Noch dazu weiß Roetzer aus Erfahrung, wie schwer es ist, in Schliersee eine Bleibe für nur eine Nacht zu finden.

Planer möchte Gemeinderat vom nächsten Schritt überzeugen

Damit der Schlierseer Gemeinderat nicht allein seinem Wort Glauben schenken muss, hat Roetzer den Münchner Tourismus-Professor Jürgen Schmude beauftragt, die Chancen des Projekts zu bewerten. In einer entsprechenden Studie räumt er dem Vitalresort gute Chancen auf Erfolg ein. Es bediene die Trends zu sanftem, nachhaltigem Tourismus ebenso wie der höheren Nachfrage nach Outdoor-Aktivitäten. Auch das Thema Gesundheit gewinne im Tourismus weiterhin Bedeutung. Das Vitalresort bediene insgesamt das aktuelle Reiseverhalten der Deutschen sehr gut.

Bei der nächsten Gemeinderatssitzung steht das Bebauungsplanverfahren abermals auf der Tagesordnung. Roetzer möchte das Gremium davon überzeugen, den Plan ins Verfahren zu schicken, ohne dass er einen Betreiber hat. Beginn der Sitzung ist am morgige Dienstag um 18.30 Uhr in der Vitalwelt.

Lesen Sie zum Thema auch: Vitalresort in Schliersee: Gemeinderat und Investor kommen sich näher

Was in Schliersee heuer noch geplant ist, finden Sie hier: Schliersee ist bereit für die Umsetzung: Diese Projekte stehen im neuen Jahr an

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