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Der Fahrschul-Senior: Helmut Hammerl sitzt seit 40 Jahren für die Fahrschule Wührer im Wagen. Der 72-Jährige hat bereits 3000 Fahranfänger geschult.

Fahrlehrer Helmut Hammerl im Interview

"Im Auto hast Du Freiheit"

Miesbach/Valley - Er hat mehr als 2,5 Millionen Fahrschulkilometer bei etwa 3000 Schülern hinter sich: Helmut Hammerl arbeitet seit 40 Jahren bei der Fahrschule Wührer in Miesbach.

Der 72-jährige Fahrlehrer aus Valley bleibt in jeder Lage geduldig, lockert die Situation durch Witze auf und fungiert auch schon mal als Seelentröster. Dementsprechend gefragt ist er bei den Führerscheinanwärtern. Mit ein Grund, warum der Senior noch nicht in Rente geht.

Herr Hammerl, Sie sind jetzt 72. Ein Alter, in dem andere schon längst ihren Ruhestand genießen. Warum Sie nicht?

 Weil es mir Spaß macht. Außerdem fragen immer wieder Leute an, ob ich noch fahre. Manchmal kommen Enkel, deren Großeltern schon bei mir den Führerschein gemacht haben. Pro Woche gebe ich 30 bis 40 Fahrstunden.

Sie sind für ihre unglaubliche Ruhe und Geduld bekannt. 

Wer zu mir kommt, braucht Hilfe. Wenn ich nervös oder unruhig bin, dann entsteht keine Basis, dass der Schüler Freude am Lernen hat. Man muss die Eigenheiten jedes Einzelnen akzeptieren und Geduld haben. Wenn jemand neu zu mir kommt, fahren wir zuerst eine kleine Proberunde. Dabei schaue ich mir das Potenzial an, und was das für ein Mensch ist.

Was macht Ihre Fahrstunden anders? 

Es ist bei mir immer entspannt und lustig. Ich erzähle auch hin und wieder Witze, um die Situation aufzulockern. Manche steigen schon gestresst ins Auto. Bei Überlandfahrten geht es allgemein lockerer zu. Auf der Autobahn dagegen ist die volle Konzentration da. Manchmal muss der Fahrschüler auch Druck loswerden und sich Privates von der Seele reden. Auch wenn der Lernerfolg in dieser Stunde dann mal geringer ausfällt.

Ihr schlimmster Fall?

Einen schlimmsten Fall gibt es nicht. Bei manchen dauert es nur länger. Eine ältere Frau hatte bei mir mal über 160 Fahrstunden. Im Schnitt brauchen die Schüler 30 bis 40 Fahrstunden. Zuvor war die Dame schon bei einem anderen Fahrlehrer. Sie kam zu mir und sagte, dass Sie ein schwieriger Fall ist. Die Prüfung hat sie dann aber doch im ersten Anlauf geschafft.

Und bei Ihrem eigenen Führerschein? 

Ich habe meinen Führerschein beim Militär gemacht, da waren Drill und Härte dabei. Das wollte ich anders machen.

Deshalb sind Sie Fahrlehrer geworden? 

Ich war drei Jahre lang freiwillig beim Militär. Dann habe ich einen Offizier kennengelernt, der mir sagte, dass sie einen Fahrlehrer brauchen. Das habe ich dann acht Jahre lang gemacht, für alle Klassen. Ich war immer der Fahrlehrer, der nicht rumgeschrieen hat. Das Militärische ist nicht so meine Art. Ich bin mehr der Kamerad als der Befehlsgeber. Danach bin ich als Fahrlehrer nach Stuttgart und schließlich nach Miesbach.

Fahren Sie nach der Arbeit eigentlich noch viel privat mit dem Auto? 

Samstags und sonntags fahre ich keine Touren, das vermeide ich. Da bin ich lieber mit dem Radl oder am Berg unterwegs. Etwa 60 000 Kilometer fahre ich im Monat mit der Fahrschule, privat sind es nur 4000 bis 5000.

Was reizt Sie an Ihrem Beruf? 

Man kommt immer mit Menschen zusammen. Zudem ist der Job nicht eintönig, bei jedem gestaltet sich das Fahren lernen anders. Obwohl ich gelernter Feinmechaniker und Werkzeugmacher bin, bin ich nicht gerne in der Werkstatt oder im Büro. Im Auto hast du Freiheit.

Aufhören kommt also für Sie nicht in Frage? 

Solange ich noch angenommen werde und die Schüler nach mir fragen, fahre ich weiter. Alle fünf Jahre wird man ohnehin getestet, ob noch alles passt.

Das Gespräch führte: Vera Markert.

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